Roulette: Welche Varianten es gibt und welches die beliebteste ist

Roulette ist immer Roulette? Mais non! Es gibt signifikante Unterschiede und insgesamt vier Obervarianten.

Roulette ist eines der wichtigsten und verbreitetsten Spiele der Casino-Landschaft. Es dürfte den meisten ein Begriff sein, auch wenn sie es vielleicht selbst noch nie gespielt haben. Dabei kennt das alte Spiel nicht nur eine Variante.

Beinahe jeder von uns könnte sich, wenn er die Augen schließt, dieses ganz bestimmte Surren und Klicken im Kopf ablaufen lassen. Es ertönt, wenn der Croupier die Kugel in den Roulettekessel hineinwirft, wo sie sich dreht, bis sie klickend in einem der kleinen Fächer mit den Zahlen liegenbleibt. 

Das Faszinierende daran ist, dass so viele Menschen es kennen, obwohl es kein wirklich breit betriebenes Spiel ist. Wer noch nie in einem Casino war, hat ungleich zu den meisten anderen Glücksspielen nur wenig alternative Möglichkeiten, damit in Kontakt zu kommen – ungleich etwa zu Kartenspielen. 

Doch wir kennen es trotzdem, weil Roulette mehr als ein Spiel ist. Es ist mittlerweile zu einem Symbol geworden. Dies durften auch Schülerinnen und Schüler feststellen, als Sie selbst ein elektronisch betriebenes Roulette-Spiel bauten. Für Glücksspiel, für Spannung, für alles, was man mit einem Casino-Lebensstil verbindet – kräftig befeuert durch eine umfangreiche Nutzung in Hollywood. 

Wie das beim Film jedoch so ist, die Details gehen oft verloren. So auch die Tatsache, dass es mehrere Roulette-Varianten gibt. Das möchte der folgende Artikel nachholen.

1. Ein beliebter Franzose und ein angelehnter Deutscher

Um die unterschiedlichen Varianten dieses Spiels zu erklären, kommt man nicht umhin, in seine Geschichte einzutauchen.

Rien ne va plus – nichts geht mehr. Auch diesen Spruch dürften die meisten Leser kennen. Kein Wunder. Denn was die Blanc-Gebrüder dort angestoßen hatten, war tatsächlich eine kleine Revolution. 

Zuvor war Roulette ein Glücksspiel, das einen Bankvorteil von 5,40 Prozent hatte. Nunmehr hatte es aber 1,35 Prozent bei einfachen und 2,70 bei mehrfachen Chancen. 

Dazu noch etwas mehr Theorie: 

  • Einfache Chancen: Man setzt entweder auf die Farbe, auf Gerade oder Ungerade oder eine hohe (19 bis 36) oder niedrige (1 bis 18) Zahl. Gewinnquote 1:1
  • Mehrfache Chancen: Man setzt entweder auf eine oder zwei benachbarte konkrete Zahlen oder eine Reihe anderer Nummernkombinationen. Gewinnquoten zwischen 2:1 und 35:1

Und um die Sache nicht zu sehr in Richtung Spieler kippen zu lassen, etablierte man noch die Sitte, beim Setzen auf volle Nummern einen Jeton in den Tronc, den Opferstock, zu geben. Das erhöht dann den Bankvorteil ein wenig – mehr über diese französische findet sich hier

In dieser Konstellation wurde Roulette auf der ganzen Welt zum etablierten Glücksspiel – allerdings musste Deutschland sein eigenes Süppchen kochen. 

Prinzipiell sind die Unterschiede marginal, aber dennoch vorhanden:

1. Beschriftung und Sprache sind auf Deutsch

2. Fällt die Kugel auf die Null, zieht die Bank alle Einsätze auf einfache Chancen ein – in der französischen Variante geht die Hälfte zurück an die Setzenden

Sonst bliebt alles beim Alten – was man von den Amerikanern nicht sagen kann.

2. Ein italienischer Amerikaner

Vielfach wird kolportiert, dass Roulette, weil sein Name auch die französische Übersetzung für „Rädchen“ ist, dementsprechend auch seine Wurzeln in der Grande Nation habe. 

Stimmt so aber nicht. Wie man heute weiß, stammt das Spiel aus Italien, wo es in den 1600er Jahren aus einigen zuvor (teils seit der Zeitwende) bestehenden Glücksradspielen entwickelt wurde. 

Doch fern von solchen Details ist also das Italienische Roulette die Wurzel des Spieles. Seine Merkmale: Es gibt im Roulettekessel insgesamt 38 Felder, in denen die Kugel landen kann: 1 bis 36 sowie 0 und 00. 

An dieser Stelle wird es etwas kompliziert: Bis 1841 gab es nur diese Variante. Niemand nannte es Italienisches Roulette. In diesem Jahr wurde jedoch die Spielbank in Bad Homburg gegründet. Und deren Betreiber, die Gebrüder Blanc, wollten die Attraktivität des Spiels erhöhen. 

Das Problem: Die Doppel-Null, die erhebliche Auswirkungen auf die Spielbalance hatte – zu Ungunsten der Spieler. Kam die Kugel auf dieses Feld, gewannen nur jene, die darauf sowie auf Kombinationen davon gesetzt hatten. Alle anderen Einsätze verloren. Dementsprechend lag dadurch der Vorteil des Hauses wesentlich höher. 

Die Gebrüder Blanc verwarfen die 00 und damit begann die Trennung. Das „neue“ Spiel war nunmehr als französisches Roulette bekannt, die alte Variante wurde zum Italiener – bis ein Großteil der alten Welt auf den Franzosen umgesattelt hatte. Danach wurde das alte Spiel nur noch in Nordamerika gespielt, weshalb es seit der Jahrhundertwende aus als Amerikanisches Roulette bekannt ist – allerdings auch mit einigen Änderungen, doch dazu später mehr.

3. Ein Roulette für Cowboys

Wir haben es ja bereits schon angekündigt, dass das Amerikanische Roulette seit der Aufsplittung einige Änderungen durchlaufen hat. Tatsächlich sind die so gravierend, dass man sich als Routinier am deutschen oder französischen Tisch erst mal neu orientieren muss. 

Das am deutlichsten sichtbare Merkmal: Der ganze Roulettetisch ist um einiges kleiner, die Spieler setzen deshalb selbst, wo es sonst die Croupiers auf Ansage übernehmen. 

Das wichtigste Detail sieht man verblüffender Weise jedoch nur dann, wenn man „American Roulette in Amerika“ spielt – die Anordnung der Zahlen. 

Auch hier wird es wieder etwas kompliziert:

  • Französisches Roulette
  • Deutsches Roulette
  • American Roulette, das in Europa angeboten wird

haben die Gemeinsamkeit, dass die Anordnung der Zahlen auf dem Rouletterad auf den Berechnungen des Mathematikers Blaise Pascal beruhen. Nach der grünen Null kommt 32, 15, 19 – insgesamt scheinen die Zahlen vollkommen zufällig verteilt. Die Doppel-Null fehlt. 

Beim „American Roulette in Amerika“ hingegen mochte man diese Verteilung offenbar nicht. Die Doppel-Null existiert noch, allerdings sind die Zahlen harmonischer sortiert, sodass benachbarte Zahlen auf der Scheibe gegenüber liegen – etwa 1 und 2, 5 und 6 usw.  

Zudem gilt auch hier die angesprochene Regel mit der 50-Prozent-Auszahlung bei den einfachen Chancen nicht. Auch in Amerika werden die Einsätze zur Gänze eingezogen. 

4. Ein großer Zwerg

Von den genannten drei „vollwertigen“ Varianten verwundert es nicht, dass das Französische Spiel das mit Abstand beliebteste ist – Spieler mögen eben hohe Gewinnchancen, da tun die französischen Begriffe keinen Abbruch. 

Allerdings ist allen Roulette-Varianten gemein, dass sie knifflig zu erlernen sind und man leicht aus Unachtsamkeit Fehler begehen kann. Beides keine guten Zutaten, wenn man auch Laien an das Spiel heranführen möchte, die es nur zum Zeitvertreib nutzen.

So verwundert es nicht, dass sich mit dem Aufkommen der digitalen Epoche auch eine weitere Roulette-Variante etablierte, das Mini Roulette. 

Die Änderung ist schnell erklärt: Auf dem Rad gibt es nur 13 Felder, 1 bis 12 und die einfache Null. Hat andere Gewinnchancen, klingt einfacher, hat aber einen Haken: Das Verhältnis Zahlen zur Null ist ziemlich schlecht; es ist also viel wahrscheinlicher, dass die Kugel darauf landet, woraus sich auch ein Bankvorteil von 7,7 Prozent ergibt – der sich allerdings real halbiert, weil auch hier bei der Null 50 Prozent der Einsätze zurückerstattet werden.

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