Rainer Könen

Eine Oase vielfacher Möglichkeiten

Kamenz. Der Kamenzer Verein Stadtwerkstatt-Bürgerwiese wurde vor acht Jahren gegründet. Ein Ziel: Die Stadt weiter zu entwickeln.
Die Kamenzer Stadtwerkstatt könne man auch als »Denkfabrik« betrachten, finden Jens Fichte und Franziska Schulze-Stocker. Eine solche Institution sei in der Lessingstadt wichtig, um die Entwicklung der Stadt weiter zu fördern.

Die Kamenzer Stadtwerkstatt könne man auch als »Denkfabrik« betrachten, finden Jens Fichte und Franziska Schulze-Stocker. Eine solche Institution sei in der Lessingstadt wichtig, um die Entwicklung der Stadt weiter zu fördern.

Bild: Rainer Könen

Auf dem Weg zur Kamenzer Denkfabrik, wie die Mitglieder des Vereins Stadtwerkstatt-Bürgerwiese sich mitunter auch bezeichnen, erkundigt man sich auf dem Marktplatz bei einem älteren Herrn nach dem genauen Standort dieser vor acht Jahren gegründeten Bürgerinitiative. Rosa-Luxemburg-Straße 5, nicht weit entfernt. Stadtwerkstatt? Was machen die dort überhaupt so, will der Mann wissen.

Kurz gesagt, möchte der derzeit 26-köpfige Verein mit dazu beitragen, das sich die Lessingstadt weiterentwickelt. In vielerlei Hinsicht. Wirtschaftlich, kulturell, sozialökonomisch. »Wir haben hier schon eine Menge bewegen können«, erzählt Franziska Stocker-Schulze, die zu den Mitbegründern des Vereins gehört. Etwas bewegen, für die Stadtwerkstatt heißt das, neben den allmonatlich durchgeführten öffentlichen Vereinstreffen, auch regelmäßig Veranstaltungen durchzuführen, um das gemeinschaftliche Engagement der Einwohner zu fördern. Sich »aktiv mit dem Stadtleben auseinanderzusetzen«, so die seit 13 Jahren in Kamenz lebende Bildungsforscherin, die an der TU Dresden tätig ist. Ein Ziel der Stadtwerkstatt sei es insbesondere auch »immer im Gespräch zu bleiben«, so die 41-jährige Wissenschaftlerin. Die Botschaft der Bürgervereinigung: in Kamenz gibt es viele Ideen, Innovationsgeist, kreative Menschen, die mit dazu beitragen wollen, dass die Stadt im Fortschrittsmodus bleibt. Eine Oase vielfacher Möglichkeiten ist.

Der 63-jährige Jens Fichte, ebenfalls ein Mitbegründer des Vereins, ist bestens vernetzt in Kamenz. Der ehemalige Stadt- und Kreisrat weist darauf hin, das sich die Stadtwerkstatt in den zurückliegenden Jahren als Treffpunkt für engagierte Bewohner etabliert habe. In regelmäßigen Abständen organisiere man Fachvorträge und Gesprächsrunden, etwa zu aktuellen kommunalpolitischen Entwicklungen. Fichte, ein Ur-Kamenzer, erklärt, dass man auch Aktionen initiiere, um das Stadtbild freundlicher, grüner zu gestalten. Erwähnt den Kiezgarten an der Mönchsmauer. Auf Anregung der Stadtwerkstatt sei da in der Innenstadt ein Stück Brachland in einen öffentlichen Garten verwandelt worden. Er erwähnt die Jugendarbeit, die man in der Lessingstadt mit Projekten unterstütze.

Will man von den beiden wissen, ob und welche größeren Vorhaben in den nächsten Jahren geplant sind, verweisen die beiden Gründungsmitglieder auf die Pinnwand in den neuen Räumlichkeiten. Man plane nicht Jahre voraus, meint Jens Fichte. Vielmehr konzentriere man sich aufs aktuelle Jahr. Ein Blick auf die Pinnwand zeigt, welche Vorhaben 2025 geplant, welche Themenschwerpunkte gesetzt sind. Da geht es um die Kinder-Uni, ist nach der Bürgermeisterwahl ein Diskussionsforum zum Leitbild der Stadt geplant; die Interkulturelle Woche braucht Vorbereitung, ebenso die geplante Teilnahme des Vereins am bevorstehenden Festumzug zum 800. Stadtgeburtstag; aber auch Lesungen, Lampen-Werkstatt oder Senioren-Brotbacken stehen auf der Agenda. Mehr als 30 Veranstaltungen richte man jährlich aus, so Fichte. Der immer wieder betont, dass ein Verein wie die Stadtwerkstatt »für jeden interessierten Bürger offen« sei. Der Verein lade da zum »Mitgärtnern und Mitplanen« ein, betont Fichte. Und weist darauf hin, dass man auf einem guten Weg sei, die Stadt weiterhin voranzubringen. Schritt für Schritt.


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