Dany Dawid

Tagebau wird noch gebraucht

Cottbus/ Spree-Neiße. Mit einer neuen Klage gehen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die GRÜNE LIGA erneut gegen den Braunkohletagebau Jänschwalde vor. Ziel ist ein sofortiger Stopp des Tagebaus. Experten warnen. Denn ein vorzeitiges Aus, hätte drastische Folgen in vielerlei Hinsicht.
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Die Betriebsräte der LEAG appellieren an die DUH.

Die Betriebsräte der LEAG appellieren an die DUH.

Foto: LEAG

Die Umweltverbände beklagen, dass im Tagebau Jänschwalde seit Jahren mehr Grundwasser abgepumpt werde, als wasserrechtlich zugelassen ist. »Klar ist aus unserer Sicht: Wenn der Tagebau räumlich früher endet, kann sich die Grundwasserabsenkung räumlich auch nicht weiter ausbreiten. Der Tagebau Jänschwalde sollte ursprünglich schon 2019 ausgekohlt sein. Deshalb gibt es keinen Grund für einen Betrieb bis 2023«, so Dr. Cornelia Nicklas, Bereichsleiterin Recht, Deutsche Umwelthilfe e.V..
 

Im Laufe der Jahre gab es relevante Entwicklungen

 
»Die Planung im Jahr 1996 sah zwar vor, den Tagebau Jänschwalde bis zum Jahr 2019 zu beenden. Jedoch hat sich diese Planung aufgrund von Marktentwicklungen, politischen Entscheidungen und rechtlichen Änderungen weiterentwickelt. Nach den aktuell gültigen Planungen, u.a. gesteuert durch das Revierkonzept 2017 sowie den gesetzlich festgelegten vorzeitigen Ausstieg aus der Kohleverstromung, endet der Betrieb des Tagebaus Jänschwalde nun im Jahr 2023«, teilt die LEAG mit und betont: »Während für uns die in der wasserrechtlichen Erlaubnis vom März 1996 gestattete maximale Grundwassernutzung von 4,8 Kubikmeter pro Sekunde die verbindliche Grundlage für den Tagebaubetrieb darstellt, erachtet die DUH eine Tabelle mit Jahreswerten als maßgeblich. Aus unserer Sicht gibt diese jedoch lediglich die prognostischen Entwicklungen der Sümpfungsmengen bezogen auf den damaligen Stand der Betriebsplanung wieder. Die jährlichen Sümpfungsmengen, die für einen sicheren Tagebaubetrieb notwendig sind, haben sich allerdings weiterentwickelt.« Regelmäßig wurde dies auch an die Behörden kommuniziert. »Mit einem sofortigen und ungeplanten Tagebaustopp nimmt die DUH jedoch in Kauf, die Wasserhebung im Tagebau Jänschwalde zeitlich zu verlängern und damit die Umweltauswirkungen im Vergleich zum gegenwärtigen Zustand zu verschlechtern«, sagt die Leiterin der Geotechnik LEAG, Franziska Uhlig-May. Sollte der Tagebau nicht seine geplante Endstellung erreichen, müsste zudem die bisher geplante Restraumgestaltung umfangreich überarbeitet werden. Das würde eine Verzögerung von mindestens fünf Jahren bedeuten. Die Wasserhebung zur geotechnischen Sicherung des Tagebaus müsste ebenfalls ununterbrochen weiterlaufen. »Das würde zu einer Mehrförderung von bis zu 500 Millionen Kubikmeter Sümpfungswasser führen. Die sofortige Einstellung der Kohleförderung würde eine veränderte Bergbaufolgelandschaft erzwingen, in der dann die Umsetzung des geplanten 3-Seen-Konzeptes nicht mehr möglich wäre. Ebenso ist mit massiven Auswirkungen auf den Grundwasserstand zu rechnen«, so die LEAG. Die Zielvorgabe im Braunkohlenplan sieht einen sich selbst regulierenden Wasserhaushalt vor. »Zum Schutz wasserabhängiger Landschaftsteile soll dieser dem vorbergbaulichen Zustand möglichst nahekommen«, erklärt Uhlig-May.
 

Ein Stopp wäre nicht im Sinn von Mensch und Natur

 
Diese Vorgabe sei dann aber nicht mehr einzuhalten, denn es würden sich gravierende Abweichungen zum vorbergbaulichen Zustand einstellen, so Uhlig-May. Der Durchfluss der Malxe, die Wasserhaltung der Bärenbrücker Teiche und der Jänschwalder Laßzinswiesen, sowie eine Vielzahl an Schutzgebieten wie Moore und Feuchtwiesen im nördlichen Umfeld des Tagebaus wären von den Auswirkungen einer veränderten Bergbaufolgelandschaft betroffen. »In unser aller Interesse und gerade im Interesse der Natur wäre eine geordnete Beendigung des Tagebaus Jänschwalde im Jahr 2023«, so das Fazit von Uhlig-May. Auch der Lausitzer SPD-Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag Wolfgang Roick fordert, dass gerade vor dem Hintergrund der aktuellen außenpolitischen Lage die DUH ihre Klage gegen das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) zurückzieht. »Nicht nur dass es Einfluss auf die Versorgungssicherheit gerade in der aktuellen Situation hätte, auch aus ökologischer Sicht wäre ein Anhalten des Tagebaus ein Desaster. Außerdem würde es enorme Zusatzkosten verursachen, die dann an anderer Stelle fehlen würden«, betont Roick. Er fordert zudem, den Kohleausstieg 2030 kritisch zu hinterfragen. »Die traurigen Entwicklungen in der Ukraine zeigen uns, dass der Kohleausstieg vernünftig geplant und unsere Energieversorgung auf absolut sichere Füße gestellt werden muss. Keine Frage, der Ausstieg aus der Kohle ist notwendig, aber nicht auf Teufel komm raus«, so Wolfgang Roick.


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