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Zwei Jahre im Anpassungsmodus

Mit gezielten Maßnahmen hat es das Hotel Stadt Löbau geschafft, durch das aktuell schwierige Fahrwasser zu kommen. Investitionen mussten zurückgestellt werden.

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Sascha Ehlert, Inhaber des Hotels Stadt Löbau, im neuen Sommergarten. Der wurde 2021 auch als Reaktion auf die Pandemie geschaffen.

Sascha Ehlert, Inhaber des Hotels Stadt Löbau, im neuen Sommergarten. Der wurde 2021 auch als Reaktion auf die Pandemie geschaffen.

Foto: T. Keil

Eine aktuelle Umfrage in sächsischen Hotel- und Gastronomiebetrieben zeigt, dass immer noch 15 Prozent der Unternehmen eine Insolvenz infolge der Pandemie fürchten. Das teilt der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit. Währenddessen stehen schon die nächsten Probleme an, mit denen das Gewerbe kämpft. Steigende Kosten bei Energie, Lebensmitteln und Personal bereiten neue Schwierigkeiten.

 

Dass die Aussichten in der Branche aktuell nicht unbedingt rosig sind, davon kann auch Sascha Ehlert ein Lied singen. Vor zwei Jahren übernahm er das Hotel Stadt Löbau. Mitten im ersten Lockdown war der Zeitpunkt sicher nicht ideal, was alles noch kommen würde, konnte er damals aber nicht absehen. Weitere Lockdowns, Krieg in der Ukraine, massiv steigende Kosten - all das sind große "Herausforderungen", wie man es gerne formuliert, wenn man das Wort "Probleme" vermeiden will.

 

Das Handtuch werfen kam für Ehlert aber nicht infrage. "Wir mussten uns anpassen. Aber wir haben es mit unserem tollen Team geschafft, die Herausforderungen anzunehmen und zu meistert", sagt er. Im Lockdown wurde das Essen einfach ausgeliefert, 2021 ein Sommergarten vor dem Hotel geschaffen, um Außengastronomie anbieten zu können. Und auf der Restaurant-Karte wird's immer regionaler. Das liegt zum einen aktuell im Trend und wird immer stärker nachgefragt, zum anderen ist es aber auch schlicht der Preisentwicklung geschuldet. So flog beispielsweise das Steak vom argentinischen Rind von der Karte. Es kostete mal 27,50 Euro. "Heute müssten wir es für über 35 Euro anbieten. Das lässt sich nicht verkaufen", sagt Sascha Ehlert. Also gibt's jetzt kein Fleisch aus Argentinien mehr, sondern wo immer es geht, wird auf regionale Produkte gesetzt. Das verkürzt die Lieferwege, ist damit ökologischer und ökonomischer. "Dadurch konnten wir die Preise im Restaurant nahezu konstant halten", sagt der Hotelchef.

 

Ganz ohne Preiserhöhung geht es nicht

 

Auch die Zimmerpreise wurden nur "moderat angepasst", wie es der Hotelbetriebswirt formuliert. Dass das nötig war, belegt Sascha Ehlert mit Zahlen. Seit er das Hotel im April 2020 übernahm, stiegen beispielsweise die Wäschekosten um 19 Prozent, bei den Energiekosten geht er von 11 Prozent aus. Ganz genau kann er das bei unserem Besuch nicht beziffern, müsste dazu den Taschenrechner zücken. Grund: "Da wir glückerweise eine Belegungssteigerung verzeichnen konnten und somit logischerweise auch höhere Energiekosten anfallen." Noch signifikanter werden die Kostensteigerungen bei den Lebensmitteln. Auch hier nennt der Hotelchef einige Beispiele. Der Preis für Entenfleisch stieg um zwölf Prozent, bei Schweinefleisch sind es 27 Prozent, bei Butter 80, bei Rapsöl sogar 420 Prozent.

 

Und dann ist da noch der Mindestlohn. "Zwölf Euro sind für einen qualifizierten Mitarbeiter nicht viel, das ist mehr als gerechtfertigt", sagt Ehlert. Trotzdem bringt die Anhebung weitere Kosten. "Wenn ich jetzt einer Hilfskraft 12 Euro pro Stunde zahle, muss ich den Lohn bei den qualifizierten Kräften natürlich ebenfalls erhöhen", sagt der Hotelchef. Sonst stimmt am Ende das Verhältnis nicht. Im Hotel hat man sich zu einer weiteren Maßnahme entschieden. Seit Juni sind Montag und Dienstag Ruhetage. Dann ist das Restaurant geschlossen und in der Küche nur eine Minimalbesetzung vor Ort, um die Hotelgäste zu bewirten. "Wir sind seit zwei Jahren dabei, uns immer wieder anzupassen", sagt Ehlert. Die gute Nachricht: Das gelingt. Das Restaurant läuft, und die Hotelgäste kommen auch mehr und mehr, wenn nicht Lockdowns oder 2G- und 2Gplus-Regeln bremsen.

 

Bei den Investitionen musste man dadurch aber zurückstecken. Zwar gibt's den neuen Sommergarten, aber geplante Renovierungen der Rezeption, des Personalbereichs und der Sanitäranlagen mussten warten. Verzagen lässt das den Hotelinhaber nicht. Er hält es mit Aristoteles: "Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen."