tok

„Wir haben nicht erst durch Corona das Händewaschen gelernt“

Das Familienunternehmen Kunze aus Weißwasser feiert 2021 sein 25-jähriges Bestehen. Auf den Umgang seiner Mitarbeiter mit der Coronapandemie ist der Chef stolz.
Bilder

Die Bauphase lief ohne Probleme, trotzdem hat sich die Eröffnung des neuen Betreuten Wohnens in Kollm verschoben. „Wir wollten eigentlich im Oktober starten“, verrät Mathias Krause. „Coronabedingt haben wir uns aber dazu entschieden, die Eröffnung zu verschieben.“ Der Geschäftsführer des Familienunternehmens Kunze blickt auf ein schwieriges Jahr 2020 zurück. Corona hat auch das Weißwasseraner Unternehmen, das inzwischen im halben Landkreis an insgesamt acht Standorten vertreten ist, vor einige Herausforderungen gestellt. Bei der ersten Welle im Frühjahr war die Schließung der Tagespflegen Pflicht. Beim zweiten Lockdown hätten sie geöffnet bleiben können. „Wir haben uns aber dagegen entschieden“, sagt Mathias Krause. Der Schutz von Mitarbeitern und Besuchern habe Vorrang gehabt. Schließlich zählen die Besucher der Tagespflege zur Risikogruppe. Dass die Entscheidung richtig war, zeigte sich Ende 2020. „Bis zum Herbst sind wir gut durchgekommen“, sagt Krause. Doch mit den rasant steigenden Infektionszahlen im Landkreis gab es auch die ersten Infektionen in Einrichtungen des Unternehmens. An zu schwachen Hygienemaßnahmen habe das aber nicht gelegen, versichert  Mathias Krause. „Wir haben nicht erst durch Corona das Händewaschen gelernt.“ Er meint damit nicht nur sein Unternehmen, sondern die ganze Branche. Schon vor der Pandemie gab es natürlich ein Hygienekonzept, das sogenannte Schutzregime wurde durch Corona nochmals verschärft. Doch am Ende ließ sich das Virus nicht mehr aufhalten.

Digitalisierung hilft bei der Organisation

Auf die Pandemie reagiert hatte das Unternehmen schon früh. „Wir haben schon im Januar 2020 im großen Stil eingekauft“, sagt der Geschäftsführer. Das gab es Desinfektionsmittel, Masken & Co. noch zu marktüblichen Preisen. Zwar habe man später auch nachbestellen müssen, aber durch das frühe Füllen der Lager habe man einen Puffer gehabt. So habe es nie Engpässe beim Material gegeben. Bei den Mitarbeitern sah das zwischenzeitlich etwas anders aus. „Da haben wir teilweise schon Leistungsgrenzen erreicht.“ Umso stolzer ist der Chef auf sein Team und den Teamspirit. Wenn Mitarbeiter in Quarantäne waren, wurde sich gegenseitig geholfen. Andere Mitarbeiter sprangen ein, wechselten den Standort, ohne, dass das hätte angewiesen werden müssen. Zwei Faktoren halfen dabei, gut durch die angespannte Situation zu kommen. »Wir hatten das Glück, dass die Infektionen zeitlich sehr verteilt auftraten. So konnten wir immer Personal aus anderen Bereichen abziehen, das die Ausfälle auffangen konnte.« Außerdem hatte das Unternehmen 2019 die Digitalisierung im eigenen Haus vorangetrieben. So ließ sich vieles online planen und besprechen, was die Organisation leichter machte.

Impfungen laufen

Mit den Impfungen soll wieder ein Stück Normalität zurückkehren. Denn nicht jeder Bewohner konnte es verstehen, das plötzlich Menschen in voller Schutzmontur vor ihm standen. „Pflege lebt vom persönlichen Kontakt, insofern war das schon eine Herausforderung“, sagt Geschäftsführer Mathias Krause. Ende Februar waren die stationären Einrichtungen des Unternehmens durchgeimpft. Im ambulanten Bereich ist das Ziel, dass jeder, der eine Impfung will, bis Anfang April geimpft ist. Trotz Corona will sich das Familienunternehmen auch 2021 weiterentwickeln. Mit dem Betreuten Wohnen in Kollm hat das schon geklappt. 24 Plätze stehen zur Verfügung, außerdem starten hier auch die Hauskrankenpfleger ins Umfeld. Und dann ist da noch ein möbliertes Zimmer. „Das ist für die Verhinderungspflege“, erklärt der Geschäftsführer. Will eine private Pflegeperson Urlaub machen oder braucht aus anderen Gründen eine Auszeit, kann die pflegebedürftige Person hier betreut werden. Ab Pflegegrad zwei übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten der Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr. Ein Umstand, der vielleicht gar nicht jedem bewusst ist, der einen Angehörigen zu Hause pflegt. Deswegen empfiehlt Mathias Krause, in Sachen Pflege rechtzeitig Beratung in Anspruch zu nehmen. „Die Pflegeversicherung funktioniert in Deutschland nach dem Teilkasko-Prinzip, es ist keine Vollversicherung. Man sollte sich daher zur eigenen Absicherung möglichst früh beraten lassen.“ In Görlitz arbeitet das Unternehmen ebenfalls an der eigenen Weiterentwicklung. Das Betreute Wohnen an der Zittauer Straße soll erweitert werden, ein Neubau entstehen. Die Planungen dazu laufen. Die Baugenehmigungsreife soll noch im ersten Halbjahr 2021 erreicht werden.

Unternehmen wird 25 Jahre alt

Einen Grund zu feiern gibt es 2021 auch. 1996 eröffneten Hans-Joachim und Ingrid Kunze die erste betreute Wohngemeinschaft. In diesem Jahr wird das Familienunternehmen also 25 Jahre alt. Feiern will man vor allem mit den Bewohnern, Klienten und Mitarbeitern. „Sie sind es, die uns ausmachen“, sagt Mathias Krause. Ob ein Fest dieses Jahr möglich ist, wird sich zeigen. Geben wird es aber in jedem Fall viele interne Aktionen. Dabei geht es dem Unternehmen auch darum, jüngeren Mitarbeitern die eigene Geschichte nahezubringen. Dazu will man unter anderem langjährige Mitarbeiter zu Wort kommen lassen. Zu Beratungsthemen soll es ebenfalls Interviews geben, die dann auf der Website in verschiedenen Formaten, beispielsweise als Podcast, veröffentlich werden.


Meistgelesen