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Die Firma, die fast alles kann

Die DRK-Werkstätten in Meißen haben mit dem vier Millionen Euro teuren Neubau im Gewerbegebiet Ost ideale Voraussetzungen für ihre Mitarbeiter geschaffen. Beim Blick auf deren Einsatzgebiete ist selbst Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch ziemlich schwer beeindruckt.
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Vl.: Sozialministerin Barbara Klepsch, Werkstattleiter Michael Rollberg und Oberbürgermeister Olaf Raschke. Foto: Schramm

Vl.: Sozialministerin Barbara Klepsch, Werkstattleiter Michael Rollberg und Oberbürgermeister Olaf Raschke. Foto: Schramm

Wer nach einem Beispiel für die Produktionsvielfalt fragt, muss nicht lange suchen. Sämtliche Wanderwegweiser im Meißner Stadtwald haben die Mitarbeiter der DRK-Werkstätten produziert, genauso die Sitzbänke am Elberadweg. In der Meißner Stadtverwaltung schwört man schon länger auf die Kompetenz, vor allem aber Qualität aus Meißen-Ost. „Warum in Hochglanzkatalogen aus dem Westen bestellen, wenn wir das genauso gut vor der Haustür können“, fragt Oberbürgermeister Olaf Raschke mit Blick auf´s städtische Interieur. Ehrlicherweise muss man festhalten, dass Aufträge der öffentlichen Hand beim DRK noch die Ausnahme sind. „90 Prozent unserer Bestellungen werden von Unternehmen ausgelöst, ein kleiner Teil von Privatpersonen“, erklärt Werkstattleiter Michael Rollberg. Unternehmensaufträge

So lässt beispielsweise die hiesige Bienenwirtschaft hier ihren Honig mit Etiketten bekleben, ebenso der Winzer Loose seine Weinflaschen. Ob das Zusammensetzen von Schaltern und Wippen für VW-Armaturen, die Herstellung von Verpackungen für „mymuesli“ oder das Befüllen von Kalten-Hund-Dosen für Vadossi – sowohl regionale als auch überregionale Unternehmen nehmen die Leistungen der Menschen mit Behinderung gern in Anspruch.  „Auch die Hygienebeutel für die sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen werden bei uns konfektioniert“, sagt Rollberg. Druckerzeugnisse, Gartenarbeiten, Möbelherstellung- und -aufbereitung – die Palette ist scheinbar endlos. Selbst der Laubenpieper bekommt hier sein Vogelhäuschen nach Wunsch – in der Regel für 75 bis 80 Prozent des Vergleichspreises, wie der Werkstattleiter erklärte. Mitarbeiter kommen aus dem ganzen Landkreis Der neue Werkstattbau bietet Platz für insgesamt 120 Mitarbeiter und wurde nötig, weil der bisherige Standort auf der Zaschendorfer Straße immer öfter an seine Kapazitätsgrenze stieß. „Darüber hinaus entsprach er längst nicht mehr den barrierefreie Anforderungen“, so Rollberg weiter.
Die Werkstatt-Mitarbeiter kommen aus dem gesamten Landkreis Meißen und leiden an einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung bzw. an chronisch-psychischen Erkrankungen.  Eingesetzt werden sie entsprechend ihrer Fähigkeiten und bekommen für ihre Arbeit ein Gehalt. Der Freistaat unterstützte das Vorhaben finanziell (2,3 Millionen Euro), die Stadt Meißen kümmerte sich um das Grundstück. Sozialministerin Barbara Klepsch sprach von einem Meilenstein auf dem Weg der Inklusion. „Hier wurde 120 Mal die Chance zur Teilhabe am Lebengeschaffen“, sagte sie und sicherte sich nebenbei gleich einen Leistungskatalog. Der erste Ministeriumsauftrag ist damit wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit...
          


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