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Mit 18 »Pokalspielen« zum Klassenerhalt

Trainer Claus Dieter Wollitz im Interview

Cottbus. Mit der Hoffnung, dass seine Mannschaft bei den verbleibenden 18 Punktspielen jene Leidenschaft, wie bei den Pokalspielen gegen die Erstligisten Stuttgart und Freiburg an den Tag legt, geht Trainer Claus Dieter Wollitz in das am Samstag beginnende Punktspielprogramm der dritten Liga. Nach dem Magdeburg-Testspiel sprach Georg Zielonkowski mit Trainer Wollitz.

Wie sehr hilft der Sieg beim letzten Test gegen Magdeburg?

Wir haben in der Hinrunde auch in Kaiserslautern nach einem guten Spiel gewonnen, doch so richtig Selbstvertrauen haben wir damit auch nicht tanken können. Darum sollte man das 1:0 gegen einen Zweitligisten nicht so hoch hängen. Wir stehen dennoch vor einer leidensvollen Rückrunde, es sei denn, wir bekommen bis zum 31.Januar noch einige passende Spieler hinzu, mit denen unsere Qualität extrem erhöht wird.

Gegen Magdeburg stand heute plötzlich mit Thomas Konrad ein völlig neuer Spieler in der Abwehrreihe. Ist das die neue Taktik des FC Energie, nach dem Motto „plötzlich und unerwartet“?

Da sich Marc Stein mit einer Virussache kurzfristig abmelden musste und Thomas Konrad uns schon mehrfach angeboten worden ist, haben wir schnell gehandelt. Er hat in der ersten Halbzeit die Sache ordentlich gemacht, man sieht, dass er Selbstvertrauen und die Ruhe am Ball hat. Insofern wäre er ein Kandidat, aber unterschrieben ist per heute noch nichts. Auch, weil ich glaube, dass ab 25.Januar der Markt nochmal anders öffnet, da werden wir sehr aufmerksam sein.

Welchen Wert haben die Jungen, denen Sie ja wie kein anderer Trainer zuvor Vertrauen schenken?

Klar ist es schön, wenn Moritz heute das Tor des Tages erzielt. Noch mehr bin ich von Leon Schneider angetan, der mit seinen 18 Jahren in Kaiserslautern, Osnabrück und Rostock gespielt hat. Und er sich überhaupt ganz schnell eingefügt hat. Aber ich weiß auch, dass die jungen Burschen auch Schwankungen unterliegen werden, das ist normal. Heute lief es bei Felix Geisler beispielsweise nicht ganz so gut, obwohl der schon längere Zeit bei uns ist.  Würden diese Spieler immer auf höchstem Niveau spielen, wären sie nicht mehr bei Energie Cottbus. Oder schauen wir auf Jonas Zickert. Zweieinhalb Jahre war der verletzt, wo soll er da seinen Rhythmus hernehmen. Oder ein Colin Raak, der als Letzter hinzukam. Hat er Raum und keinen Druck, dann spielt er schon sehr gut, unter Druck wird es bei ihm halt auch etwas langsamer.

Sie hatten am Ende des letzten Jahres verkündet, das der Auftritt einiger gestandener Spieler dem Anspruch des Trainers nicht genügt, darum wurde diesen Spielern frei gestellt sich nach anderen Vereinen umzusehen. Noch aber sind alle da … .

Ja es stimmt, ich habe einigen Spielern gesagt, dass wir uns verändern möchten. Diese Spieler sind informiert und sie wissen, dass sie unsere Freigabe erhalten werden. Aber bis heute hat kein Verein Interesse an diesen Spielern angemeldet, obwohl wir keine Ablöse verlangen. Also trainieren noch immer alle mit, weil diese Spieler Schwierigkeiten haben, Alternativen zu finden. Aber ungeachtet dessen werden wir noch bis 31.1. Spieler verpflichten, die direkt weiter helfen werden, das steht fest. Sind es sechs, dann sind es sechs. Wenn nur zwei, dann nur zwei. Und wenn sie dann da sind, kann es sein, dass sie bis Ende Februar Zeit zum Anpassen brauchen. Aber dann müssen sie spätestens da sein, damit wir gemeinsam den Klassenerhalt schaffen. Und darüber hinaus auch gerüstet sind für die dann folgende nächste Saison in der 3.Liga. Solche Spieler müssen wir holen.

Welche Marschroute geben Sie vor dem Restprogramm der 3. Liga aus?

Die Mannschaft muss bereits ein, in jedem Spiel nicht nur 100% zu geben, möglichst sogar noch etwas mehr, unser Publikum übrigens auch. Alle müssen zusammenhalten und in jedes Spiel müssen wir reingehen, als sei es ein Pokalspiel. Gerade deshalb, weil wir immer Außenseiter sein werden. Erst recht jetzt mit unseren vielen Spieler-Ausfällen. Aber Jammern gibts bei mir nicht, wir werden gemeinsam alles versuchen, das große Ziel zu erreichen.

Derzeit steht der FCE bei 23 Punkten, was für einen Neuling so ganz schlecht nicht ist. Wie groß ist aber die Gefahr, die vom Tabellenkeller-Quartett lauert?

Erst einmal bin ich unzufrieden, weil wir einige Punkte verschenkt haben. Man kann nicht in fünf aufeinander folgenden Auswärtsspielen nach zehn Minuten 0:2 hinten liegen, das geht nicht! Ich glaube aber, dass Braunschweig trotz der großen Differenz sich aufrappelt, auch Aalen hat personell zugelegt. Bei Jena bin ich gespannt, wie es weitergeht, auch bei Fortuna Köln. Stand jetzt sind wir mit unseren insgesamt elf Ausfällen hintendran. So ehrlich muss man sein. Aber mit Woche für Woche 120 % Bereitschaft und einer extremen Willensstärke ist für uns einiges schaffbar, wie wir es bei den Pokalspielen gegen Stuttgart und Freiburg gezeigt haben. Aber kann man das 18 auch mal Woche für Woche schaffen? Denn wir werden wenigstens 22 Punkte brauchen, konkret also sechs Siege und vier Unentschieden. Zusammengefasst ist unsere Situation wirklich sehr gefährlich, aber andererseits ist sie absolut lösbar. Wir wollen die dritte Liga mit und für Cottbus halten, mir allen Konsequenzen.

Felix Geisler:

Wir sind jetzt zwar in einer erschwerten Lage, aber wenn wir geschlossen auftreten, können wir unser Ziel ganz bestimmt auch schaffen. Auch wir Jungen müssen jetzt Verantwortung übernehmen.

Schön, dass Spieler, wie Zickert, Knechtel, Broschinski und ich Verantwortung übertragen bekommen. Ich sage aber auch, dass es dennoch gut für die gesamte Mannschaft wäre, wenn der ein oder andere erfahrene Spieler dazu käme, um wirklich die Liga zu halten.

Dimitar Rangelow:

Wir hatten zwei wirklich intensive Trainingswochen, bis zum ersten Spiel werden wir noch einige taktische Sachen üben. Wenn das dann auch noch funktioniert werden wir ein gutes Potential erreichen. Es wird vielleicht überraschen, doch sage ich ganz klar, dass wir am Ende auch Platz zehn erreichen können. Weil die Liga so ausgeglichen ist, wie wir ja gesehen haben. Da schlägt ein Letzter den Ersten, es ist Alles in möglich in der dritten Liga.

Lasse Schlüter:

Der Sieg gegen Magdeburg ist sicher fürs Selbstvertrauen gut. Gerade für die jungen Spieler sind es echte Erlebnisse. Wobei die Nachrücker aus der U19 sehr glücklich ein können, dass sie von unserem Trainer eine solche Wertschätzung erfahren. Natürlich kommen sie jetzt schneller ins Team, weil wir so viele Verletzte haben. Ihre plötzliche Chance nutzen die Jungs aber sehr gut und ich hoffe, dass sie auch im Restprogramm der Liga ihr Potential abrufen können.

Leon Schneider:

Die Mannschaft hilft uns Jungen ungemein. Für mich selbst kann ich das wirklich auch gut bewerten, zumal ich ja nicht damit gerechnet habe, so schnell den Anschluss an die Männer zu finden. Aber wenn man dann wie gesehen, auch von einem Zweitligisten nicht vorgeführt wird, sorgt das für Selbstvertrauen, nicht nur bei uns jungen Spielern.

 

 

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