Nach über zwei Jahren Bauzeit wurde gestern das Zentrum für Jugend und Soziokultur „Werk I“ in Görlitz feierlich eröffnet. Die Stadt bekommt damit eine weitere Veranstaltungs- und Tagungsmöglichkeit im Herzen der Europastadt.
In den neu hergerichteten Räumlichkeiten der ehemaligen Industriebrache werden von nun an kulturelle, pädagogische und gesellschaftliche Formate, die für alle Altersgruppen geeignet sind, einen Platz finden. Betreiber des ist der Second Attempt e. V., der bereits in der Planungsphase inhaltlich und konzeptionell involviert war. Der Vorstandsvorsitzende, Christian Thomas, nahm den Schlüssel des Gebäudes, dessen Gesamtbaukosten 4.4 Millionen Euro betragen, symbolisch entgegen. Nach den Redebeiträgen wurden die Besucherinnen und Besucher der Eröffnungsfeier zu einem Besichtigungsrundgang durch das Gebäude eingeladen.
Oberbürgermeister Octavian Ursu dankte dem Freistaat Sachsen, insbesondere der Sächsischen Aufbaubank (SAB), durch deren Fördermittel die Sanierung der Industriebrache in ein zeitgemäßes und barrierefreies Zentrum für Jugend und Soziokultur größtenteils ermöglicht wurden. Des Weiteren dankte er seinem Vorgänger Siegfried Deinege, der das Projekt als ehemaliger Oberbürgermeister auf den Weg gebracht hat. Ein weiterer Dank ging an die Bau- und Planungsfirmen sowie alle weiteren beteiligten Firmen und die Kolleginnen und Kollegen des Landratsamtes sowie der Stadtverwaltung Görlitz.
Neues Leben für die Industriebrache
Vor Beginn der Arbeiten war das Gebäude teilweise einsturzgefährdet und in einem sehr schlechten Zustand. Ab April 2018 erfolgte ein Teilabbruch, wobei das gesamte Dach und die Einbauten zurückgebaut wurden. Hierzu wurden die Außenwände gesichert und abgestützt. Dabei wurde ein Träger des alten Dachtragwerkes beiseitegelegt und später ohne tragende Funktion wieder eingebaut – er ist heute am Westgiebel zu sehen. Die Mauerkronen der Außenwände wurden instandgesetzt und im Anschluss daran konnte das neue Dachtragwerk errichtet werden. Die Stahlbinder wurden dabei nach historischem Vorbild gefertigt. Im Schutze des neuen Daches erfolgte dann der Ausbau der Fußbodenkonstruktion und des darunter befindlichen Bodens, da der Fußboden und der anstehende Boden sehr inhomogen waren und für die spätere Nutzung Fundamente für die neuen tragenden Wände und Stützen sowie für die neue Bodenplatte erforderlich waren. Parallel wurden die tragenden Bestandsstützen gestrahlt und mit einem Korrosions- und Brandschutzanstrich versehen. Nach Herstellung der Bodenplatte wurden Zug um Zug neue Innenwände und Decken eingebaut, um die einzelnen Räume von der Halle abzutrennen. Anschließend begannen der Innenausbau und die Installation der haustechnischen Anlagen. Insgesamt sollte der Industriecharakter bestehen bleiben. Aus diesem Grund wurden beispielsweise der Hallenkran erhalten, die Außenwände steinsichtig belassen, die Industriefenster und die alten Anbauten an der Fassade (z. B. der Metallbalkon) erhalten, Installationen in Aufputz verlegt, ein Betonboden ausgewählt sowie nicht tragende Stahlstützen unverändert belassen.
Auf die Barrierefreiheit wurde bei der Sanierung großer Wert gelegt. So wurden unter anderem eine Eingangsrampe für Rollstuhlfahrer errichtet und eine Hörschleife in den Saal eingebaut, damit hörgeschädigte Menschen die Möglichkeit haben, Audiosignale, zum Beispiel Redebeiträge oder Musik, direkt auf ihre Hörgeräte zu übertragen.