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Wieder ein Stückchen abgehängt

Deutsch-Paulsdorf. An der Wendeschleife in Deutsch-Paulsdorf hält kein Bus mehr. Es gibt eine Alternative in unmittelbarer Nähe, sagt die Kreisverwaltung.

Die Haltestelle »Wendeschleife« wird nicht mehr angefahren. Die nächste Alternative ist die Haltestelle »Schloss«, die knapp einen Kilometer entfernt ist.

Die Haltestelle »Wendeschleife« wird nicht mehr angefahren. Die nächste Alternative ist die Haltestelle »Schloss«, die knapp einen Kilometer entfernt ist.

Bild: T. Keil

Gisela und Reinhard Fiedler fahren regelmäßig mit dem Linienbus zum Einkaufen, zum Arzt zu anderen Terminen. Manchmal einmal pro Woche, manchmal auch zwei- oder dreimal. Bis zur Wendeschleife in Deutsch-Paulsdorf, der Haltestelle die sie bisher nutzten, ist es von ihrem Haus aus nicht weit. Doch seit Anfang des Jahres hält dort kein Bus mehr. Der fährt nur noch bis zum Schloss, macht dann wieder kehrt. Für die beiden Rentner mit Schwerbehinderung, Gisela Fiedler geht am Rollator, bedeutet das einen Fußweg von rund einem Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle. Sie hofften zunächst, dass die Haltestelle nur vorübergehend nicht angefahren wird, schließlich war im Dezember mancherorts ein Notfallfahrplan nötig, weil den Busunternehmen viele Fahrerinnen und Fahrer krankheitsbedingt ausfielen.

 

Doch dem ist nicht so. Wie die Kreisverwaltung auf Anfrage bestätigt, ist die Wendeschleife dauerhaft gestrichen. Bei der Frage nach dem Grund bleibt die Antwort schwammig. Grundsätzlich wurden die Buslinien auf die Zugfahrpläne abgestimmt und flächendeckende Taktfahrpläne eingeführt. Damit soll erreicht werden, dass man nicht mit dem Bus am Bahnhof ankommt und den Zug davonfahren sieht. Den Takt für die Busse geben also die Züge vor. Die Änderungen wurden im Januar 2021 im Süden des Kreises eingeführt, im Januar 2023 auch im Norden.

 

Diese Änderungen gehen auch mit der Streichung und Verlegung einiger Haltestellen einher. Unter anderem, wenn in »unmittelbarer Nähe Alternativen« vorhanden sind, heißt es aus der Kreisverwaltung. Wie »unmittelbare Nähe« definiert wird, lässt die Antwort allerdings offen. »Außerdem sei nicht nur die Zahl der bedienten Haltestellen entscheidend, sondern das nutzbare Angebot an diesen Haltestellen«, heißt es weiter. Ein Blick darauf zeigt allerdings auch keine übermäßige Verbesserung. Der alte Plan zählte neun Busse an der Wendeschleife, der neue zählt zehn am Schloss. Nach 18 Uhr ging nach dem alten Plan nichts mehr, nach dem neuen Plan fährt der letzte Bus 16.16 Uhr. Manche Busse fahren nur an Schultagen, am Wochenende fährt gar keiner. Eine Möglichkeit wäre ein Rufbus, also ein Bus, der die Haltestelle immer dann anfährt, wenn der Fahrgast ihn vorher bestellt hat. Doch auch diese Alternative gibt es hier nicht. Am Ende wurde also wieder ein Dorf ein Stückchen mehr vom ÖPNV abgehängt.

 

Auch ein Hinweis fand sich an der stillgelegten Bushaltestelle Anfang Januar noch nicht. Fiedlers wollten im neuen Jahr wie immer mit dem Bus fahren, doch der kam nicht. »Uns ist ein Stück Lebensqualität genommen worden«, sagt Gisela Fiedler.


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