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»Jetzt muss ein Investor gefunden werden«

Niesky. Der Waggonbau Niesky hat Insolvenz angemeldet. Das Verfahren will der Eigentümer in Eigenverwaltung durchführen. Die IG Metall sieht das kritisch.

Seit November gibt’s die Mahnwachen vor den Werkstoren, mit einer Ausnahme am 21. Februar. Da liefen die Beschäftigten durch Niesky.

Seit November gibt’s die Mahnwachen vor den Werkstoren, mit einer Ausnahme am 21. Februar. Da liefen die Beschäftigten durch Niesky.

Bild: Keil

Die Stimmung im Nieskyer Waggonbau ist seit Monaten angespannt. Die Mitarbeiter standen jede Woche vor dem Werkstor, forderten Gespräche über die zukünftige Ausrichtung und warfen dem Eigentümer, dem slowakischen Güterwagenhersteller Tatravagónka vor, das Unternehmen habe kein Interesse am Fortbestand des Nieskyer Werks. Der Eigentümer dementierte das immer wieder und warf seinerseits der Belegschaft mangelnde Motivation und Zuverlässigkeit vor.

 

Anfang Mai kam nun die Hiobsbotschaft für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Waggonbaus: Am 4. Mai hat der Eigentümer Insolvenz angemeldet, tags darauf die Belegschaft über diesen Schritt informiert. Das Insolvenzverfahren will Tatravagónka laut IG Metall in Eigenverwaltung durchführen, was die Gewerkschaft kritisch sieht. »Die zurückliegenden Jahre der Eigenverwaltung haben den Standort erst in diese Lage gebracht. Was wir nicht brauchen, ist eine Industriebrache in Niesky. Wir werden ein extrem scharfes Auge auf die Vorgänge haben müssen«, sagt Eileen Müller, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Ostsachsen. Das Ziel bleibe weiter, den letzten Güterwagenhersteller Deutschlands in eine sichere Zukunft zu führen. »Das werden wir weiterhin gemeinsam mit Betriebsrat, Beschäftigten und Politik forcieren.«

 

Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG, bezeichnet den Insolvenzantrag als eine »bittere Entscheidung« und nicht als die Entscheidung, für die man in den vergangenen Monaten gekämpft habe. »Aber nun liegen die Karten zumindest auf dem Tisch. Darin kann auch eine Chance liegen. Mit dieser Gewissheit muss jetzt ein Investor gefunden werden«, so Garbe. Am 9. Mai wird es eine weitere Mahnwache vor den Werkstoren geben. Ob die danach weitergehen, wollen Gewerkschaft und Belegschaft in den kommenden Tagen entscheiden.

 

Tatravagónka hat die Insolvenz im Schutzschirm-Verfahren beantragt. Dabei steht der Unternehmer drei Monate unter Aufsicht des Insolvenzgerichts und des eingesetzten Sachwalters, verliert aber nicht die Kontrolle über seinen Betrieb. Man hat jetzt drei Monate Zeit, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten.


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