Carola Pönisch

Sportakrobaten beenden Karriere

Es war eine der bislang schwierigsten Entscheidungen seines Lebens. Doch nun fühle er sich von Tag zu Tag besser damit, sagt der Dresdner Sportakrobat Tim Sebastian. Nach fast 22 Jahren in diesem Metier beendet der Athlet vom Dresdner SC seine Karriere. Damit treten Deutschlands erfolgreichste Sportakrobaten nach dem EM-Titel 2019 und dem Gewinn der World Games 2017 von der große Bühne ab, denn auch sein Riesaer Partner Michael Kraft beendet seine Laufbahn.

"Wir hatten auf das große Ziel WM hintrainiert und waren topfit. Durch die Corona-Pandemie wurde die Weltmeisterschaft nun um mehr als ein Jahr auf Juni 2021 verschoben. Wir wissen nicht, was in den kommenden Monaten passiert und wir haben eine mehr als zweimonatige Pause in unserem Individualtraining gehabt. Das gab es in unseren fünfeinhalb gemeinsamen Jahren nie. Ich habe diesen Sport immer zu 110 Prozent gelebt. Aber nun war ich mir nicht mehr sicher, ob ich es schaffe, dieses hohe Niveau über ein weiteres Jahr lang aufrechtzuerhalten", sagt der 25-Jährige.

Mit dem Gewinn der World Games 2017 und dem Sieg bei den Europameisterschaften 2019 hatten die beiden Sachsen Geschichte geschrieben. Nie zuvor waren deutsche Sportakrobaten derart erfolgreich. Bei den Weltmeisterschaften, die an diesem Wochenende in Genf geplant waren, wollten sie sich ihren letzten Traum erfüllen - WM Edelmetall. "Wir haben bis auf dieses Ziel alles erreicht. Nach Platz 6 und Platz 7 bei den letzten beiden Weltmeisterschaften wollten wir diesmal nach Edelmetall greifen. Aber die Weltspitze ist sehr eng beieinander, es kommen immer wieder neue Paare hinzu und wir wissen, dass wir uns vom Leistungsniveau kaum noch steigern können. Wir sind an unserem Zenit angekommen. Wenn das dann 2021 nur zu Platz vier oder schlechter reichen würde, wäre das eine riesige Enttäuschung. Wir wollten immer auf unserem höchsten Punkt aufhören", gibt Tim Sebastian Einblicke in seine Gedankenwelt.

Ein weiterer Grund für seine Entscheidung: Im kommenden Jahr steht für den Studenten des Bauingenieurwesens an der HTW Dresden das Diplom an. "Das hat eine hohe Priorität und ich habe gemerkt, dass ich für das Studium mehr Zeit und Kraft benötige", erklärt der Dresdner, der als Werksstudent beim Bauunternehmen George Bähr tätig ist und die Aussicht auf eine Übernahme nach seinem Diplom hat.

Auch wenn er noch keine konkreten Pläne hat, so will Tim Sebastian seiner Sportart erhalten bleiben. In den kommenden Monaten wird er in der DSC-Halle abtrainieren. "Ich möchte auf jeden Fall mit der Sportakrobatik in Verbindung bleiben und lasse mich auch ein wenig überraschen, welche Ideen und Möglichkeiten für mich eventuell entstehen."

Für den DSC war Tim Sebastian das Aushängeschild einer extrem erfolgreichen Abteilung. Unter Cheftrainerin Petra Vitera hatte sich Tim Sebastian zu einem Weltklasse-Athleten entwickelt, bis er 2015 in Riesa bei Bundestrainer Igor Blintsov seine gemeinsamer Karriere mit Michail Kraft startete. "Wir bedauern seinen Rücktritt sehr, aber wir können seine Gründe absolut nachvollziehen und hoffen natürlich, dass Tim uns erhalten bleibt", sagt DSC-Abteilungsleiterin Birke Tröger.

Die Lücke, die Tim und Michail hinterlassen, ist erst einmal groß. Doch beim DSC wie auch im Deutschen Sportakrobatik Bund arbeiten zahlreiche Formationen daran, einen ebenso erfolgreichen Weg einzuschlagen. "Ich sehe viel Potenzial. Die Professionalisierung in unserem Verband schreitet immer schneller voran. Wir haben gezeigt, was in Deutschland möglich ist. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Partner bedanken, die mich auf meinem Weg begleitet haben. In dieser nichtolympischen Sportart, die wenig öffentlich gefördert wird, waren wir für die Unterstützung unserer Sponsoren wie der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, unserer Vereine oder auch der Landeshauptstadt Dresden sehr dankbar.“

 

 

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Landrat und Bürgermeister durch Verfassungsschutz informiert

Bautzen. Um die Städte und Gemeinden zu den Plänen für ein rechtsextremes Siedlungsprojekt und  Jugendzentrums zu informieren, hat Landrat Michael Harig am Mittwoch, 1. Juli 2020, zu einer Beratung in das Landratsamt eingeladen. Zu der kurzfristig anberaumten Veranstaltung waren Vertreter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Landeskriminalamt, Polizei und Innenministerium vor Ort, um über die Hintergründe des im Landkreis Bautzen geplanten Projektes zu informieren und die Vertreter von Städten und Gemeinden zu sensibilisieren. Durch das Landesamt für Verfassungsschutz wurde die Ankündigung des neurechten Musiker Chris Ares für ein Siedlungsprojekt im Landkreis Bautzen als ernstzunehmend bewertet. Ähnliche Projekte fänden sich im gesamten Bundesgebiet und passten in die Strategie der Bewegung. Die gute Vernetzung des Rechtsmusikers mit dem lokalen Ableger der als rechtsextrem geltenden Gruppierung „Identitäre Bewegung“ sei ein weiterer Hinweis. Anhaltspunkte, in welchen Städten und Gemeinden das in sozialen Medien angekündigte Projekt genau realisiert werden soll, liegen bisher jedoch noch nicht vor. Für das geplante „patriotische  Jugendzentrum“ habe man die Ankündigung registriert, dass dies in der Stadt Bischofswerda vorgesehen sei. Landrat Harig: „Die Beratung war ein wichtiger erster Schritt, um ein rechtsextremes Projekt im Landkreis Bautzen zu verhindern. Wir freuen uns eigentlich über jeden Zuzug in unsere Region – für völkische Siedlungsprojekte, patriotische Jugendzentren und dergleichen, gilt dieses Willkommen jedoch ausdrücklich nicht.“Um die Städte und Gemeinden zu den Plänen für ein rechtsextremes Siedlungsprojekt und  Jugendzentrums zu informieren, hat Landrat Michael Harig am Mittwoch, 1. Juli 2020, zu einer Beratung in das Landratsamt eingeladen. Zu der kurzfristig anberaumten…

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