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Start in die Spreewälder Aronia-Saison

Die Aroniaernte - auch als Apfelbeere bekannt - hat jetzt im Biohof Frehn in Steinreich (Amt Unterspreewald) begonnen. Zahlreiche Gäste verfolgten den Start. Dabei wurde auch eine neue Erntemaschine vorgestellt.
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Die Inhaber Heinz-Peter Frehn und Christoph Frehn freuten sich über das große Interesse an ihren schwärzlich-dunkelroten Bio-Beeren. Etwa 100 Aronialiebhaber und die, die es werden wollen, sind zum Feld in Schöneiche - einem Ortsteil der Gemeinde Steinreich - gekommen. „Die Aronia ist bekannt und findet weiter ihren Weg in die Öffentlichkeit. Vor fünf Jahren kannten sie zwei Prozent der Menschen in Deutschland, heute sind es bereits zwischen zehn und 15 Prozent“, berichtet Heinz-Peter Frehn und blickt auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurück: „Vor 20 Jahren waren an Gurken und Beeren in Schöneiche nicht zu denken. Es gab Roggenfelder und Futterbau für Rinder und Schweine. Jetzt gibt es neben Gurken viele Beerensorten - und alle Reihen der Plantagen verfügen über eine eigene Wasserversorgung mit Tropfschläuchen.“ Bio-Aronia auf 130 Hektar Die Familie Frehn hat im November 2012 mit den ersten Arionapflanzungen begonnen. In Schöneiche steht inzwischen die größte Bio-Aroniaplantage Westeuropas. Mit der Investition in das Großprojekt „Aroniaplantage im Spreewald“ versucht der Betrieb, mit der wachsenden Nachfrage Schritt zu halten. Hier am Rand des Spreewalds wird auf inzwischen 130 Hektar Bio-Aronia kultiviert. Deutschlandweit wächst Aronia derzeit auf 400 Hektar. Jens-Hermann Kleine, Amtsdirektor des Amtes Unterspreewald, bewundert das Engagement des Freilandgemüse- und Obstbauers Frehn: „Wir haben in unserem Amt eine starke Landwirtschaft - und Familie Frehn gehört dazu. Landwirtschaftliche Betriebe sind ein starker Arbeitgeber, die Leute bleiben dadurch in der Region, Zukunft wird gesichert.“ Gute Qualität der Beeren Wie Jörg Holzmüller, Geschäftsführer der Aronia Original Naturprodukte GmbH aus Dresden, sagt, sind Heinz-Peter und Christoph Frehn bereits Aroniaexperten. „Es ist ein Genuss für mich, hier herzukommen. Die Plantage ist ein Schmuckstück - alles ist gepflegt und gradlinig, die Menschen sind mit Herz dabei und legen sich ins Zeug. Daher rührt auch die gute Qualität der Beeren. Sie ist in diesem Jahr wieder exzellent. In Schöneiche liegt für mich Europas schönste und beste Aroniaplantage“, sagt Holzmüller. Wie Wolfgang Luplow, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Steinreich, sagt, war der Aroniaanbau für Familie Frehn ein Versuch, etwas auszuprobieren: „Es war nicht leicht, aber ihre Arbeit ist bisher von Erfolg gekrönt. Und mit ihren Obstbäumen außerhalb ihrer Plantagen geben sie auch der Region etwas zurück. Es zeigt, dass das Land die Menschen wieder ernähren kann.“ Neue Erntemaschine Heinz-Peter Frehn wollte mit diesen Obstbäume eine alte Tradition der DDR aufleben lassen: „Ich fand die Obstalleen gut und baue sie wieder in die Landschaft ein. Es dokumentiert, dass wir hier zu Hause sind und dazugehören. Und es ist ein Zeichen, dass wir längerfristig hier weitermachen wollen.“ Deshalb setzen Vater und Sohn auch in neue Erntemaschinen. „Den Testlauf hat die New Holland bereits bestanden. Jetzt muss sie sich noch in der Fläche beweisen“, erzählt Heinz-Peter Frehn. Wie Sohn Christoph sagt, verfügt die Landmaschine über 180 PS Leistung. „Ihre Stundenleistung liegt bei 0,9 bis 1,1 Hektar“, informiert er und berichtet, dass die New Holland eine ganze Reihe mit einer Fahrt erntet. „Zudem schont sie die Pflanzen mehr als unsere bisherige Erntemaschine. Sie erntet auch nur eine halbe Reihe mit einer Fahrt.“ Etwa drei bis vier Tonnen Aroniabeeren will der Biohof Frehn in dieser Saison ernten. Im vergangenen Jahr waren es knapp drei Tonnen. Aronia: Hintergrundinformationen Die Aronia gehört zur Familie der Rosengewächsen (Rosaceae). Durch Züchtung wurden verschiedene Kultursorten der Aronia entwickelt. Die Kultursorten haben meist größere Beeren, die weniger Gerbsäure enthalten und wesentlich milder schmecken. Die obstbauliche Bearbeitung der Apfelbeere begann in Russland und wurde in der ehemaligen Sowjetunion fortgesetzt. In Osteuropa ist deshalb das Wissen um die heilende Wirkung der Aronia seit Jahrzehnten Allgemeingut. Hierzulande nimmt ihr Erfolg erst jetzt so richtig Fahrt auf. Indianischer Kraftspender Ihren Ursprung hat die Pflanze im nordöstlichen Nordamerika. Sie wächst dort auf den verschiedensten Böden. Bereits Indianer haben die Aroniabeere geschätzt und als Winterproviant genutzt. Für das aus der Cree-Sprache abgeleitete Pemmikan, eine nahrhafte und haltbare Mischung aus zerstoßenem Dörrfleisch und Fett, wurden bei Verfügbarkeit Aroniabeeren untergemischt. Ähnliche Rezepturen kannten auch andere nordamerikanische Stämme. Russische Züchtung für das Volk Der russische Botaniker Iwan Wladimirowitsch Mitschurin (1855-1935) brachte Pflanzen um die Wende zum 20. Jahrhundert zu Zuchtzwecken nach Russland. In den Jahren um 1910 bis 1920 kreuzte Mitschurin die Apfelbeere mit den Gattungen Sorbus (hier: Eberesche) und Mespilus (Mispel). 1935 legte sein Nachfolger, der Ukrainer Michael Afanasjewitsch Lisawenko (1897-1967), eine Versuchsanlage mit Aronia in Gorno-Altaisk (Altaigebiet) an. Weil dabei gute Erfahrungen gemacht wurden, wurde die Apfelbeere 1946 erstmals in der Sowjetunion als Obstart anerkannt und für den Anbau im Altai-Kreis empfohlen. In den folgenden Jahren wurde sie schnell im größeren Umfang angebaut. So wurden allein 1948 in der Gegend des heutigen Sankt Petersburg (damals Leningrad) 20.000 Stück in verschiedenen Versuchsanlagen gepflanzt. 1971 wurde die Apfelbeere in Russland außerhalb der Schwarzerdeböden schon auf einer Gesamtfläche von 5.400 Hektar angebaut. Um diese Zeit wurde sie auch in Moldawien, Weißrussland und in der Ukraine kultiviert. 1975 folgte die Aufnahme in die Sortenliste der UdSSR. In Russland gilt sie bis heute als herausragendes Volksheilmittel, das besonders den Zellschutz verbessert und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. In der DDR startete der Anbau 1976. In der LPG Berglandobst in Schirgiswalde bei Bautzen wurde die erste Plantage bepflanzt. Diese Aronia-Anlage gehört heute zum Obsthof Stolle. In den frühen 80er Jahren begannen Betriebe in Bulgarien, in der damals noch bestehenden Tschechoslowakei und in den skandinavischen Ländern mit der versuchsweisen Kultivierung dieser Wildobstart. Anwendung und Inhaltsstoffe Die von Aronia entwickelten Flavonoide gelten als hochwirksame Radikalfänger. Freie Radikale wiederum gelten als Auslöser zahlreicher Krebserkrankungen sowie Arteriosklerose und der Alzheimer Krankheit. Die Beeren enthalten weiterhin zahlreiche Vitamine: B1, B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5, B6, B7, B9 (Folsäure) und B12. Der Anteil der fettlöslichen Vitamine in Aronia besteht aus Vitamin A, Vitamin E und Vitamin K sowie dem Provitamin A. An Mineralien sind vor allem Eisen und Jod zu nennen.