André Schramm

Klammes Käbschütztal: „Überschaubare Schulden“

Uwe Klingor gehört zu den dienstältesten Stadtoberhäuptern im Landkreis Meißen. Nächstes Jahr geht er in den Ruhestand. Bis dahin soll noch der kommunale Wohnungsbestand veräußert werden. Ein Gespräch über seine Amtszeit und die Herausforderungen der Zukunft.
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Gehört zu den dienstältesten Bürgermeistern im Landkreis: Uwe Klingor. Foto: Schramm

Gehört zu den dienstältesten Bürgermeistern im Landkreis: Uwe Klingor. Foto: Schramm

In rund neun Monaten ist ihre Amtszeit zu Ende. Zählen sie schon die Tage? Nein, aber die Monate. Was haben Sie bis dahin noch auf dem Zettel stehen? Wir wollen zügig die Häuser der Ringstraße verkaufen. Das muss organisiert werden. Erinnern sie sich an die ersten Monate ihrer Amtszeit vor 20 Jahren? Was waren damals die Themen, mit denen sich die Gemeindeverwaltung beschäftigt hat? Großes Thema war die Sanierung der Grundschule Krögis. Glücklicherweise gab es von der Bundesregierung das Programm „Ganztagsschule“. Wir haben uns beworben. Und wenn der CDU-geführte Freistaat Sachsen damals auf den Zug gesprungen wäre, hätten wir fast 90 Prozent bekommen. Wir haben es mit 900.000 Euro an Eigenmitteln und einer Förderung von ca. 80 Prozent trotzdem geschafft. Die Gesamtkosten lagen um die 1,8 Millionen Euro. Wenn Sie zurückblicken, worauf sind Sie stolz? Wenn ein Bürgermeister stolz ist, dann immer, weil seine Mitarbeiter und nicht zuletzt der Gemeinderat eine tolle Arbeit geleistet haben. Aber ohne ein engagiertes Kommunalamt vom Landkreis und den vielen Mitarbeitern der Behörden wäre gar nichts gegangen. Ich finde, das sollte auch mal gesagt werden. Gemeinsam mit dem Trinkwasserzweckverband „Meißner Hochland“ ist es gelungen, die Ortsteile Niederjahna und Barnitz ans Abwasser anzuschließen. Barnitz bekam eine Druckentwässerung in einer Zeit, wo der Freistaat stolz darauf war, alles auf vollbiologische Kläranlagen umzustellen. Auch bin ich sehr froh, dass es in meiner Zeit gelungen ist, drei Feuerwehrhäuser neu oder umzubauen. Der damalige stellv. Bürgermeister von Zahn hat von der Johanniter Unfallhilfe (JUH) Fördermittel organisiert und wir haben den Kita Löthain neu geschaffen. Die Kita Barnitz wurde in einem denkmalgeschützten Haus saniert. Ich habe nicht bereut, dass die Betriebsführung an die JUH überging. Nach meiner Einschätzung leisten die Mitarbeiter eine tolle Betreuung und das kostet seinen Preis. In den Medien wird öfters über die Unfallgefahrenquelle B 101/ Kreisstraße Barnitz berichtet. Dass da Unfälle passieren und Personen zu Schaden kommen ist tragisch. Aber trotzdem bin ich sehr stolz, dass es gelungen ist, die Bundesstraße aus der Ortslage Krögis heraus zu bekommen. Das war nicht nur Kampf, das war teilweise Krampf. Ohne den damaligen Wahlkreisabgeordneten Thomas de Maizière und den damaligen Staatssekretär Jan Mücke hätte ich es wohl nicht geschafft. Was ärgert sie? Weil wir grad bei der B 101 sind: Die rechtwinklige Kurve in Soppen muss unbedingt begradigt werden. Da hat mein Nachfolger richtig Arbeit. Ich denke, da können sich unsere neuen Bundestagsabgeordneten von der AfD auch voll einbringen. Seit 2015 sind sie (nur noch) ehrenamtlicher Bürgermeister. Ist der Job im Ehrenamt überhaupt zu schaffen? Nochmal, mit tollen Mitarbeitern schafft man Vieles. Mir kam natürlich zugute, dass ich Rentner und seit 1990 Bürgermeister bin. Meine Frau hat einen Weinberg und ich darf da arbeiten. Wenn die Verwaltung angerufen hat, wusste ich natürlich nach so einer langen Zeit um was es geht und konnte dann relativ kurzfristig zu entscheiden. Die Gemeinde Käbschütztal gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als notorisch klamm: Ist das ein strukturelles Problem oder wurde in den letzten Jahren falsch gewirtschaftet? Eine Gemeinde zu führen, die über genügend Rücklagen verfügt, macht selbstverständlich mehr Spaß. Natürlich bin ich an unserer Haushaltslage schuld. Dennoch sind unsere Schulden gering. Demgegenüber stehen nur geringe Einnahmen. Das wird wohl auch ein Grund gewesen sein, dass uns Meißen nach einem dreiviertel Jahr doch nicht wollte. Wie tief steht die Gemeinde aktuell in der Kreide? Wir haben derzeit einen Dispo von minus 1,4 Millionen Euro. Der Gemeinderat hat nun beschlossen, den kommunalen Wohnungsbestand zu veräußern. Ist die Entscheidung aus Ihrer Sicht richtig? Wir haben es uns mit der Entscheidung nicht leichtgemacht. Die Mieter haben ihre Miete bezahlt, aber der Eigentümer  - also die Gemeinde - hat nichts zurückgegeben. Und das treibt mich an, zu sagen, so eine kleine Gemeinde schafft das nicht und das kann auch nicht unsere Pflichtaufgabe sein. Ich bin mir relativ sicher, der Beschluss zum Verkauf war die richtige Entscheidung. Wir werden einen Investor finden, der gute Wohnungen unterhält bei bezahlbaren Mieten. Wie geht es in der Angelegenheit nun weiter? Ich werde in Kürze nach Gesprächen mit Interessenten einen Makler beauftragen. Der Gemeinderat legt Wert darauf, eingebunden zu werden. Das werden wir mit dem Makler zusammen garantieren. Gibt es eigentlich weitere Auflagen der Aufsichtsbehörde, um die finanzielle Situation zu verbessern? Stichwort: Bahnhofsverkauf Ja, natürlich müssen wir alles auf den Kopf stellen. Es gibt aber eigentlich gar nichts mehr. Deshalb haben wir auch ein Antrag auf Bedarfszuweisung an den Freistaat gestellt. Wo sehen Sie dringenden Investitionsbedarf in den nächsten Jahren? Wir brauchen dringend Feuerwehrautos. Was aber noch wichtiger ist: Wir brauchen engagierte Bürger und Bürgerinnen, die sich weiterhin in der Feuerwehr engagieren. Welche Herausforderungen warten auf Ihren Nachfolger? Mein Nachfolger wird keine Langeweile haben – versprochen! Was haben Sie sich für Ihren Ruhestand vorgenommen? Wir haben einen Weinberg, ein Grundstück, zwei Hunde und viele Hobbys…