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Lebenswerte Städte trotz leerer Kassen

Etwas mehr als eine Stunde ist man mit dem Auto zwischen Weißwasser und Bischofswerda unterwegs. Den einstündigen Weg von der polnischen Grenze ans andere Ende der Oberlausitz auf sich genommen hat jetzt der Oberbürgermeister von Weißwasser, Torsten Pötzsch.
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Zum Erfahrungsaustausch traf der Weißwasseraner OB Torsten Pötzsch seinen Amtskollegen Holm Große in dieser Woche in Bischofswerda. Foto: pm

Zum Erfahrungsaustausch traf der Weißwasseraner OB Torsten Pötzsch seinen Amtskollegen Holm Große in dieser Woche in Bischofswerda. Foto: pm

Empfangen wurde er dort von seinem Amtskollegen, Oberbürgermeister Holm Große. Beide
Städte verbindet nicht nur die frühere Prägung durch eine starke Glasindustrie oder der Verlust des Kreissitzes durch die Kreisgebietsreform von 1994, sondern auch eine besondere aktuelle Herausforderung: die Durchsetzung eines Haushaltssicherungskonzeptes. Während Weißwasser für dessen Entwicklung externe Gutachter beauftragt hat, steckt Bischofswerda bereits mitten in der Umsetzung des Konzeptes. „In Weißwasser schauen wir natürlich auch darauf, wie andere Kommunen der Regionen schwierige finanzielle Herausforderungen händeln. Bischofswerda zeigt, dass man trotz Sparmaßnahmen leistungsfähig bleiben möchte. Mein Treffen mit Holm Große hat das Ziel, einige der Erfahrungen der Bischofswerdaer mit nach Weißwasser zu nehmen“, begründet Torsten Pötzsch seinen Besuch am „Tor zur Oberlausitz“. Freundliche Worte, die Holm Große gern erwidert: „Weißwasser und Bischofswerda verbindet vieles – von der Glasindustriegeschichte sowie überregional wirkenden sportlichen Aushängeschildern wie den Eishockeyspielern der Lausitzer Füchse oder den Fußballern unseres Bischofswerdaer FV 08 bis hin zum vielfältigen Angebot freiwilliger städtischer Leistungen. Dies zeigt, dass Kleinstädte auch mit wenig Geld in kommunalen Kassen lebens- und liebenswert sein können oder sogar müssen“. Freibäder, Tierparks, Bibliotheken oder das Glasmuseum in Weißwasser bzw. die Carl-Lohse-Galerie in Bischofswerda – den Einwohnern der beiden Städte wird viel geboten. Die Frage am Ende des Tages lautet aber meist: Wer soll dies wie bezahlen? „In unserem zweistündigen Gespräch haben wir uns deshalb zum Beispiel über die unterschiedlichen Betreiberformen unserer Tierparks oder Freibäder ausgetauscht und dabei interessante Denk- und Bewirtschaftungsmodelle beim Gegenüber gefunden. Wichtig ist mir auch der Austausch mit gleichfalls ehemaligen Kreisstädten wie Weißwasser, die im Landesentwicklungsplan den Status als Mittelzentrum besitzen“, resümiert Holm Große. Zufrieden reiste auch Torsten Pötzsch nach Weißwasser zurück, verbunden mit der Einladung zu einem Gegenbesuch durch Holm Große. „Ich wünsche mir zukünftig einen weiteren interkommunalen Austausch. Vielleicht können sich zukünftig auch die Verwaltungsspitzen oder Stadträte zu aktuellen Herausforderungen austauschen“, so Torsten Pötzsch.