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Synagoge hat wieder einen Davidstern

Görlitz. Der nächste Meilenstein für die Görlitzer Synagoge ist erreicht. Gestern wurde auf dem Gebäude wieder ein Davidstern errichtet.

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Der 600 Kilogramm schwere Stern wurde von der Stahlbaufirma Weiner aus Ludwigsdorf gefertigt und unter großem öffentlichen Interesse mit einem Kran auf die Kuppel des Hauses gehoben. Er ist 5,20 Meter hoch und 1,60 Meter breit. 14 Monate nach der feierlichen Eröffnung des Kulturforums Görlitzer Synagoge erfolgte damit ein weiterer Meilenstein für das Gebäude. Der Görlitzer Stadtrat hatte sich in seiner Sitzung am 24. September 2020 für die Wiedererrichtung des Davidsterns ausgesprochen und der entsprechenden Vorlage der Verwaltung einstimmig zugestimmt. Dank 25 Spenden ist eine Gesamtsumme von rund 81.000 Euro zusammengekommen.

 

Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Der Davidstern ist der Schlussstein der Sanierungsgeschichte des Kulturforums Görlitzer Synagoge, die ohne sehr großes bürgerschaftliches Engagement nicht möglich gewesen wäre. Er steht für Religionsfreiheit und Toleranz aus der Mitte der Gesellschaft heraus und für Respekt gegenüber den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern.“

 

Oberbürgermeister Octavian Ursu: „Für Görlitz ist dieser Bauabschnitt nicht nur aus historischer, erinnerungskultureller und denkmalpflegerischer Sicht von großer Bedeutung. Wir erleben heute einen historischen Moment und eine Herzensangelegenheit für unsere Stadt.“

 

Dr. Nora Goldenbogen, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden: „Der Stern war für die Nationalsozialisten das Symbol des Judentums und damit ein Fremdling. Deswegen wurde er auch am 10. November 1938 in Görlitz abgenommen und zerstört. Es ist ein sehr bewegender Moment für uns, dass der Stern heute wieder auf die Kuppel und damit ins Stadtbild kommt. Damit verbinden wir die Hoffnung, dass er nie wieder ein Fremdling wird.“

 

Hintergrund

 

In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde auch die 1911 eröffnete Görlitzer Synagoge angezündet, der Brand jedoch von Feuerwehrleuten gelöscht. Am nächsten Tag wurde der Davidstern von der Kuppel entfernt. Da durch den Brand nur die Innenausstattung zerstört wurde, ist das Görlitzer Gebäude der einzige original erhaltene und restaurierte Synagogenbau Sachsens. Nach Zugehörigkeit zur Jüdischen Gemeinde Dresden, erwarb 1963 die Stadt die Synagoge und nutzte sie als Lagerraum für Kulissen des Theaters. Der Verfall des Gebäudes schritt soweit voran, dass in den 1970er-Jahren ein Abriss erwogen und schließlich durch Intervention des Instituts für Denkmalpflege verhindert werden konnte. Durch bürgerschaftliches Engagement konnte mit Fördermitteln aus ganz verschiedenen Bereichen die Sanierung des Gebäudes für insgesamt 12,6 Millionen Euro möglich gemacht werden. Im 2021 eröffneten Kulturforum Görlitzer Synagoge steht jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine Wochentagssynagoge für die Praktizierung ihres Glaubens zur Verfügung.