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Fazit nach der Landratswahl: Kandidat Sylvio Arndt im Interview

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Sylvio Arndt.

Sylvio Arndt.

Foto: PR/Arndt

Landkreis Görlitz. Mit einigem Abstand zum zweiten Wahlgang wollten wir von den vier Kandidaten wissen, wie sie den Wahlkampf wahrgenommen haben und wie sie ihr Ergebnis bewerten. Hier antwortet Sylvio Arndt (parteilos) auf unsere Fragen.

 

WochenKurier: Wie haben Sie den Wahlkampf wahrgenommen?

Sylvio Arndt: Die Art wie Wahlkampf durch Parteien geführt wird, ist dem meisten Menschen bekannt. Man verspricht Lösungen für die aktuellen Probleme und liefert sich Scheingefechte um den besten Lösungsweg. Das Paradoxe daran ist, dass die Lösungen bei verschiedensten vorangegangen Wahlen auch schon versprochen worden sind und die Einhaltung einfach zu überprüfen wäre. In meiner Lebensrealität ist es üblich, die Qualität von Lösungswegen an den Ergebnissen zu messen, weil nur bei positiven Ergebnissen überhaupt ein Fortbestehen des Unternehmens möglich ist. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt wirklich den Eindruck mich mit dieser Logik in der Breite verständlich machen zu können. Fast alle öffentlichen Formate fragen nur danach, was man verbessern will, ohne dass Uhrsachen und Rahmenbedingungen ausführlich behandelt werden. Ab einen gewissen Zeitpunkt, hatte ich nur noch die Wahl, entweder zu meiner eigenen Überzeugung zu stehen oder "Konzepte" anzubieten, an die ich selbst nicht glaube. Dann war mir die Achtung vor den Menschen die mich kennen und vor mir selbst wichtiger. Die Rolle der Sächsischen Zeitung bei der Meinungsbildung empfand ich extrem negativ und die pauschalen Aussagen von Menschen aus der Politik "ich wäre mir der Tragweite der Verantwortung nicht bewusst", empfinde ich, in Anbetracht der selbstgemachten Probleme des Kreises, als sehr arrogant.

 

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Ergebnis?

Als ich die Abwägung getroffen habe, ob ich antrete, war zwischen "nicht erst zur Kandidatur zugelassen werden" und gewinnen alles möglich. Genau in diesem Bereich beliefen sich auch meine Erwartungen. Da es keinen Preis für den 3 Platz gibt, erweist sich der Aufwand jetzt als Fehlinvestition und damit ist das Ergebnis in der Nachbetrachtung negativ. Man muss aber wissen, dass es in der Wirtschaft keine Erfolgsgarantien gibt. Sie können durch gute Planung und konsequente Umsetzung nur die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges erhöhen. Und wenn ihnen etwas wichtig ist, nehmen sie auch ein höheres Misserfolgsrisiko in Kauf. Mit dem Wissen um den Erfolg das ich heute habe, würde ich nicht mehr die Zeit und das Geld investieren, mit dem Wissen das ich zu Anfang des Jahres über die Möglichkeiten hatte, würde ich mich noch mal so entscheiden. Wenn Sie meine Zufriedenheit als Mensch interessiert, stellen Sie sich eine Sportmannschaft vor, die es bei einem Pokalwettbewerb gegen Mannschaften aus höheren Liegen ins Finale geschafft hat. Nur wenige würden darauf wetten, dass dies Mannschaft gewinnt. Trotzdem wird jeder Spieler hoffentlich auf Sieg spielen, schon damit er mit sich selbst im Reinen ist. Genau das haben meine Familie und ich gemacht und darauf bin ich unendlich stolz.

 

Knapp 50 Prozent Wahlbeteiligung im ersten, knapp 40 Prozent im zweiten Wahlgang. Wie bewerten Sie diese Zahlen?

Obwohl ich selbst der Meinung bin, dass der Landrat ein Arbeitsfeld ist, wo man noch direkten Einfluss auf den Erfolg einer Region hat, ist für viele Menschen der Landrat zu weit weg im Vergleich zum Bürgermeister und politisch zu unwichtig für die "große" Politik. Insofern hätte ich im 2. Wahlgang (ohne Bürgermeisterwahlen) eine noch geringere Beteiligung erwartet.

 

Landrat Lange sagte kürzlich in einer Presserunde, dass sich die Wahlbeteiligung nur signifikant erhöhen ließe, wenn Wählen zur Pflicht würde. Es war nur ein Gedankenspiel, aber würden Sie dem zustimmen? Können Sie der Idee etwas abgewinnen?

Da ich jetzt wieder ganz als Unternehmer antworten kann, kann ich sagen, dass mich diese Forderung nicht im Geringsten wundert. Ich hatte in den letzten Monaten ausführlich Gelegenheit die Unterschiede zwischen Politik und Wirtschaft kennen zu lernen. Auch in der Wirtschaft ist man gelegentlich gezwungen Maßnahmen zu ergreifen, um in akuten Situationen Symptome abzuschwächen. Aber man ist sich bewusst, wenn immer nur an den Auswirkungen der Probleme und nicht an den Problemen selbst gearbeitet wird, hat man irgendwann einen viel zu großen Haufen an Problemen. Gesetze ändern immer nur die Pflichten, wie sich Menschen verhalten sollen. Gerade in Zeiten wo es den Menschen an verlässlichen Sicherheiten für die Zukunft fehlt, würde ich mich davor hüten den Menschen noch mehr Pflichten aufzuerlegen. Denn dadurch wird das Risiko sehr groß, dass die Menschen das Regelwerk als Ganzes ablehnen.