Carola Pönisch

Fernsehturm: "Die Bürger müssen ihn sich zurückholen"

Verein sieht Telekom in der Pflicht und will Bürgerbegehren

Dresden. Von 16 bis 64 Millionen Euro reichen die Prognosen in der Machbarkeitsstudie, wenn es um die Frage geht, wie viel Geld in Sanierung und Betrieb des Fernsehturms fließen müsste – je nachdem, ob die kleine oder die große Variante der Idee „Wiederbelebung“ umgesetzt wird. Spannender nur ist die Frage: Gelingt es, den Turm in eine andere Eigentumsform zu überführen? Denn noch gehört er allein der Telekom

Der Fernsehturm ist mehr als eine Nadel auf einem Hang, er ist längst zum Politikum (laut Wikipedia ein politisch bedeutsamer Vorgang oder Gegenstand) geworden.

So groß der Wille der meisten Dresdner sein dürfte, dieses Bauwerk wieder in Besitz nehmen zu können, und so kühn die (durchaus realistischen) Ideen des Fernsehturm-Vereins auch sein mögen – der Turm gehört noch immer der Deutsche Funkturm GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Telekom. Und die hat kein Interesse daran, außer ihren Sendemasten für Fernsehen, Rundfunk und Mobilfunk noch irgendwelche Einrichtungen zu betreiben.

Was also tun? Mit dieser Frage befasst sich nun auch die Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker e.V. (VLK), namentlich in Person von Holger Zastrow, der gemeinsam mit dem Fernsehturm-Verein am Montagabend zur Diskussion „Wiedereröffnung - Chancen und Bedeutung" eingeladen hatte. „Die Bürger müssen sich ihren Turm zurück holen", lautete am Ende des Abends das Fazit. „Das könnte in Form einer Stiftung von Land, Stadt und Telekom sein, die den Turm besitzt, aber nicht betreibt", so einer der Vorschläge. Und einig waren sich einschließlich Zuhörer alle, dass die sogenannte „kleine Variante" mit Gastronomie und Besucherplattform (15,5 Mio.) auf jeden Fall machbar (aber nicht wirtschaftlich) und Variante 2 mit zusätzlicher Seilbahn als Verkehrsmittel (30,4 Mio.) auf jeden Fall realistisch sei. „Natürlich müssen wir dafür privates Kapital einwerben und wir werden es bekommen", ist sich Vereinsvorsitzender Eberhard Mittag sicher, „aber damit können wir erst beginnen, wenn der politische Wille von Stadtrat und Verwaltung zur Wiederbelebung des Turmes klar formuliert wird." Deshalb sei ein Bürgerentscheid nötig ähnlich wie bei der Waldschlösschenbrücke. Verein und VLK wollen ihn auf den Weg bringen. Auch der Seilbahn-Traum sei längst nicht geplatzt. Es gäbe eine Variante, die keinerlei Grundstücke überfahre. „Es ist machbar, man muss es nur wollen", so Zastrow.

Was man noch wissen sollten

Auszug aus der Machbarkeitsstudie: Momentan ist der Flächennutzungsplan (F-Plan) vom 10.12.1998 wirksam. Darin ist die ehemalige Gaststättenfläche zwischen Fernsehturm und Oberwachwitzer Weg noch als Sonderbaufläche Hotel/Beherbergung dargestellt. Im Entwurf zum neuen F-Plan (ab 2019 wird dieser nach heutigem Stand wirksam werden) wird die Hotelfläche nicht mehr dargestellt sein, nur noch die technischen Gebäude des Turmes und der Turm selbst als Technikgebäude.

Denkmalschutz: Am 23.4.1991 wurde der Turm samt Ausstattung, Eingangshalle und Terrasse unter Denkmalschutz gestellt. Alle brennbaren Ausstattungsteile, die nicht dem Betrieb als Fernmeldeeinrichtung dienten, wurden jedoch ab 2007 entfernt. Wo lagert die Ausstattung?

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Friedenslauf-Spenden gehen an Drudel 11

Ostritz. Rund 300 Menschen liefen im Oktober in Ostritz für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz. Die Hälfte der beim Friedenslauf gesammelten Spenden, 2450 Euro, wurde inzwischen an Drudel 11 e.V. aus Jena überwiesen. Dies teilen der Vorstandsvorsitzende des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal, Dr. Michael Schlitt, und der Mitorganisator des Friedenslaufes, Landrat a.D. Günter Vallentin (Ostritz), mit. Drudel 11 engagiert sich seit 25 Jahren als anerkannter Träger der Jugendhilfe. In zahlreichen Projekten – vom Jugendzentrum bis hin zur Ausstiegsberatung für Neonazis  – hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen Selbstkompetenz zu vermitteln und dabei Anreize zum Perspektivwechsel zu geben. Inzwischen kann das Team von Drudel 11 auf eine langjährige Erfahrung in den Bereichen der Gewalt- und Radikalisierungsprävention zurückblicken. Sebastian Jende vom Verein Drudel 11 dazu: „Mit großer Freude hat unser Verein diese tolle Nachricht von der Spende erhalten. Ein besonderer Dank geht an alle Spender und Läufer und natürlich an das IBZ St. Marienthal als Veranstalter sowie an die Verantwortlichen der Stadt Ostritz.“ Drudel 11 bietet Beratungen für Ausstiegswillige aus rechtsextremen Zusammenhängen an. Gemeinsam mit den Ausstiegwilligen wird in der vertraulichen Einzelberatung der bisherige, zumeist von Gewalterfahrungen, Vorurteilen und Hassideologien geprägte Lebensweg reflektiert. Dabei werden gemeinsam neue Lebensperspektiven für die Ausstiegswilligen erarbeitet. Sebastian Jende dazu weiter: „Die Struktur der rechtsextremen Szene hat oft zur Folge, dass sich Ausstiegswillige in einem eng gesponnenen Netz gefangen fühlen. Vor allem der hohe soziale Druck aus der Szene, bis hin zu Drohungen und Verfolgung, führt bei Ausstiegswilligen oftmals zu einem Gefühl der Ohnmacht. Ist aber die Ausstiegsmotivation gegeben, dann setzt unsere Beratung genau an diesem Punkt an und hilft den Aussteigern einen Ausweg zu finden und sich neu zu orientieren.“ Der andere Teil der Spenden wurde für das „Ostritzer Friedensfest“ zur Verfügung gestellt. Der „Ostritzer Friedenslauf“ im Oktober war auch eine Reaktion auf den am gleichen Tag im Ostritzer Hotel „Neißeblick“ stattgefundenen „Kampf der Nibelungen“. Zu dieser Kampfsportveranstaltung kamen zahlreiche Mitglieder der rechtsextremen Szene.Rund 300 Menschen liefen im Oktober in Ostritz für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz. Die Hälfte der beim Friedenslauf gesammelten Spenden, 2450 Euro, wurde inzwischen an Drudel 11 e.V. aus Jena überwiesen. Dies teilen der Vorstandsvorsitzende…

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