Carola Pönisch

Lebensretterin von Eberhart, Roberto und Co.

Wenn irgendwo in Dresden und Umgebung kleine Eichhörnchen aus dem Nest fallen oder große verletzt aufgefunden werden, kann es gut sein, dass sie bei Jaqueline Gräfe in Dresden-Leuben landen. Die 48-Jährige betreibt ein Auffangstation im bundesweit agierenden Verein Eichhörnchen-Notruf e.V.
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Das Sciurus vulgaris-Fieber packte Jaqueline Gräfe im vergangenen Juli. Da fand sie in ihrem Kleingarten in Zschachwitz ein winzig kleines Eichhörnchen, dessen Nest – in der Fachsprache Kobel genannt – von Krähen zerstört worden war. „Ich rief zuerst die Greifvogelhilfe in Weinböhla an, die gaben mir den Kontakt zum bundesweit agierenden Eichhörnchen-Notruf e.V. und von dort erhielt ich dann Hilfe, damit der kleine Kerl überleben konnte." Jaqueline Gräfe, bereits erfahren im Umgang mit jungen Säugetieren, war sofort in ihrem Element, konnte dem Kleinen dank der Notruf-Unterstützung helfen und päppelte neben Friedolin gleich noch ein zweites Fundtier mit auf. Zudem wurde sie nicht nur Vereinsmitglied, sondern in ganz Sachsen die erste ehrenamtliche Eichhörnchen-Notruf-Mitarbeiterin. Bis heute zog sie 19 Sciurus vulgaris, so der lateinische Name, erfolgreich auf. Auf Friedolin und Pepe folgten Anton, Flori, Eberhard, Roberto und viele andere. Während die ganz Kleinen jede Stunde rund um die Uhr mit Spezialmilch versorgt werden, erhalten die größeren allerlei Obst, Gemüse und Zwieback, später dann Nüsse, Hagebutten, Sonnenblumenkerne und Zapfen. „Und Zuckermais, darauf fahren die richtig ab", wie die Expertin inzwischen weiß. All das finanziert sie aus eigener Tasche, bei den „Waldfrüchten" und Nüssen helfen inzwischen Kita- und Schulklassen, aber auch hilfsbereite Mitmenschen beim Sammeln. Trotz aller Niedlichkeit, die den Nagern mit den großen Augen in den Kobel gelegt werden, heißt das Ziel der „Notruf-Mutter" natürlich: Auswildern. Denn aus den Fund- werden keine Stubentiere, „die gehören in die Natur". Haben sie die ersten Wochen bei Jaqueline Gräfe im Wohnzimmer überlebt, kommen sie in die Auswilderungsvoliere in ihren Garten in Zschachwitz. „Dann beschränke ich den Kontakt nur noch auf Futtergaben und Säubern. Sie sollen ja schließlich nicht handzahm werden, sondern wieder in die Natur zurückkehren."                      Infos: www.eichhoernchen-notruf.com   Hotline 0700/200 200 12