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„Die Zeichen stehen auf Sturm!“

Im Görlitzer Waggonbau sollen künftig nur noch Rohbauten in Aluminiumbauweise entstehen. Das erklärte Bombardiers Deutschland-Chef Michael Fohrer vergangene Woche in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die IG Metall Ostsachsen sieht den Waggonbau damit auf dem Weg aufs Abstellgleis.
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Bombardier in Bautzen soll zum „industriellen Leitstandort“ ausgebaut werden. Foto: Starke

Bombardier in Bautzen soll zum „industriellen Leitstandort“ ausgebaut werden. Foto: Starke

Mit Entsetzen hätten die IG Metall Ostsachsen sowie die Betriebsräte von Bombardier in Görlitz die Aussage von Michael Fohrer zur Kenntnis genommen, heißt es in einer Pressemitteilung der IG Metall. „Der Weg zur Spezialisierung auf Alu-Rohbauten ist nicht zukunftsfähig und führt direkt aufs Abstellgleis“, sagt dazu Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostachsen. „Die Betriebsräte haben gemeinsam mit uns Michael Fohrer unverzüglich nach Görlitz eingeladen, um auf einer Betriebsversammlung über konkretere Maßnahmen zu diskutieren, die für den Erhalt von Arbeitsplätzen sorgen. Wenn Herr Fohrer mit diesem Interview für Beruhigung sorgen wollte, muss man ihm ganz klar sagen: Das hat nicht funktioniert. Wir fordern Herrn Fohrer dringend zum Dialog auf. Er trägt die Mitverantwortung für alles, was nun geschieht. Wir sagen ganz klar: Folgen Sie unserem Angebot!“ „Die Leute sind auf dem Baum – die Zeichen stehen auf Sturm“, so René Straube, Betriebsratsvorsitzender bei Bombardier Görlitz. „Wenn es jetzt nicht schnell Abhilfe gibt, sehen wir uns nicht mehr an Verhandlungszusagen gebunden, unsere Belegschaft hat uns ein klares Mandat erteilt. Wir sehen die Notwendigkeit von Optimierung, aber uns unsere Kernkompetenz des Stahl-Rohbaus wegzunehmen, ist mehr als fatal. Klar ist: Bombardier bezieht dann keinerlei Stahl-Rohbauten mehr aus Deutschland.“ Bessere Aussichten gibt es für das Bombardier-Werk in Bautzen. Das soll zum industriellen Leitstandort ausgebaut, dazu 20 Millionen Euro investiert werden. „Ich freue mich für den Standort Bautzen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das steht außer Frage“, so Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens. Mit Blick auf die Bombardierpläne für Görlitzer fügt er allerdings kritisch an: „Was den dortigen Standort schwächt, kann auch negative Auswirkungen auf Bautzen haben. Wir sehen uns als eine Region, die bei Investoren national wie international wirtschaftlich immer stärker in den Fokus rückt.“ Bombardier erarbeitet derzeit ein Zukunftskonzepts, das im Juli der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Die IG Metall hat angekündigt, am eingeschlagenen Kurs festzuhalten und für den Waggonbau in Görlitz zu kämpfen. Für den 4. März ruft die Gewerkschaft zu einer Demonstration für den Erhalt des Waggonbaus in Görlitz auf.


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