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Weisswasser: Krankenhaus schließt Kinderstation

Der Stationsbetrieb auf der Kinderstation im Kreiskrankenhaus Weißwasser wird schrittweise eingestellt. Begründet wird das mit der geringen Auslastung.
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Das Kreiskrankenhaus Weißwasser schließt die Kinder- und Jugendstation. Kinder und Jugendliche werden jetzt wieder in den Fachkliniken Chirurgie, Unfallchirurgie und Innere Medizin behandelt. Foto: WochenKurier

Das Kreiskrankenhaus Weißwasser schließt die Kinder- und Jugendstation. Kinder und Jugendliche werden jetzt wieder in den Fachkliniken Chirurgie, Unfallchirurgie und Innere Medizin behandelt. Foto: WochenKurier

Ein genauer Termin wurde nicht genannt, stattdessen soll die Veränderung „Zug um Zug“ vonstattengehen. Die stationäre Versorgungsstruktur im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin wird im Kreiskrankenhaus Weißwasser ab März 2021 schrittweise eingestellt, die Kinderstation geschlossen. Das heißt natürlich nicht, dass Kinder und Jugendliche hier nicht mehr behandelt werden. Das geschieht nun allerdings auf anderen Stationen.  „Kinder und Jugendliche können bei medizinischer Notwendigkeit stationär in den Fachkliniken Chirurgie, Unfallchirurgie und Innere Medizin - wie früher erfolgt - unter Hinzuziehung eines Facharztes für Pädiatrie, behandelt werden“, teilt Dr. Jana-Cordelia Petzold, Pressesprecherin der Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz (MGLG), mit. Man stelle für die Kinder- und Jugendlichen bzw. deren Eltern die Akut- und Notfallversorgung weiterhin unverändert sicher. Eine Erstvorstellung ist in der Notfallaufnahme des Krankenhauses wie gewohnt 24/7 möglich. Für die Patientinnen auf der Wochenbettstation steht ein Pädiater weiterhin zur Verfügung. Entbindungen und die Erstversorgung der Neugeborenen (U1 und U2) sind gesichert.  Auch die Geburtshilfe steht weiterhin zur Verfügung. Außerdem weist das Krankenhaus in dem Zusammenhang auf die Praxis für Pädiatrie hin, die am Standort in Weißwasser für die pädiatrische ambulante Versorgung weiterhin zur Verfügung steht und ausgebaut werden soll. Die bekannten und etablierten Sprechstunden der KV-Bereitschaftspraxen bleiben unverändert. 

Fehlt das passende Personal oder Geld?

Bleibt die Frage, warum das Krankenhaus diesen Schritt geht. Dr. med. Ulrike Wetzel, bisherige Chefärztin der Kinderstation, hat das Krankenhaus vor einigen Wochen verlassen. Sie wechselte ans Seenland-Klinikum in Hoyerswerda. Ärztemangel ist in der Region kein neues Phänomen. Auf Nachfrage teilt die MGLG allerdings mit, dass der Weggang der Chefärztin nicht ursächlich für die Schließung ist. „Die Gewinnung von Personal ist gerade im Bereich der Pädiatrie schwierig - das ist richtig. Prioritär ist jedoch in der Entscheidung für solch einen Transformationsprozess die veränderte Bedarfsentwicklung über einen längeren Zeitraum und somit die Entwicklung bedarfsgerechter Konzepte. Dem sind wir mit dieser Neuausrichtung gefolgt“, so Dr. Jana-Cordelia Petzold. In den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die stationär behandelt werden mussten, fast um die Hälfte zurückgegangen.  Auch Corona und die damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten für die Krankenhäuser haben laut MGLG bei der Entscheidung zur Neuausrichtung der pädiatrischen Versorgung keine Rolle gespielt. Krankenhäuser mussten coronabedingt je nach Pandemielage die Regelversorgung herunterfahren, um Kapazitäten für die Notfallversorgung freizuhalten. Dafür erhalten sie Ausgleichszahlungen. Ob die Einnahmeausfälle damit komplett gedeckt sind, ist derzeit aber noch unklar. „Da die Auszahlungsvorgänge noch laufen, können wir über die Auskömmlichkeit der Zahlungen derzeit noch keine abschließend solide Einschätzung geben“, so die Pressesprecherin. Nichtsdestotrotz basiere die Entscheidung zur Umstrukturierung auf anderen Faktoren. „Wir wollen hier ganz bewusst eine neue, bedarfsnotwendige Veränderung für die Region Weißwasser schaffen. Diese neue Ausrichtung ist im Zusammenhang mit einer Vielzahl von Entscheidungsträgern getroffen worden und wird den Standort Weißwasser auch in Zukunft für die medizinische Versorgung der Bevölkerung sichern.“ Man stehe dazu in unmittelbarer Abstimmung und Begleitung mit den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und dem Landkreis Görlitz. 


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