Verena Farrar

Steigende Mieten gerechtfertigt?

Schmaler Grat: Konkurrentfähig auf dem Wohnungsmarkt, modern ansprechend und dennoch sozial verträglich? Wie will die SEEG Meißen das schaffen.
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Eine schöne, moderne und dennoch bezahlbare Wohnung in der Nähe von Arbeitsstätte, Schule, Arzt und Kita – das wünscht sich wohl jeder. Auch in Meißen steigt die Nachfrage nach Wohnraum im „zentralen“ Grünen immer weiter. Diese Herausforderung hat sich die Stadt und die SEEG auf die Fahnen geschrieben. Glücklicherweise bietet das Areal am Albert-Mücke-Ring beste Bedingungen: Die tolle Lage im Grünen und dennoch zentral mit guter Infrastruktur, wie Kitas, Klinik, ÖPNV-Anbindung. „Die Voraussetzungen sind da, um den Bestand im Quartier des Landschaftsschutzgebietes Nassau fit für die Zukunft und damit attraktiv für alle Generationen zu machen“, erklärt Oberbürgermeister Olaf Raschke. Zu Beginn des Projektes sah es nicht so zuversichtlich mit dem Mücke-Ring aus dem Jahre 1978 aus: Der Leerstand betrifft derzeit 25 Prozent – der aber teilweise gewollt ist, um mehr Baufreiheit zu haben. Jetzt steht der Plan: In der Nr. 8 werden in zwei der drei Eingänge Aufzüge eingebaut. „Weiterhin werden wir Balkone an die Einraumwohnungen anbauen, die Wärmedämmung anbringen sowie die nötigen Brandschutzmaßnahmen im Treppenhaus realisieren“, erklärt die Geschäftsführerin der SEEG, Birgit Richter. Auch sei geplant die Waschautomaten im Keller aufzustellen, um mehr Platz in den Einraumwohnungen zu schaffen. Erwartungsgemäß geht diese Aufwertung des Wohnraumes natürlich nicht ohne Steigerung der Mietkosten einher. Aus diesen Gründen hat die SEEG in den vergangenen Wochen bereits die Kritik des Mietervereins erfahren. Im übertragenen Sinne war von „Preistreiberei“ die Rede. „Derzeit liegen die Mieten bei durchschnittlich 5 Euro, nach der Modernisierung wird sich diese auf über 6 Euro je nachdem, ob die Wohnung einen Aufzug hat oder nicht, und ob es sich um Alt- oder Neumieter handelt, erhöhen“, erklärt Birgit Richter. Die Kritik nehme man ernst und so will die SEEG in jedem Falle auch sozial schwächere und KDU-Mieter (Kosten der Unterkunft werden durchs Amt getragen) weiter integrieren. Von der 60 Prozent nötigen Mietsteigerung, werden nur 40 direkt umgelegt. Dafür werden aber auch geringere Heizkosten durch eine bessere Dämmung absehbar sein. Für den ersten Block (drei Eingänge) ist eine Investition in Höhe von etwa 1,7 Millionen Euro geplant. Die Fertigstellung wird voraussichtlich im Herbst 2017 sein. Damit ist eine Neuvermietung zum Jahresende vorgesehen. Baubeteiligt sind elf Firmen, welche alle in Meißen und im Umland ansässig sind. Die Mieter wurden je nach Möglichkeit in den Gestaltungsprozess mit eingebunden, aber nicht alle waren begeistert. Dennoch sprach sich eine Mehrheit für die Aufwertung der Wohnsituation aus. Monika Rudolph und Claus Holler sind Mieter der ersten Stunde. Beide wohnen im ersten Stock und wollen gerne im Mücke-Ring bleiben. „Wir haben uns ganz klar für die Modernisierung ausgesprochen und sind zufrieden mit der Information und der Einbindung durch die SEEG“, fügen sie an. Auch freuen sie sich auf die Belebung und die neuen Mieter. Auch wenn die ersten Arbeiten an den Bodenplatten eine echte Zerreißprobe für die Nerven waren. Doch wo etwas Neues entstehen soll, muss häufig erst altes beseitigt werden. Oberbürgermeister Olaf Raschke erinnert als positives Beispiel auch an den Fellbacher Bogen. Dort habe die Aufwertung sehr gut geklappt und etliche neue Mieter wurden angezogen. Dier Stadt konnte so auch Neumeißner gewinnen, die jetzt ihren Lebensmittelpunkt in der Stadt haben. Er versichert, dass die gute soziale Durchmischung auf jeden Fall gewollt ist. „Wir brauchen keine stigmatisierten Viertel sondern Wohngebiete für alle Generationen und soziale Schichten - ein gesundes Abbild der Gesellschaft eben“, fügt er an. Birgit Richter erinnert, dass beispielsweise im Fellbacher Bogen der Leerstand nach der Modernisierung auf Null gesunken ist. Für das gesamte Viertel am Albert-Mücke-Ring sind perspektivisch Aufwertung und Modernisierung geplant, in den leerstehenden Wohnungen auch umfassendere Umbauten und Änderung der Grundrisse. Umbau von Zwei- zu Dreiraumwohnungen. Auch Erweiterungsflächen auf dem Gelände der ehemaligen Sprachheilschule sind im Gespräch. Übrigens, durch das Landschaftsschutzgebiet sind große Flächen unverbaubar. Ausblick, Lage und Potential der Siedlung sollen ausgeschöpft werden, eventuell ist die Entwicklung zur „Gartenstadt“ denkbar.