C. M. Schwab

Von einer Krise in die nächste

Lausitz. Die Lausitzer Wirtschaft blickt auf ein wechselvolles Jahr zurück. Nach einem Rückschlag zu Jahresbeginn, hauptsächlich den Corona-Maßnahmen geschuldet, sowie einer Erholung zu Frühjahrsbeginn, verschlechterten sich die Einschätzungen zu Herbstbeginn wieder.

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Die Präsentation des IHK-Konjunkturberichts fand diesmal im Dock3 Lausitz im Industriepark Schwarze Pumpe statt. Neben dem Dresdener IHK-Chef Lukas Rohleder (r.) und dem Cottbuser Dr. Wolfgang Krüger war diesmal mit Christian Jurisch, NEXT Automotive Test GmbH, eines der Startups von Dock3 ebenfalls an Bord. NEXT glaubt weiterhin an eine Perspektive und hält an geplanten Investitionen fest.

Die Präsentation des IHK-Konjunkturberichts fand diesmal im Dock3 Lausitz im Industriepark Schwarze Pumpe statt. Neben dem Dresdener IHK-Chef Lukas Rohleder (r.) und dem Cottbuser Dr. Wolfgang Krüger war diesmal mit Christian Jurisch, NEXT Automotive Test GmbH, eines der Startups von Dock3 ebenfalls an Bord. NEXT glaubt weiterhin an eine Perspektive und hält an geplanten Investitionen fest.

Foto: Tudyka.PR

In der gemeinsamen Herbstumfrage zur Konjunktur der Industrie- und Handelskammern (IHK) Dresden und Cottbus berichten noch mehr als drei Viertel der Unternehmen von einer zumindest zufriedenstellenden Geschäftslage. Allerdings nimmt die finanzielle Anspannung in den Betrieben zu. Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht die Finanzlage problematisch. Nach Pandemie und erheblichen Kostensteigerungen bei Energie, Rohstoffen und Löhnen gehen die Reserven zunehmend aus.

 

Das Wirtschaften wird riskanter

Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate stürzen regelrecht ab. Noch nie waren die Aussichten der Lausitzer Wirtschaft so schlecht und die Zukunftssorgen so groß. Mehr als zwei Drittel rechnen sogar mit einer Verschlechterung der Situation. »Für viele Unternehmen ging es 2022 von einer Krise in die nächste«, erklärt Lukas Rohleder, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden. Liquiditätsengpässe ließen kaum noch Spielraum für Investitionen, selbst Personalabbau würde in einigen Betrieben für möglich gehalten. »Es wird riskanter, zu wirtschaften.« Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, kann das nur bestätigen: »Es wird bedenklich für uns alle.« Er spricht von einer drohenden Reduzierung der Produktion. Das böse Ende würde sich bei betroffenen Betrieben nicht in Insolvenzen ausdrücken. Es würde einfach, ohne Übergabe oder Versuch einer Sanierung, geschlossen. Betriebsaufgabe!

Die Lage in den einzelnen Branchen stellt sich etwas differenzierter dar. Die Lausitzer Industrie hatte der Corona-Pandemie noch erfolgreich getrotzt. Der Ukrainekrieg dämpfte dann die weiteren positiven Erwartungen. Nur noch sieben Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung. Dem Baugewerbe ging es bislang überdurchschnittlich gut, doch die Preisexplosion bei Baustoffen, anhaltender Fachkräftemangel, Lieferengpässe und eine sinkende Nachfrage sorgen für sich verschlechternde Stimmung. Die Umsatzerwartungen beim Handel sind sogar schlechter als während der Coronakrise. Einzig bei den Dienstleistern wird ein sich leicht verbessernde Lage vermeldet, die Zukunftsaussichten jedoch sind ebenfalls düster.

 

Hilfe muss schnell bei Unternehmen ankommen

»Die Unternehmen empfinden, dass die Sanktionen gegen Russland auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Das, was drei Jahrzehnte nach der Wende aufgebaut wurde, ist durch die Bundes- und EU-Politik in Gefahr«, so Wolfgang Krüger. In Übereinstimmung mit seinem Dresdener Kollegen Lukas Rohleder erwartet er, dass der Staat deutlich mehr Entschlossenheit zeigt, zu handeln. Die geplanten Mittel zur Unterstützung müssten schnell und unbürokratisch bei den Unternehmen ankommen. Hier gelte es auch die Ungleichbehandlung von großen Industriebetrieben und kleinen, mittelständischen Betrieben zu beseitigen.

 

Mehr Infos unter www.cottbus.de/konjunkturreport-lausitz oder www.dresden.ihk.de


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