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Sportcenter Oppach: Wir brauchen Sport

Das Oppacher Sportcenter Bushido beteiligt sich an der Initiative Wir brauchen Sport, will so auch in der Region auf die Lage der Sportstudios aufmerksam machen. Die Initiative fordert das Ende des Sport-Lockdowns.
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Symbolfoto: picupyourphoto auf Pixabay

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Sachsen will die aktuelle Corona-Schutzverordnung bis 9. Mai verlängern. Ein Umstand, der Bärbel Werner aus Oppach gar nicht gefällt. Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Mann das Sportcenter Bushido in Oppach. Und in der aktuellen Schutzverordnung steht eben, dass die Öffnung und der Betrieb von Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen, soweit sie nicht medizinisch notwendigen Behandlungen dienen, aktuell untersagt ist. Für Bärbel Werner heißt das, die Mitglieder weiterhin vertrösten und auf Lockerungen hoffen. „Ohne die Solidarität unserer Mitglieder wüsste ich nicht, wie es weitergeht“, sagt Bärbel Werner. Knapp 130 Mitglieder hat das Sportcenter, die meisten sind treu geblieben und zahlen weiterhin ihre Beiträge, obwohl das Center aktuell nicht viel anbieten kann. Ein bisschen Online-Training hier, ein verliehenes Fahrrad oder Hantelset da – viel mehr ist momentan nicht drin. Ein Hygienekonzept hat das Center natürlich, dass wurde zwischenzeitlich nochmal erweitert. „Wir haben vergangenes Jahr versucht, zumindest Individualsport möglich zu machen“, erzählt Bärbel Werner. Statt Click & Meet quasi Click & Exercise. Doch das klappte nicht. Dass ihr Sportcenter geschlossen bleiben muss, aber an anderer Stelle, beispielsweise bei den körpernahen Dienstleistungen, bereits wieder geöffnet werden darf, kann Bärbel Werner nicht nachvollziehen. Sie möchte, unter Einhaltung des Hygienekonzepts, wieder öffnen dürfen. „Aber Sport scheint für die Regierung nur bis zur Bundesliga interessant. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit“, fragt sie. November- und Dezemberhilfe hat das Sportcenter beantragt, Geld ist aber bisher nicht geflossen. „Wir haben noch keine Antwort, wissen also nicht, ob wir die Unterstützung erhalten“. Im Internet stieß Bärbel Werner auf die Initiative "Wir Brauchen Sport" und damit auf Gleichgesinnte. Zum Internationalen Tag des Sports wurde eine kleine Versammlung vor dem Rathaus in Oppach angemeldet, bei der zehn Unterstützer der Bürgermeisterin ein Hygienekonzept und einen offenen Brief überreichten. Dass die Bürgermeisterin die Regeln nicht einfach ändern kann, ist Bärbel Werner bewusst. „Aber irgendwo muss man ja anfangen, wenn man gehört werden will.“ Bürgermeisterin Sylvia Hölzel versprach, das Anliegen an den Kreissportbund Oberlausitz (KSB) weiterzuleiten. Die Initiative Wir brauchen Sport argumentiert, dass Sport gerade jetzt wichtig ist, um das Immunsystem zu stärken und Übergewicht und Depressionen vorzubeugen. Dass das nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt eine Studie aus den USA. Die hatte die Krankheitsverläufe von knapp 48.500 Menschen, die im Zeitraum von Januar bis Oktober 2020 an Covid 19 erkrankt waren, untersucht und mit der sportlichen Aktivität der Patienten abgeglichen (dazu wurden Eigenauskünfte der Patienten über ihre sportliche Aktivität verwendet). Im Ergebnis zeigte sich, dass sportlich inaktive Menschen häufiger im Krankenhaus behandelt und auch häufiger auf die Intensivstation mussten, als sportlich Aktive. Auch die Sterberate war höher.

Auch KSB fordert Öffnungsperspektive

KSB-Geschäftsführer Marko Weber-Schönherr kennt die Aktion aus Oppach und kann sie nachvollziehen, auch wenn er sich in dem offenen Brief andere Inhalte gewünscht hätte. Tatsächlich steht außer der Forderung den Sport zu öffnen und der Aussage, dass Sportler für die hohen Inzidenzen nicht verantwortlich seien können, weil Sportstätten seit 2. November geschlossen sind, nicht allzu viel in dem Brief. Dass die Inzidenzen bei geöffneten Sportstätten ja durchaus auch höher sein könnten, wird dabei außen vor gelassen. Da hätte man von der Initiative, die den offenen Brief erstellt hat, ein paar Argumente mehr erwartet. Fairerwaise muss man aber sagen, dass es nicht der erste offene Brief der Initiative ist und in älteren Schreiben an die Politik sehr viel mehr Argumente zu finden waren. Vielleicht wollte man sich schlicht nicht ständig wiederholen.  Auch der KSB fordert seit längerem Öffnungsperspektiven für den Sport, hat dazu im März einen Stufenplan vorgelegt. Der war aber wie die damaligen Pläne der Politik rein auf Inzidenzwerte ausgerichtet. Hier wurde allerdings inzwischen ein anderer Weg eingeschlagen, Öffnungen sind jetzt auch ohne den Blick auf die Inzidenzen möglich, beispielsweise, wenn negative Tests vorgelegt werden. So läuft es aktuell unter anderem in Museen und Tierparks. Das wünscht man sich beim KSB auch für den Sport. Mit Hygieneregeln und negativen Testergebnissen könnte gemeinsames Training wieder möglich werden. „Allerdings müssen dazu umsetzbare Regeln gefunden werden“, sagt Marko Weber-Schönherr. Kontaktnachverfolgung sei leistbar, ein Testangebot aber nicht. Er spricht dabei aus Sicht der Sportvereine, für die der KSB der Dachverband ist. Vorstellbar ist aus seiner Sicht ein Testrhythmus ähnlich den Schulen, wo aktuell zwei Mal pro Woche getestet wird. Hieße: Die Sportler legen einen negativen Test aus einem Testzentrum vor und können damit wieder in den Sportstätten trainieren. Doch das ist aktuell Zukunftsmusik. Denn wenn die aktuelle Schutzverordnung verlängert wird, gilt weiterhin grundsätzlich: Sportstätten in Sachsen bleiben geschlossen. Doch so ganz gilt das aktuell im Landkreis gar nicht. Denn der hat Anfang April per Allgemeinverfügung einige inzidenzunabhängige Maßnahmen erlassen. Dazu zählt auch, dass Individualsport alleine oder zu zweit und in Gruppen von bis zu 20 Kindern und Jugendlichen auf Außensportanlagen wieder möglich ist. Ein kleiner Lichtblick. Allerdings muss der Kreis diese Öffnung wieder zurücknehmen, wenn in Sachsen mehr als 1300 Krankenhausbetten auf Normalstationen mit Covid-Patienten belegt sind. Dieser Wert lag in den vergangenen Tagen immer recht knapp unter diesem Grenzwert. Am 15. April waren 1.186 Betten belegt.


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