Gabriela Hesse

Adventsabenteuer

Lausitz. Ein Kommentar von Schwester Gabriela Hesse, Äbtissin des Klosters St. Marienstern, Panschwitz-Kuckau.

Bilder
Schwester Gabriela Hesse

Schwester Gabriela Hesse

Foto: Juergen Matschie

Hand auf‘s Herz. Würden Sie, wenn Sie das Wort Adventure hören oder lesen, an den Advent denken? Doch wohl eher an Abenteuer und Erlebnis. An tiefe Schluchten, Regenwälder oder die Antarktis. Trotzdem, in dem Wort Adventure steckt das Wort Advent. Übersetzt aus dem Lateinischen heißt das Ankunft.

Eine Ankunft kann schon echt ein Erlebnis, ein Abenteuer oder eine Aufregung sein, wie das Wort Adventure aus dem Englischen übersetzt heißt.

Und wenn wir uns die Wochen vor Weihnachten anschauen, sind sie mitunter wirklich voller Aufregung und Abenteuer.

Aber was bedeutet für Sie der Advent, oder die vorweihnachtliche Zeit, wie Sie vielleicht sagen? Ist es: Gemütlichkeit? Kerzenschein? Weihnachtsmarkt und Glühwein? Stress? Hektik? Besinnlichkeit? Familie? Sehnsucht? Oder vielleicht sogar Einsamkeit?

Für mich hat der Advent schon seit frühester Kindheit eine ganz besondere Bedeutung. In meiner Familie war es wirklich eine erlebnisreiche und wunderschöne Zeit, die mich tief geprägt hat. Der große Adventskranz in der Kirche; die Lieder, die wir gesungen haben; so eine gewisse Heimlichkeit, die zu spüren war, um andere zu überraschen.

Heute im Kloster ist für mich und meine Mitschwestern der Advent eine Zeit des Maßhaltens und auch des Verzichtes. Verzicht, das hat vor allem etwas mit Selbstbeherrschung zu tun. Jedenfalls bemühen wir uns darum. Die Gebete, die wir sprechen und singen sind von einer großen Sehnsucht geprägt. Sie drücken eine wunderschöne Erwartung aus: Jesus, der Messias, der Retter der Welt, kommt in diese Welt und bringt ihr Frieden und Erlösung.

Gott wird Mensch. Ehrlich, mein Verstand kann das nicht fassen. Trotzdem oder gerade deswegen versuche ich, mein Herz zu öffnen, Ruhe zu halten, mich nicht von Hektik und Stress anstecken zu lassen. Und doch schwappt der Alltag, mit all seinen vielen Anforderungen und Nachrichten über die Klostermauern.

Ich fand von Wolfgang Steffel Gedanken zur Adventszeit, die ich Ihnen gerne weitergeben möchte:

Lerne wegzulassen,
meide große Massen,
wo ein jeder rennt –
das wäre dann Advent.

Lerne zuzulassen.
Vergessnen in den Gassen
mach ein Kompliment –
das wäre dann Advent.

Lerne loszulassen.
Klingeln auch die Kassen,
leer dich konsequent –
das wäre dann Advent.

Lerne einzulassen,
mehr und mehr erfassen:
Jesus, der dich kennt –
das wäre dann Advent.

Lern‘ dich überlassen,
dich dem einzupassen,
der dein Element –
das wäre dann Advent.

Es kann wirklich ein adventliches Abenteuer und Erlebnis werden, wenn ich weglasse, zulasse, loslasse, mich einlasse und überlasse. Ein Adventure pur!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten 2. Advent!

 

»kommentiert:« läuft immer donnerstags, 6.50 und 14.45 Uhr, im LAUSITZWELLE Radio über UKW und DAB+ und als Video auch im LAUSITZWELLE Fernsehen in der Drehscheibe Lausitz. Alle Kommentare sind jederzeit bei www.lausitzwelle.de sowie auf youtube.com/LAUSITZWELLE abrufbar.


Meistgelesen