Seitenlogo
tok

SWW blicken mit Sorge auf den Winter

Weißwasser. Die Strom-Konzession ging wieder an die Stadtwerke Weißwasser, der Blick auf Herbst und Winter bereitet dem Unternehmen Kopfzerbrechen. Wir sprachen mit Geschäftsführerin Katrin Bartsch.

Geschäftsführerin Katrin Bartsch.

Geschäftsführerin Katrin Bartsch.

Bild: SWW

WochenKurier: Nach dem Wegfall des Wassergeschäfts hat die Stadt zumindest die Strom-Konzession wieder an die Stadtwerke vergeben. Was bedeutet das für das Unternehmen?

Katrin Bartsch: Für die Zukunft der SWW ist die Entscheidung ein positives Signal. Die Konzessionsentscheidung ist ein klares Bekenntnis zu uns als Stadtwerk und zeigt, dass wir die Parameter der Ausschreibung am besten erfüllt haben. Dennoch ist absehbar, dass durch die Teilung eines hocheffizienten Spartenstadtwerkes nicht mehr das Leistungsportfolie in dem Umfang und der Qualität erbracht werden kann. Dazu gehören u.a. die Leistungen für den Stadthaushalt sowie die freiwilligen Leistungen von über einer Million Euro im Jahr ohne Risiken und Kapitalbedarf seitens der Stadt.

Der Wegfall von Betriebsteilen führt zu Effizienzverlusten. Unsere Aufgabe ist es jetzt, mit der bereits begonnenen Neuausrichtung des Unternehmens zum einen Wachstum zu generieren, zum anderen Effizienzverluste zu kompensieren. Die Energiemarktkrise bietet auch Chancen, welche es zu nutzen gilt. Für die Stadt Weißwasser ist dabei insbesondere die sichere, bezahlbare und CO2-neutrale Wärmeversorgung zu nennen.

 

Lässt sich schon absehen, wie stark sich die Belegschaft der Stadtwerke verkleinern wird?

Ja, es bedarf des mehrfach angezeigten Betriebsüberganges nach § 613 a BGB. Im Betriebsteil Trinkwasser/Abwasser Wasserzweckverband sind es 25 Stellen, im Betriebsteil Trinkwasser/Abwasser Stadt 18 Stellen.

 

Die lange Unsicherheit bezüglich Wasser- und Stromgeschäft ist auch an den Mitarbeitern nicht spurlos vorübergegangen. Hat das zu Abwanderung geführt?

Leider können wir hier nichts schönreden. Es ist eine Extremlage für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir bedauern sehr, dass einige Mitarbeiter sich aufgrund der Unsicherheiten und Veränderungen bereits nach Alternativen umgeschaut haben. Umso wichtiger ist es jetzt für uns, dass allen Mitarbeitern nun schnell Klarheit gegeben wird und wir gemeinsam nach vorn schauen können. Schlussendlich sind Mitarbeiter die wichtige Ressource für den Erfolg eines jeden Unternehmens und das insbesondere mit Blick auf den Fach- und Führungskräftemangel.

 

Wie ist der Stand in Sachen Fernwärme und Gas?

Veolia und SWW hoffen auf einen Zuschlag im Rahmen des laufenden Gas-Konzessionsverfahren, an dem sich die SWW ebenfalls mit einem attraktiven Angebot beteiligt hat. Wir sind zuversichtlich, den Versorgungsauftrag erneut zu erhalten. Zur Fernwärme können wir aktuell keine Aussage machen.

 

Die Energiepreise sind explodiert. Wie blicken sie auf den Winter?

Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen mit Sorge, gerade in Bezug auf Gasversorgungssicherheit im kommenden Herbst und Winter. Die Preise auf den Energiemärkten haben sich innerhalb eines Jahres exorbitant erhöht und sind weiterhin auf sehr hohem Preisniveau. Diese Erhöhungen finden sich teilweise bereits bei unseren Einkaufspreisen wieder. SWW muss, wie jedes andere Stadtwerke auch, jetzt regelmäßig Preiskalkulation vornehmen und diese umsetzen. Alle unsere Strom- und Gas-Kunden werden Preiserhöhungen ab 2023 erhalten. Neben den Energiepreisen explodieren auch die Netzentgelte. Wir hoffen daher zeitnah um praxistaugliche Entlastungsmöglichkeiten für unsere Kunden durch das Maßnahmepaket der Regierung. Denn die aktuellen Preissteigerungen bedeuten für alle Verbraucherinnen und Verbraucher eine enorme Belastung.

 

Wie reagieren die Kunden bisher?

Wir haben unsere Kunden bereits Ende Juli über die aktuellen Preiserhöhungen und Ursachen per Schreiben informiert, um diese bereits früh zu dem Thema zu sensibilisieren. Die Resonanz ist hierzu bisher in Summe positiv. Die SWW ist sehr bemüht, Infos und Tipps zum Energiesparen zur Verfügung zu stellen. Das geschieht über unsere Website, Socialmedia, Stadtapp und neue Broschüren.

 

Wo bekommt man Unterstützung?

Unsere Mitarbeiter im Kundenbüro werden regelmäßig über die Veränderungen des Marktes und der gesetzlichen Grundlagen informiert, damit sie Rede und Antwort stehen können. Uns ist bewusst, dass die Energiepreissteigerungen für viele Menschen nur bedingt und zum Teil gar nicht leistbar sind. Diesen Kunden in finanzieller Notlage raten wir, sich rechtzeitig mit uns und entsprechenden Beratungsstellen in Verbindung zu setzen. Die regionalen Kontakte wie z.B. der Schuldnerberatung des DRK haben wir im Kundenbüro ausliegen.


Meistgelesen