Matthias Stark

Lessing würde lächeln

Kamenz. Kulturministerin Barbara Klepsch übergab den mit 10.000 Euro dotierten Sächsischen Bibliothekspreis 2023 an die Stadtbibliothek »G.E. Lessing« in Kamenz.
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Aline Fiedler, Bibliotheksverband Sachsen, Bibliothekschefin Marion Kutter, Staatsministerin Barbara Klepsch, OB Roland Dantz und Katrin Stump von der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (v.l.n.r.) bei der Preisverleihung in Kamenz.  
 Foto: Matthias Stark

Aline Fiedler, Bibliotheksverband Sachsen, Bibliothekschefin Marion Kutter, Staatsministerin Barbara Klepsch, OB Roland Dantz und Katrin Stump von der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (v.l.n.r.) bei der Preisverleihung in Kamenz. Foto: Matthias Stark

Der Raum war gut gefüllt, als der Kamenzer OB Roland Dantz die zahlreichen Gäste zur feierlichen Preisverleihung in seiner Stadt begrüßte. Ihm ist der Stolz anzumerken, dass »seiner« neuen Bibliothek der Bibliothekspreis verliehen wird. Er hob hervor, dass die Kamenzer mit dem Konzept »Open Library« ganz neue Wege gegangen sind und damit noch ein ziemlich Alleinstellungsmerkmal haben. Das Konzept sieht vor, dass Bibliotheksnutzer allein, ohne Anwesenheit von Personal, an Abenden und Wochenenden die Einrichtung nutzen können. Damit wird die Stadtbibliothek zu einem kulturellen Zentrum und das Lesen sowie Ausleihen von Büchern auch jenseits der regulären Öffnungszeiten möglich. »Bis jetzt sind wir sehr zufrieden damit«, stellte OB Roland Dantz fest.

Innovative Bibliotheksarbeit wird gewürdigt

Für den Bibliothekspreis gab es 2023 insgesamt neun Bewerbungen. Eine Fachjury, bestehend aus dem Vorstand des Bibliotheksverbandes Sachsen und unter fachlicher Beratung der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken hat sich nun für die Kamenzer Einrichtung entschieden. Prämiert wird insbesondere innovative Bibliotheksarbeit, die Förderung von Lese-, Sprach- und Medienkompetenz sowie das regionale Engagement und neue Ideen zur Nutzerbindung.

In ihrem Grußwort würdigte die Staatsministerin Barbara Klepsch die Arbeit der Kamenzer Einrichtung. An die Leiterin Marion Kutter gewandt, sagte die Ministerin: »Sie haben Großes geleistet! Und voller Energie und mit beeindruckendem Engagement eine geradezu vorbildliche Bibliothek geschaffen.«

Die Generaldirektorin der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, Katrin Stump, hob in ihrer Laudation hervor: »Das Konzept der ›Open Library‹ erfordert Weitblick, Innovationsfreude und Engagement. All das wurde belohnt und das Gesamtkonzept ist ein Erfolg. Seit der Eröffnung wurden etwa 100.000 Besucherinnen und Besucher gezählt, womit sich die Besucherzahl fast vervierfacht hat. Dabei ist die Hälfte der Nutzenden jünger als 30 Jahre«. Sie betonte, dass das Potential der kommunalen Bibliotheken noch nicht überall im Freistaat erkannt, geschweige denn gehoben wurde. Es gäbe unter den 169 hauptamtlich geführten, kommunalen Bibliotheken dringenden Handlungsbedarf, denn es fehle an benötigter Infrastruktur. So verfügten mit Stand des Jahres 2022 lediglich 60 % der Einrichtungen über WLAN, digitale Medien seien in nur 62 % der Einrichtungen verfügbar und nur 76 % hätten Internet-Arbeitsplätze.

In ihrer Dankesrede stelle die Leiterin der Kamenzer Bibliothek, Marion Kutter, fest: »Das vierköpfige Bibliotheksteam ist, was Arbeitstempo und -pensum betrifft, sozusagen von der S-Bahn auf den ICE umgestiegen. Sowohl die enorme Geschwindigkeit als auch die moderne Technik haben uns nicht wenig abverlangt. Der Bibliothekspreis des Freistaates Sachsen 2023 ist eine wunderbare Anerkennung, die wir mit großer Freude und Dankbarkeit entgegennehmen«. Und sie ergänzt liebevoll: »Mein Dank gilt auch meinem Ehemann, der mir nicht nur zu Hause den Rücken freihält, sondern auch in der Bibliothek mit anfasst«.

Die Festveranstaltung wurde mit großartigen künstlerischen Beiträgen durch die Musikschule Kamenz umrahmt. Die über fünfzig Gäste spendeten dafür mehr als verdienten Applaus. Und der Kamenzer Oberbürgermister Roland Dantz hatte es in seiner Begrüßung mit einem augenzwinkernden Blick auf den großen Sohn der Stadt und die Preisverleihung bereits festgestellt: »Wenn Gotthold uns von ›Wolke Sieben‹ sehen könnte, er würde lächeln.«.


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