Klaus Wilke

Fußballerischer Angriff auf das Zwerchfell

„Männer“, ein Fußball-Liederabend von Franz Wittenbrink, war zur Premiere angekündigt. Thomas Weber-Schallauer hatte die Inszenierung und Britta Tönne eine sehr farbenfreudige, milieusichere Ausstattung besorgt. Es wurde ein Abend, den die Premierengäste so schnell nicht vergessen werden!
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Der Liederabend "Männer" sorgte bei seiner Premiere in der Kammerbühne für Begeisterungsstürme. Foto: Marlies Kross

Der Liederabend "Männer" sorgte bei seiner Premiere in der Kammerbühne für Begeisterungsstürme. Foto: Marlies Kross

Fußball fand statt, acht Männer trauern über die Niederlage ihrer Mannschaft. Eine Trauer kommt aber selten allein, und ganz schnell stellen sich neben das Fußballdesaster andere Themen: gescheiterte Ehen, ungeordnete Verhältnisse, Wünsche, Träume, Sehnsüchte. Bald stellt sich die Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“
Wo Trauer ist, muss Trost her. Trost kommt aus dem Inneren der Imbissbude, die Uschi (Carola Fischer) auffällig unauffällig verwaltet, Trost kommt aus den Flaschen, die sie fortwährend hinausreicht und die zum Plaudern, das heißt zum Singen, anregen. Denn es wird in diesem Stück, einer Art Musical, nur gesungen. Und das in höchster Qualität, denn die Akteure sind neun Opernsänger, die wir allesamt schon in anspruchsvollen Partien gesehen und gehört haben. Hier dürfen sie ihren Affen so richtig Zucker geben. Es macht Spaß, wie sie Spaß am Spiel haben. Dirk Kleinke, ein Ökofreak mit tragikomischen Hilfegesten, Hardy Brachmanns Rock‘n‘Roll-Einlage, Ingo Witzkes auffällige, aber zurückhaltende Dealermiene, ähnlich zurückhaltend, weil über alles erhaben, Christian Henneberg, Jens Klaus Wildes wilde Opernparodie, Andreas Jäpels Einsamkeitsfantasien. Den witzigsten Part spielt wohl Matthias Bleidorn als ein älteres Muttersöhnchen, das seinen Höhepunkt in einer sicher von manchem als theaterfremd empfundenen Pinkelszene hat, die aber so komisch ist, dass sie schier zwerchfellzerreißend wirkt. Aber auch in seinen Muttiliedern wirkt er belustigend wie noch nie. Übrigens „Girls, Girls, Girls“, mehrmals im Chor zelebriert, erwächst zum wichtigsten Thema dieser Inszenierung, die das Stadtmagazin Hermann als Medienpartner begleitet und die (nicht erst) zum Schluss ein frenetisch applaudierendes und trampelndes Publikum hatte. HIER erfahren Sie mehr über das Stück sowie weitere Termine!


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