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»Unser Fokus liegt jetzt darauf, die Weichen zu stellen«

Görlitz. Zusammen mit 16 Mitstreitern wollen die Geschwister Christina und Christian Weß das Görlitzer Tierheim retten. Ein neuer Verein wurde gegründet. Wir sprachen mit ihnen darüber, wie es nun weitergeht.
Christina und Christian Weß (im Bild mit Hund Sharko) wollen das Görlitzer Tierheim zusammen mit anderen Mitstreitern über einen neu gegründeten Verein weiterbetreiben.  Foto: Keil

Christina und Christian Weß (im Bild mit Hund Sharko) wollen das Görlitzer Tierheim zusammen mit anderen Mitstreitern über einen neu gegründeten Verein weiterbetreiben. Foto: Keil

Bild: Keil

Die Mitteilung ging am »Liebe-Dein-Haustier-Tag« raus. Ein Zufall, aber sehr passend. In ihr stand, dass 18 Menschen in Görlitz im Februar den Tierheim Görlitz e.V. gründeten. Das Ziel: Das Tierheim Krambambuli weiterbetreiben und damit vor der Schließung retten. Der aktuelle Betreiber hatte Anfang des Jahres angekündigt, Ende 2024 aus wirtschaftlichen und personellen Gründen nicht mehr weiterzumachen.

 

Das rief Christian und Christina Weß auf den Plan. Die Geschwister arbeiten beide im Görlitzer Tierheim und wollen das auch weiterhin tun. Mit anderen Mitstreitern wurde der neue Verein gegründet. In dem haben sich Mitarbeiter des Tierheims, Ehrenamtler, eine Tierpflegerin, Adoptanten und ehemalige Praktikanten zusammengefunden, also alles Menschen, denen das Krambambuli besonders am Herzen liegt und die auch eine Verbindung zu dem Tierheim haben.

 

Und davon gibt es viele in Region. Aktuell erreichen die Mitglieder zahlreiche Anfragen. Die Menschen wollen unterstützen. Hier bittet der Verein noch um etwas Geduld. Man ging jetzt vor allem an die Öffentlichkeit, um ein Zeichen zu senden, dass am Fortbestand des Tierheims gearbeitet wird. Hinter den Kulissen passiert viel, so standen und stehen etwa besuche beim Notar und der Bank an. »Es geht jetzt darum, die Vereinsstrukturen aufzubauen und auf solide Füße zu stellen«, sagt Christina Weß. Und dann müssen natürlich Gespräche mit der Stadt und auch mit dem aktuellen Betreiber, dem Tierschutzverein Görlitz und Umgebung, geführt werden.

 

Der Verein hofft, dass im April das Spendenkonto eingerichtet ist. Mehr Infos wird es zukünftig über eine neue Website unter www.tierheim-goerlitz.de geben. Die Seite ist aktuell aber ebenfalls noch im Aufbau. Außer einem Foto und der Mailadresse des Vereins findet sich dort noch nichts. Natürlich kann man das Tierheim auch aktuell mit Spenden unterstützen. Der aktuelle Betreiber führt es bis Ende des Jahres.

 

Ideen für die Zukunft sind da

 

Wichtig zu wissen ist: Das Signal, das ein neuer Verein das Tierheim weiterbetreiben will, ist keine Garantie, dass das am Ende auch so passieren wird. Die Stadt ist verpflichtet, Fundtiere sicher unterzubringen. Dazu kann sie selbst Möglichkeiten schaffen, oder einen Vertrag mit einer Einrichtung abschließen. So ist es mit dem Krambambuli geschehen. Die Stadt ist also nicht Betreiber des Heims, beteiligt sich aber an den Kosten für Unterbringung und tierärztliche Versorgung. Der Stadt gehören außerdem die Flächen, der Tierheimbetreiber ist Mieter.

 

Deswegen heißt es für den neuen Verein also, die Stadt von dem eigenen Konzept (das bereits vorgestellt wurde) zu überzeugen. Ob das Tierheim 2025 weiter besteht und dann auch vom Tierheim Görlitz e.V. betrieben wird, muss noch entschieden werden. Die Stadt Görlitz stehe einer weiteren Betreibung des Tierheimes grundsätzlich positiv gegenüber, heißt es aus der Verwaltung auf unsere Nachfrage. Man führe derzeit Gespräche zum möglichen Fortbestand  und prüfe in dem Zusammenhang entsprechende vertragliche Modalitäten.

 

Sollte der Verein den Zuschlag bekommen, hat er schon einige Ideen in der Schublade. Eine der ersten Maßnahmen, die man angehen würde, wäre die bessere Isolierung der Gebäude. Das spart Heizkosten.Auch in der Struktur hat man Änderungen im Sinn. »Aktuell sind alle Hunde in Kalthaltung, also ganz klassisch im Zwinger«, sagt Christian Weß. Eine Hundehaus mit Warmhaltung würde die Bedingungen für die Tiere verbessern. Ein Wirtschaftsgebäude mit Duschen, Toiletten, Umkleide und Büro wiederum würde die Bedingungen für die Mitarbeiter verbessern. Auch eine Tierpension und ein Tierfriedhof kann man sich auf lange Sicht vorstellen.

 

All das ist aber Zukunftsmusik, die auch stark von möglichen Fördermitteln abhängt. Und die kann man erst beantragen, wenn man das Heim betreibt. Dieser Tatsache ist sich der Verein auch bewusst. »Unser Fokus liegt erstmal voll darauf, die Weichen so zu stellen, dass wir im kommenden Jahr das Tierheim betreiben dürfen und auch können, damit die Tiere nicht ins Leere fallen«, sagt Christian Weß.


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