Carola Pönisch

Hammer Weg! Schwer zu gehen

Den Verein Hammer Weg e.V. gibt es seit 16 Jahren in Dresden. Die ehrenamtlichen Mitglieder kümmern sich überwiegend um Strafgefangene, die wenig oder gar keinen Außenkontakt haben. Das Projekt „Leuchtturm“ hat sich zur Aufgabe gemacht, jeden Montag jene Gefangenen zu besuchen, die das erste Mal im Gefängnis sind.
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Foto: Lindackers

Foto: Lindackers

Schlüssel ins Schloss, aufschließen, Tür auf, durchgehen. Tür zu, zuschließen, Schlüssel aus dem Schloss, weitergehen durch endlos lange, grau gestrichene Gänge. Dieses Procedere vollzieht sich für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hammer Weg e.V. jeden Montag in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Dresden. Dann sind sie unterwegs zum Haus C im Rahmen des Projektes „Leuchtturm" und besuchen die Ersttäter in der Untersuchungs-Haft (U-Haft) oder die Gefangenen, die erstmals eine Freiheitsstrafe verbüßen müssen. Mutter mit Herz Monika Uebigau (74) ist heute zuerst auf der Station der U-Haft. Wieder ein langer Gang von dem die Zellen abgehen, Wände und Gänge grau. Mit maximal 23 Männern ist die Station belegt, das Durchschnittsalter liegt zwischen 25 und 35 Jahren. Im Dienstzimmer erfährt Monika Uebigau von den Neuzugängen und macht sich auf den Weg zu den Häftlingen. „Oft sprudelt es im ersten Gespräch förmlich aus ihnen heraus", beschreibt die große, schlanke Frau mit aufmerksamen Augen ihre Eindrücke. Für sie ist es gar nicht wichtig das Delikt vorher zu kennen, sie will nur Gesprächspartner sein und helfen, die Männer in dieser neuen Situation psychisch zu entlasten. Völlig ohne Zeitlimit bis zur Schließzeit spricht sie mit den Gefangenen, meistens in der Zelle unter vier Augen. Das sind Gespräche zwischen 15 und 60 Minuten, deren Inhalt auch in keine Akte kommt. Die Arbeit des Vereins stellt sie vor, informiert aber auch über die Möglichkeiten für die Insassen zur Beratung: In der JVA gibt es acht Psychologen und 15 Beschäftigte im Sozialdienst, an die man sich wenden kann. „Ich habe schon manchmal den Titel „Mutter mit Herz" zu sein", lächelt die gelernte Grundschullehrerin, „ich helfe beispielsweise beim Briefeschreiben an die Angehörigen." Vereinsarbeit Neben der Tätigkeit im Projekt „Leuchtturm" engagieren sich die Mitglieder im Verein Hammer Weg e.V. für verschiedene Angebote mit den Häftlingen. Dazu gehört die Redaktion der Gefangenenzeitung „Der Riegel", der viermal im Jahr erscheint. Es werden neben Töpferkurs und einer Laufgruppe auch Theater- und Kochkurse angeboten, ebenso Einzel- und Gruppenbetreuung. Bekommt ein Häftling die Möglichkeit zum Freigang, hat aber im Umfeld keinen Kontakt, dann können auf Antrag Vereinsmitglieder sie auf ihren Wegen zur Wohnungs- und Arbeitssuche oder zur Neuentdeckung von Dresden begleiten. Ehrenamt im Gefängnis Auf der anderen Station im Gebäude C wird Monika Uebigau begrüßt, hier sind Straftäter im Wohngruppenvollzug. Man kennt sich. Gespräche finden hier auch statt, da geht es um die Vorbereitung zur Vollzugsplankonferenz, bei der das Verhalten der Häftlings bilanziert wird, aber auch um persönliche Anliegen, die im Vier-Augen-Gespräch geklärt werden. Für Monika Uebigau, die die Häftlingsbetreuung schon viele Jahre macht, ist diese Arbeit sehr sinnvoll, „für mich ist es Erfolg genug" sagt sie, „wenn ich sehe, wie ich jemanden entlasten kann und ihm Zeit zum Zuhören schenke." Angst hat weder sie noch ihre ehrenamtlichen Kollegen dabei, der Umgang ist freundlich, es fallen durchaus klare und harte Worte im Gespräch. Wieder geht der Schlüssel in zahlreiche Schlösser, es wird auf – und zugeschlossen, für Monika Uebigau hört die Arbeit für heute auf. Sie gibt Signal an das Wachpersonal und wird von der Station bis zum Ausgang geleitet. Tagung in Meißen Einmal im Jahr diskutiert der Verein „Hammer Weg e.V." in der Evangelischen Akademie in Meißen mit ehrenamtlichen Helfern, Justizvollzugsbeamten, Experten, als auch Vertretern aus den Ministerien und Strafgefangenen (die Lockerung des Vollzugs haben) rund um das Thema Vollzug. Seit einigen Jahren in Kooperation mit der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung. In diesem Jahr ging es um die Praxismodelle und Perspektiven zur Resozialisierung. Prof. Ulfrid Kleinert, Vorsitzender des Vereins „Hammer Weg e.V." und Tagungsleiter für die Meissner Tagungen hofft, dass im Nachgang der Veranstanltung der rechtspolitische Ausschuss des Landtages eine Kommission von Fachleuten einsetzt, um ein Sächsischens Resozialisierungsgesetz auf den Weg zu bringen, durch das der Strafvollzug unter anderem von Kurzstrafen und Ersatzfreiheitsstrafen entlastet werden kann. Annette Lindackers