Birgit Branczeisz

Landesbühnen haben jetzt eigene Theaterpferde

Moritzburg. Das Ensemble holt außerdem 50 Pferde vom Gestüt für "Carmina Burana" auf den Festplatz.

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Zu diesem Termin ist Jackson nicht allein angereist, er hat seinen Kumpel Remus mitgebracht. "Da fühlt er sich wohler", lacht Julia Eilenberger vom Landgestüt Moritzburg. Vielleicht haben ja auch Pferde Lampenfieber. Denn die beiden sind echte Schauspiel-Pferde. Mit Sandra Maria Huimann alias Aschenbrödel versteht sich Schimmel Jackson schon richtig gut. Tatsächlich hat die Schauspielerin und Sängerin erst für diese Rolle inmitten der authentischen Filmkulisse richtig reiten gelernt. Fechten stand auf dem Stundenplan in der Schauspielschule, plaudert sie, Reiten allerdings nicht, das leisten sich nur wenige Häuser.

 

Vier bühnenerfahrene Pferde aus Ralswiek

Weil die Sächsischen Landesbühnen mit der Felsenbühne Rathen und dem Schloss Moritzburg zwei außergewöhnliche Bühnen-Kulissen haben, sind Pferde einfach ein Muss und Reiten damit auch. Bisher half da die Horses-and-Stunts-Awega den Akteuren. Nun allerdings ist diese Ära vorerst vorbei, denn wie Intendant Manuel Schöbel erzählt, verbringen Tiertrainer heute nicht mehr ihr Leben mit den Pferden wie noch vor 20 Jahren. So waren die Landesbühnen erstmals darauf angewiesen, sich selbst nach Theater-Pferden umzusehen. In Ralswiek bei den Störtebecker-Festspielen wurden sie schließlich fündig.

Seitdem haben die Landesbühnen sozusagen vier Theaterpferde im Ensemble, einlogiert im Radebeuler Friesenhof. Die sind bühnenerfahren, wissen wie man sich bewegt und vor allem großartig stehen bleibt, lobt Intendant Manuel Schöbel seine Neuzugänge. "Und Frau Eilenberger ist gerade dabei uns zu empfehlen zwei weitere zu kaufen", witzelt er. Die junge Frau ist ein Jahr vom Landgestüt freigestellt und wird für die Landesbühnen eine eigene Theater-Pferdestaffel aufbauen. Sie wird nicht nur den Tiere versorgen und bewegen, sondern auch auf ihre Rollen vorbereiten - genauso wie die Schauspieler, die bei ihr Reitunterricht nehmen.

 

50 Pferde sind auf dem Festplatz dabei

Schon das ist ein außergewöhnliches Projekt zwischen Landesbühnen und Landgestüt - zusammen mit dem Dritten im Bunde - dem Moritzburger Schloss ergibt sich eine einzigartige Melange für alle Beteiligten. So wird Aschenbrödel im Sommer vom 17. Juni bis 3. Juli vor fast 600 Zuschauern erstmals mit theatereigenem Pferd über die Nordterrasse des Schlosses reiten. Und wenn es mit einem Pferd so gut klappt, warum dann nicht mit 50? Immerhin 49 sind im Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" im Pferdezug zu sehen - auch damals kamen sie allesamt aus dem Landgestüt. Jetzt bekommen die Moritzburger Hengste erneut eine Bühne geboten - und zwar am 1. September in der einzigen Aufführung von Carl Orffs großartigen "Carmina Burana". Zu sehen auf dem Festplatz, auf dem gleich darauf an drei Wochenenden der Klassiker "Hengstparade" stattfindet.

Eine riesige Herausforderung fürs Landgestüt, das weiß auch Dr. Kati Schöpke, Leiterin der Sächsischen Gestütsverwaltung, aber auch sie freut sich, "ihren Pferden" diese Bühne geben zu können - als Kulturgut und Partner des Menschen. Ihre Schützlinge bringen schließlich von Natur aus den Zweier- und Dreiertakt mit, gerade bei den schwungvolleren Gangarten. Viele Reit- und Kutschelemente sind den Hengstparaden entlehnt, aber im Zusammenspiel mit gut 100 Sängern vom Kinderchor der Landesbühnen, Singakademie Dresden und Kinderchor, Kantorei der Friedenskirche Radebeul, Opernchor sowie der Elblandphilharmonie unter Leitung des Chordirektors Karl Bernewitz entsteht ein einziger Sinnesrausch, der die Gedanken des Publikums in eine andere Zeit zurück versetzt.

 

Die schönste Garderobe Sachsens

Ein gewaltiges Unterfangen, das Dr. Kati Schöpke mit den schlichten Worten kommentiert: "Wir probieren das jetzt!". Alle Beteiligten haben viel Erfahrung, wie man achtsam miteinander und dem besonderen Ort Schloss Moritzburg umgeht. "Wir sind kein fahrendes Volk, das hier die Wäsche über die Leine hängt, sondern echte Partner", so Manuel Schöbel. Dazu gehört eben auch, dass die Pferde auf dem Sandstein Plasteschuhe auf den Hufen tragen oder jede Hinterlassenschaft sofort beräumt wird. Dass der Museumsbetrieb nicht behindert werden darf, ergibt sich von selbst - dafür hat "Aschenbrödel" im Kavalliershäuschen die schönste Garderobe Sachsens und schreitet die Terrasse hoch "zur Arbeit". Neben einem der schönsten Arbeitsplätze, haben die Akteure auch viel Humor. Intendant Manuel Schöbel befragt, ob er denn selbst auch reiten könne, schüttelt er nur den Kopf: "Also, das kann man nicht reiten nennen" - und Gestütsleiterin Dr. Kati Schöpke springt ihm bei: "Und ich kann nicht singen". Beide halten für das Großevent Carmina Burana und die Aschenbrödel-Auftritte nun fest die Zügel gemeinsam in der Hand.

 

Weitere Informationen auch unter:

* www.landesbuehnen-sachsen.de

* www.saechsische-gestuetsverwaltung.de

  


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