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Sorgenfalten bei den Lebensrettern

Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im vergangenen Jahr in Deutschland mindestens 488 Menschen ertrunken.
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Foto: RS.Foto/ fotolia.de

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Eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 24,5 Prozent. Mehr als jeder zweite tödliche Unfall (52 Prozent) ereignete sich damit in der schönsten Jahreszeit. Besonders die hohe Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge (27) bereiten den Lebensrettern erhebliche Sorgen. DLRG-Chef Hatje dazu: „Die meisten Opfer ertranken in unbewachten Gewässern. Selbstüberschätzung, gesundheitliche Vorschädigungen, Übermut, Leichtsinn und Unkenntnis über mögliche Gefahren sind oft Ursache für tödliche Unfälle im Wasser.“ Fachkräftemangel ist das Problem Das Risiko in unbewachten Gewässern zu ertrinken sei um ein Vielfaches größer als in Bädern und an Küsten, die von Rettungsschwimmern bewacht werden. „Unsere ehrenamtlichen Retter hatten überall viel Arbeit; die Strände und Bäder waren oft voll besetzt. Ohne ihren großen Einsatz und ihre schnelle Hilfe wäre die Zahl der Ertrunkenen noch deutlich höher.“ Doch was die bewachten Gewässer, Badeanstalten oder Spaßbäder angeht, gibt es auch hier langsam Probleme. Zwar ist das in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz , Elbe-Elster oder im Spreewald noch nicht spürbar, aber der allgemeine Fachkräftemangel macht auch vor den heimischen Schwimmbecken nicht halt. Früher ein Traumjob Etwa 2500 Stellen in Deutschland seien unbesetzt, schätzt der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS). Etwa 400 Städte und Kommunen benötigen deshalb dringend ausgebildete Fachkräfte. Dabei gehörte der Beruf Schwimmmeister, umgangssprachlich Bademeister, heute Fachangestellter Bäderbetriebe, einst zu den Traumjobs vieler Jugendlicher. Nicht allein verklärt durch sonnige Fernsehserien mit den dazugehörigen Klischees. Die Wahrheit über den Beruf sieht allerdings etwas anders aus. Was Daniela Ulrich, Einrichtungsleiterin des Senftenberger Erlebnisbades, ganz genau weiß. Denn die Meisterin für Bäderbetriebe sitzt auch in der Prüfungskommission für potenzielle Fachangestellte und ist gleichzeitig auch als Ausbildungsberaterin für das Land Brandenburg tätig. Vater war selbst Schwimmmeister „Für mich ist es der schönste Beruf der Welt, den ich im Prinzip schon als Kind erlernen wollte. Und dass nicht nur, weil mein Vater selbst Schwimmmeister in Schipkau war. Es ist aber auch ein Beruf, der weit mehr Anforderungen stellt, als nur den Überblick über ein Schwimmbecken zu behalten. Es stimmt tatsächlich, dass die ganze Branche mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat, was aber nicht allein an den teilweise unattraktiven Arbeitszeiten liegen dürfte. Viele Bewerber unterschätzen dabei aber, dass sie als Fachkräfte ausgebildet werden, was wiederum mit Bildung zu tun hat. Und diese dreijährige Ausbildung umfasst neben den sportlichen Aspekten unter anderem technische, chemische und medizinische Inhalte.“ Was viele Azubis erst bei den Prüfungen leidvoll erfahren haben sollen. „Wir hatten erst zum Sommeranfang die letzten Prüfungen durchgeführt. Von den insgesamt 24 Prüflingen haben nur zwölf Teilnehmer das Ausbildungsziel im ersten Anlauf erreicht, manche sind an der Theorie, andere praktisch gescheitert“, so Daniela Ulrich. Was die Praxis angeht, muss man sich übrigens zutrauen, 300 Meter in voller Montur (Bekleidung) zu schwimmen, gut und tief tauchen zu können und die lebensrettende  Erste Hilfe zu beherrschen. Wer sich für den Job als Ausbildungsberuf interessiert, kann sich bei seiner jeweiligen Kommune oder der entsprechenden Bädereinrichtung bewerben.       
                 
(Bernd Witscherkowsky)