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Das „Gedächtnis der Stadt“ öffnet endlich

Das Cottbuser Stadtmuseum blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Am kommenden Samstag, dem 19. Dezember, wird ein neues Kapitel geschrieben. Denn dann wird erstmals ins Museum eingeladen, einst war dies ja das alte Sparkassengebäude der Stadt.
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Die neue Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt Cottbus trägt den Titel "Das Gedächtnis der Stadt - Die Sammlung erzählt". Eröffnet wird diese am kommenden Samstag, dem 19. Dezember, um 11 Uhr. Ab 12 Uhr sind alle Bürger der Stadt zu einem Tag der offenen Tür - bei freiem Eintritt - eingeladen.

Die erste Ausstellung in Cottbus wurde 1887 in der neuen Gemeindeschule Dresdner Straße präsentiert und zeigte Kostbarkeiten aus privaten Sammlungen der Mitglieder der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts wurde der Verein für Heimatkunde Cottbus gegründet; auch seine Mitglieder stellten für Ausstellungen ihre privaten Sammlungen zur Verfügung.

In seinem Testament hatte der 1922 verstorbene Kaufmann F. A. Liersch 1922 festgelegt, dass sein Wohnhaus für die Einrichtung eines städtischen Museums genutzt werden soll. Dieses wurde vor 90 Jahren am Neumarkt 8 als erstes Stadtmuseum im eigenen Gebäude eröffnet. Damals erschien auch ein Museumsführer, und so kann man noch heute nachlesen, dass die Ausstellung in den Räumen des Kaufmannshauses Geschichte und Landeskunde, Naturkunde und Archäologie sowie die Naturkunde der Region aufgriff. Und auch das Leben und die Kultur der Sorben und Wenden fanden in mehreren Räumen ihren Platz. Leider waren dem Museum nur wenige Jahre vergönnt; für den Bau des neuen Rathauses 1934-1936 wurden dieses Haus sowie das Geburtshaus von Carl Blechen abgerissen. Die Sammlungen wurden getrennt, die archäologischen Objekte und die Kunstsammlungen im ehemaligen Logengebäude ausgestellt, und im alten Gymnasium an der Oberkirche wurde das Heimatmuseum eingerichtet.

Heute gibt es wieder ein Haus für das Stadtmuseum, denn im vergangenen Jahr wurde der Umbau des Sparkassengebäudes aus dem Jahre 1937 erfolgreich abgeschlossen. In der ehemaligen Schalterhalle präsentiert sich ab dem 19. Dezember die neue Ausstellung „Das Gedächtnis der Stadt – Die Sammlung erzählt“ und gibt damit einen Einblick in die Sammlungen des Stadtmuseums, verbunden mit einer Entdeckungsreise durch die Geschichte der Niederlausitz und der Stadt Cottbus.  Das Cottbuser Stadtmuseum verfügt über naturkundliche, archäologische und kulturgeschichtliche Bestände. Mit der neuen Ausstellung soll ein Einblick in diese Sammlungen ermöglicht und gleichzeitig die Geschichte der Stadt und ihrer Landschaft erzählt werden.

Acht Kapitel umfasst die Wanderung durch die Zeit: Im Prolog wird von der Entstehung der Landschaft der Niederlausitz berichtet, das folgende Kapitel widmet sich der mittelalterlichen Geschichte und der Besiedlung der Region durch slawische Völker. Während das 2. Kapitel dann einen Einblick in die Zeit der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges ermöglicht, wird im Kapitel 3 der Aufschwung von Handel und Gewerbe im 18. Jahrhundert geschildert., auf die Gründung der Freimaurerloge und auf die ersten Zeitungen der Stadt geblickt. Das 19. Jahrhundert erweist sich als die Zeit des Aufschwungs, denn Cottbus wandelt sich von einer Kleinstadt zu einem industriellen Zentrum der Teppich- und Textilindustrie. Die Regierungszeit von Oberbürgermeister Paul Werner markiert den Ausbau der städtischen Infrastruktur. Die Zeit zwischen den Kriegen, Inflation und Weimarer Republik sowie die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft werden im 4. Kapitel thematisiert. Im Kapitel 6 wird der Wiederaufbau und die Zeit der Bezirkshauptstadt Cottbus geschildert. Mit dem Kohle- und Energiebeschluss 1957 wurde Cottbus zum Zentrum der Kohlegewinnung und Stromproduktion in der DDR. Die Wende und die Jahre nach 1990 bilden das letzte Ausstellungskapitel. Mit einem naturkundlichen Diorama wird der Bogen in die Gegenwart geschlagen und gezeigt, welche Tiere heute in Cottbus, der grünen Stadt an der Spree, eine Heimstatt haben. Die Einweihung der Cottbuser Synagoge am 25. Januar 2015 und ein Ausblick auf die Gestaltung des Cottbuser Ostsees schließen den Rundgang ab.

Durch die Einstellung eines Museumspädagogen können im Stadtmuseum Cottbus künftig spannende Projekte entwickelt und vor allem für die Schulen neue Angebote vorbereitet werden. Die Ausstellung bietet vielfältige Möglichkeiten, die Geschichte der Niederlausitz, ihrer Natur und der Menschen, die sie prägten und gestalteten, zu erkunden. Dazu führt der Weg auch in die Stadt zu den Orten des Geschehens. Für Neugierige bietet die Ausstellung ebenfalls Überraschendes und lädt damit zum Entdecken ein.

Ab sofort ist auch eine eigene Internetseite für das Cottbuser Stadtmuseum und das Stadtarchiv freigeschaltet. Unter den Adressen http://www.stadtarchiv-cottbus.de  können Interessierte so Neues und Bekanntes aus den beiden Kultureinrichtungen erfahren.


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