André Schramm

Neues Hotelkonzept: "Bei uns ist alles käuflich"

Pirna. In Pirna-Copitz entsteht ein Hotel, das es so vermutlich weltweit noch nicht gibt. Was an Interieur gefällt, darf gekauft werden: Schränke, Leuchten, sogar die Tapete. Bei Bedarf möbelt der Designer auch gern die eigenen vier Wände auf – natürlich nach dem Urlaub.

Annette Katrin Seidel ist Innenarchitektin und sah sich in ihrem Job immer wieder mit einem Problem konfrontiert. »Die meisten Menschen, die in einer leeren Wohnung oder einem Haus stehen, können sich nur schwer vorstellen, wie die Inneneinrichtung einmal aussieht und welche Dinge miteinander kombinierbar sind«, sagt sie. Vor etwa fünf Jahren begannen Frau Seidel und ihr Mann daher eine Idee zu entwickeln, die nun vor wenigen Tagen Richtfest feierte – das Designhotel »Laurichhof«. Das Konzept: Urlaub machen und Inspirationen holen für die eigenen vier Wände.

Insgesamt 27 Suiten entstehen derzeit am Hauptplatz, 10 davon kann man schon im Internet anschauen. Später werden potentielle Gäste vor der Buchung virtuell durch die Zimmer laufen können. Der Clou: »Keine Suite gleicht der anderen«, erzählt die Bauherrin. Wählen kann man aus den Kategorien Romantik, Modern und Klassik.  Die »Welten« tragen dann Namen wie Casa Novum, Schachmatt, Evergrins und Mogli. Letzteres versprüht beispielsweise eine Menge Dschungel-Esprit. Wer sich nicht entscheiden kann, kleidet das Digitalmaskottchen »Lili Stein« ein und wird durch seinen Klamotten-Geschmack auf die passenden Zimmer gelenkt.

»Stühle, Tapeten, Leuchten, Bodenbelag – alles, was unsere Gäste vorfinden, können sie kaufen«, erzählt Ehemann Uwe Seidel. Dazu wird jede Suite mit einem Tablet bestückt. Über Strichcodes an der Einrichtung gelangen die Urlauber auf den hauseigenen Online-Shop. Alles, was hier angeboten wird, ist hochpreisige Designer-Ware. Erste Hersteller, so erzählt der 56-Jährige, seien hellauf begeistert gewesen von der Idee. Er sieht noch viel Potential für künftige Kooperationen. 

Die Zimmerpreise sollen sich zwischen 80 und 280 Euro die Nacht bewegen. Der Aufenthalt verpflichtet allerdings nicht zum Kauf. »Wenn unsere Gäste finden, dass sie besser bei uns gewohnt haben als zu Hause, dann haben wir unser Ziel schon erreicht«, lacht Herr Seidel. Bei Bedarf kann man auch die Dienste der Architekten und ihren Partnern buchen. 

Normalerweise würde man derlei Hotel in Berlin, Hamburg oder vielleicht Frankfurt verorten. »Pirna ist ideal mit dem Radweg vor der Haustür und dem Elbsandsteingebirge nebenan«, so Annette Katrin Seidel. Für schmutzige Wanderschuhe und Bikes soll es eine Waschstraße im Keller geben. Obendrüber wird gehobene Küche serviert – im gestreiften und im pinken Teil des »Lazy Laurich«. Insgesamt haben die Pirnaer knapp sechs Millionen Euro für den dreigeschossigen Neubau einkalkuliert.
 
Hiesige Banken ließen sich jedenfalls vom Feuer der Familie Seidel nicht anstecken, vielleicht weil niemand von ihnen vorher im Hotel- und Gastgewerbe zu Hause war. »Wir haben uns Profis ins Team geholt«, versichert Uwe Seidel. Er kann sich vorstellen, dass die Nachfrage »durch die Decke geht« und man bald schon über Franchise redet. Nach eigenen Recherchen der Betreiber gibt es bisher nichts Vergleichbares. Eröffnung ist am 1. August 2019.

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