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„Crazy“ zeigt bewegende Fotos im Cottbuser Kunstmuseum

Cottbus. Er war dreimal in der Psychiatrie, aber er hat auch viele Hobbies, beobachtet Vögel, malt und schreibt Gedichte. Und er liebt seine Freundin Jackie über alles, mit der er seit über 20 Jahren zusammen ist. Der englische Dokumentarfotograf Louis Quail hat seinem älteren Bruder Justin jetzt ein ganz intimes Porträt im täglichen Kampf mit der Schizophrenie gewidmet.

Seine Dokumentation „Big Brother“ offenbart den Menschen in einer Krise, ohne je die Wertschätzung für ihn zu verlieren. Damit hat er auch denjenigen, die ebenfalls unter psychischen Krankheiten leiden und sich durchs Leben kämpfen müssen, ein bleibendes Denkmal gesetzt. Das  Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) im Cottbuser Dieselkraftwerk widmet den von der Krankheit hart betroffenen Menschen ab diesem Samstag, 27. Juni, 10 Uhr, eine zu Herzen gehende Ausstellung. Sie nennt sich „Crazy. Leben mit psychischen Erkrankungen“ und ist bis zum 30. August am Cottbuser Amtsteich zu sehen.

„Crazy“ präsentiert in den Ausstellungsräumen M2 und M 3 des ehemaligen Maschinenraums über 70 Fotos von sieben international renommierten Fotografinnen und Fotografen, die sich zum Teil aus persönlichen Gründen mit dem Thema auseinandergesetzt haben, teilte BLMK-Sprecherin Jenny Janka mit. Einfühlsam rücken sie, wie auch der mit internationalen Preisen bedachte Engländer Louis Quail, die Geschichten ihrer Protagonisten und deren Alltag in den Vordergrund. Dabei berichten sie in bewegenden Bildern über facettenreiche Persönlichkeiten, die viel mehr sind als Gezeichnete von einer Krankheit. So zeigt die spanische Fotografin Laia Abril ihre international prämierte Serie „The Epilogue“. Sie erzählt von einer Familie, die ihre jüngste Tochter durch Bulimie verloren hat. Die Berliner Fotografin Sibylle Fendt dokumentiert die letzte Reise durch das Baltikum des Ehepaares Lothar und Elke Gärtner, bei der zwei Jahre zuvor Demenz diagnostiziert wurde.

In berührenden Bildern übersetzt die Erfurter Fotografin Nora Klein an zahlreichen Beispielen die Depression als psychische Erkrankung. Auch die New Yorker Bildjournalistin Melissa Spitz zeigt am Beispiel ihrer schwer psychisch erkrankten Mutter die verschiedenen Stadien der Erkrankung in zehn Jahren. Für ihre Fotoserie „Vogelfrei“ begleitete Stephanie Steinkopf  von der Ostkreuz-Agentur Berlin über einen längeren Zeitraum obdachlose Frauen der Hauptstadt, von denen die meisten psychisch erkrankt sind. Schließlich porträtierte die Fotografin Herlinde Koelbl aus München gemeinsam mit dem Psychiater und Neurowissenschaftler Leonhard Schilbach mehrere Patienten einer psychiatrischen Klinik und Mitarbeiter des dortigen Behandlungsteams. Die Fotos lassen dabei bewusst offen, wer von einer psychischen Erkrankung betroffen ist. (kay)

Ausstellung „Crazy. Leben mit psychischen Erkrankungen“, 27. Juni bis 30. August 2020, Dieselkraftwerk Cottbus, Am Amtsteich 15, Öffnungszeiten Di.-So. 10-18 Uhr, Einzelkarte vier Euro, ermäßigt drei Euro, Infos auf www.blmk.de

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