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Jetzt trifft es den Süden

Zittau. Der Borkenkäfer sorgt jetzt im Süden des Landkreises Görlitz für massive Schäden. Die Kleinteiligkeit der Waldflächen macht die Aufforstung kompliziert.
Bohrgänge des Borkenkäfers.

Bohrgänge des Borkenkäfers.

Bild: Pixabay

Es klingt zunächst nach einer guten Nachricht: Nach 327.000 Festmetern Schadholz im Borkenkäferjahr 21/22 (gemessen wird immer vom 1. Juni bis 30. Mai) waren es 22/23 nur noch 250.000 Festmeter. Große Freude löst das beim Kreisforstamt aber nicht aus. »Der Rückgang erklärt sich damit, dass die Fichtenbestände zurückgegangen sind«, sagt Kreisforstamtsleiterin Sylvia Knote. Vor allem in den Königshainer Bergen sind die Schäden nicht mehr zu übersehen. Dort sind kaum noch Bestände an Fichtenwald vorhanden, die befallen werden könnten. 4000 Hektar geschädigte Fläche kamen seit 2017 im gesamten Landkreis zusammen.

 

Das Schadgeschehen sei nicht verlangsamt und weiterhin kritisch, habe sich aber in den Süden des Kreises verlagert, so die Amtsleiterin. Dort gibt es noch viele zusammenhängende Fichtenbestände. Dass das Borkenkäferproblem weiterhin ein großes ist, zeigt sich bei Messungen mit Pheromonfallen. Fängt man darin an einem Standort im Laufe einer Woche mehr als 3000 Käfer, spricht man von einem Schadgeschehen. »Wir erreichen hier an einzelnen Standtorten fünfstellige Zahlen«, sagt Knote. Am Standort in Eichgraben waren es 47.000 Buchdrucker in einer Falle. Man muss also davon ausgehen, dass sich auch im Süden das Landschaftsbild durch die Schäden, die der Borkenkäfer anrichtet, spürbar verändern wird. Teilweise hat es das bereits, sind schon große Kahlflächen entstanden.

 

Das hat auch Einfluss auf den Tourismus. Viele Wald- und Wanderwege sind in Mitleidenschaft gezogen. Denn die Waldbesitzer müssen die Schadflächen beräumen. »Die Waldeigentümer versuchen natürlich, es zu vermeiden. Aber bei den Größenordnungen, in der Schadholz momentan anfällt, kann man nicht immer Rücksicht aufs Wetter nehmen«, sagt Sylvia Knote. Und wenn man bei Regen mit schwerem Gerät im Wald unterwegs ist, tut das den Wegen eben nicht gut. Die Kritik von Bürgern und Besuchern könne sie nachvollziehen, nimmt die Waldeigentümer aber in Schutz. »Die bemühen sich wirklich, auch die Wege so schnell wie möglich wieder instand zu setzen.«

 

Ziel: Mischbestände statt Reinbestände

 

Für die Waldeigentümer ist die Wiederbewaldung jetzt natürlich eine große Herausforderung, vor allem finanziell. »Die Wiederaufforstung eines Hektars kostet rund 10000 bis 15000 Euro«, sagt die Amtsleiterin des Kreisforstamtes. Es gibt Förderprogramme von Bund und Land, aber aus ihrer Sicht sind die zu erbringenden Eigenanteile immer noch zu hoch.

 

Ziel des Kreisforstamtes und des Staatsbetriebs Sachsenforst ist ein »klimaangepasstes Waldmanagement«. Heißt: Mischbestände statt Reinbestände. Das streut das Schadensrisiko. Allerdings haben die Forstbehörden keinen direkten Einfluss darauf, wie die Waldbesitzer ihren Wald aufforsten. Es gibt auch Waldeigentümer, die jetzt wieder nur Fichten pflanzen. Förderprogramme der EU unterstützen gezielt die Aufforstung mit Mischbeständen, um hier entsprechende Anreize zu schaffen.

 

Ein anderes Problem bei der Wiederaufforstung ist die Kleinteiligkeit der Waldflächen im Landkreis. Der zählt rund 10.000 Waldeigentümer, 90 Prozent davon mit Flächen unter fünf Hektar. »Das macht es schwierig, größere Flächen einheitlich wieder zu bewalden. Es hat wenig Sinn, irgendwo einen halben Hektar aufzuforsten, wenn rundherum 30 Hektar nicht aufgeforstet werden«, sagt Sylvia Knote. Wenn man das sinnvoll bewerkstelligen will, müsse man die Waldeigentümer zusammenbringen. Das hinzubekommen, sei aber schwierig. Häufig gelinge es nicht.


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