Birgit Branczeisz

Dresden küsst das Römische Bad wach

Dresden. Im März fällt der Zaun um das historische Ensemble von Schloss Albrechtsberg.

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Beigeordneter Stephan Kühn ist selbst als Kind hier baden gewesen - so wie viele Dresdner, die sich ganz sicher lebhaft an den wohl ungewöhnlichsten Badeort in der DDR erinnern werden: das Römische Bad auf Schloss Albrechtsberg. Es gehörte zuletzt zum Pionierpalast und die Jüngsten durften rutschen und planschen. Seit 2012 ist das ganze Areal bis zum Elbradweg umzäunt, das Tor am Hang zum Schloss-Ensemble abgeschlossen.

Ab März wird sich dieses Tor öffnen. Schon das ist eine Sensation - erstmals können die Dresdner vom Elbufer aus zum Römischen Bad und zum Schloss Albrechtsberg die Treppen hinaufsteigen - so wie die Erbauer die Wirkung des Elbschlosses konzipiert haben. Stephan Kühn freute sich jetzt, den Start für die Sanierung des historisch weithin bedeutsamen und in Dresden einzigen spätklassizistischen Ensembles preußischen Stils bekanntzugeben. Das Schloss wurde 1851 bis 1854 vom Architekten Adolph Lohse für Prinz Albrecht von Preußen gebaut - mit einem Türkischen Bad im Inneren und dem Römischen Bad mit Springbrunnen und Säulengang draußen am Elbhang. Eine Perle der Architektur.

Mit Stephan Kühn freuten sich auch zwei Mitstreiter aus dem Landtag, Albrecht Pallas und Thomas Löser, die gehörig mitgewirkt haben, damit Dresden die ersten 1,5 Millionen bekommt, um anfangen zu können. "Alle kennen Schloss Albrechtsberg, aber die meisten denken, es gehört dem Freistaat oder irgendjemandem und da fällt es bei Verhandlungen immer hinten runter", so Landtagsabgeordneter Thomas Löser, der selbst 1988/1989 hier in den Ferien Bademeister war. Eine Million haben die Stadtratsfraktionen schließlich im Haushalt locker gemacht, eine weitere halbe Million wurde über den Landtag beim Freistaat eingeworben.

Gelder für Denkmale mit überregionaler Bedeutung wollen viele, so Löser. Kühn ist sicher, "wenn wir angefangen haben, wenn man etwas sieht, dann sind öffentliche Hand wie Private auch bereit, das Projekt zu unterstützen". Es wird Spendenaktionen mit den unterschiedlichsten Akteuren der Stadtgesellschaft geben. Immerhin sind die Kosten der Sanierung auf sechs Millionen geschätzt, bis wieder Wasser fließt. Baden wird man hier zwar nicht mehr können, aber verweilen, spazieren und den Blick auf die Stadt genießen. Schon die Bauphase ist ambitioniert. Zunächst dürfen die Arbeiten nur von März bis August dauern, danach sollen die Fledermäuse in Ruhe in ihren Quartieren Unterschlupf finden.

Es geht also sofort los im März, mit einer aktuellen Schadenskartierung und ersten Arbeiten. Projektleiterin Romy Eichler hofft, dass die Substanz in den letzten Jahren keine weiteren gravierenden Schäden genommen hat. Feststeht: Am westlichen Portikus stellen Fachleute den Giebel mit dem Kreuzgratgewölbe als Sandsteinarchitektur wieder her. Die Balustrade, das Traufgesims und die Stützmauer werden ergänzt und schadhafter Sandstein restauriert. Bei den Treppen werden Lotabweichungen korrigiert und ebenfalls der Sandstein restauriert. Unter den Treppenläufen werden eine WC-Anlage und ein Technikraum eingebaut. Die Kolonnaden, Stützmauern und Balustraden werden historisch hergestellt und Schäden am Sandstein beseitigt.

Erst in der zweiten Bauphase, die bis 2025 dauern soll, werden die Kolonnaden fertig, Außenanlagen hergestellt und das markante amphitheatralische Wasserbecken mitsamt Brunnentechnik rekonstruiert sein. Nicht nur als Gartendenkmal, sondern auch technisch ist das Römische Bad ein spektakulärer Bau für die damalige Zeit, erläutert Dr. David Klein, Amtsleiter Kultur und Denkmalschutz in Dresden. Allein die Fontäne war bis zu 30 Meter hoch, das Leitungssystem dahinter war für das 19. Jahrhundert extrem fortschrittlich. Da sind auch die Techniker gespannt, was sie untertags noch alles vorfinden werden.


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