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Irische Barone in der Oberlausitz

Von dem, was um das Jahr 1700 im fernen Irland passierte, erfuhren die Bewohner des kleinen Oberlausitzer Dorfes Kosel damals wohl kaum etwas. Dass aber ausgerechnet sie ein paar Jahrzehnte später einmal die Geschichte der grünen Insel weit im Westen Europas berühren würden, war ganz und gar nicht abzusehen.
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Heute vor 275 Jahren hielt in Kosel aber ein Mann mit seiner Familie Einzug, dessen Reise knapp drei Jahrzehnte zuvor in Irland begann und schließlich in der kleinen Gemeinde endete. John James Byrne († 1763) war um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert gut siebzig Kilometer südwestlich von Dublin auf dem Landsitz Timogue als Sohn eines irischen Barons aufgewachsen. In seinem Land konfessionellen Repressalien ausgesetzt und vom väterlichen Erbe weitgehend ausgeschlossen, musste er als junger Mann seine Heimat Irland verlassen, um wie auch andere seiner Familienmitglieder sein Auskommen auf dem europäischen Festland zu finden. Dem Mut seiner Mutter und einem einflussreichen europäischen Adelsnetzwerk hatte er es zu verdanken, dass er schließlich in den Dienst eines der schillerndsten Fürsten seiner Zeit aufgenommen wurde: Er wurde Offizier in der Armee Augusts des Starken. John James Byrne nannte sich nun Johann Jacob Freiherr (von) O’Byrn, gründete eine Familie und traf nach vielen Dienstjahren schließlich Vorkehrungen für seinen Ruhestand durch den Kauf der beiden Rittergüter von Ober- und Nieder-Kosel. So wurde der katholische Ire der neue Erb-, Lehn- und Gerichtsherr der Bewohner des Oberlausitzer Heidedorfes. Johann Jacob O’Byrn war der Vater von zehn Kindern. Bis auf einen Sohn überlebten ihn alle und schlugen selbst verschiedene Lebenswege ein. Die Nachkommen setzten die Geschicke der Familie fort. Am Dresdener Hof stiegen sie die Karriereleiter hinauf, bis sie zum unmittelbaren Umfeld und Vertrautenkreis der Königsfamilie gehörten. Ranghohe Offiziere, Hofmeister, Privatgelehrte, Abenteurer und Prinzenerzieher haben die O‘Byrns schließlich hervorgebracht. Die beiden Dresdner Historiker Jan Bergmann und Sebastian Tzschoppe, die selbst in der nordöstlichen Oberlausitz aufgewachsen sind, erzählen in der Sonderausstellung „Von Timogue nach Kosel – Die irische Familie O’Byrn in Sachsen“im Johann-Raschke-Haus in Niesky die Geschichte dieses interessanten und einflussreichen Zweigs des alten irischen Byrne-Clans. Sorgfältig ausgewählte Exponate und Abbildungen illustrieren die fundierten Schilderungen zur Familiengeschichte und öffnen zugleich ein Fenster in die adligen und bäuerlichen Lebenswelten des 18. und 19. Jahrhunderts in der nördlichen Oberlausitz. Die Ausstellung »Von Timogue nach Kosel – Die irische Familie O’Byrn in Sachsen« wird am 27. Mai im Johann-Raschke-Haus des Museums Niesky eröffnet. Gezeigt wird die Ausstellung bis 11. September.