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Der Tourismus leidet

Landkreis Görlitz. Der Landestourismusverband hat seine Bilanz für 2021 vorgelegt und berichtet coronabedingt wenig überraschend von "massiven Einbußen" in Sachsen. Auch im Landkreis Görlitz litt die Tourismusbranche.
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Dass das Jahr 2021 für den Tourismus keine berauschenden Zahlen bringen würde, war klar. "Hohe Nachfrage im Sommer, massive Einbußen während der Schließzeiten" fassen es der Landestourismusverband Sachsen und die Tourismus Marketing Gesellschaft in einer Mitteilung zusammen. Laut Zahlen des Statistischen Landesamtes kamen im vergangenen Jahr nur halb so viele Gäste nach Sachsen wie 2019 (4,2 Millionen Ankünfte). Die Übernachtungszahlen sanken von 20,7 Millionen 2019 auf 12,3 Millionen 2021, ein Rückgang von über 40 Prozent. Für den Landkreis Görlitz sehen die Zahlen ähnlich aus. Wieder verglichen mit 2019 ging die Zahl der Ankünfte um 40,6 Prozent zurück, die Zahl der Übernachtungen um 32,5 Prozent.
 
Auch wenn man 2020 und 2021 vergleicht, zieht das vergangene Jahr den Kürzeren. Sachsenweit zählte das Statistische Landesamtes neun Prozent weniger Übernachtungen und 12,5 Prozent weniger Gästeankünfte. Für den Landkreis weist die Statistik ein Minus von 14,7 Prozent bei den Ankünften und 12,5 Prozent bei den Übernachtungen aus. Grund ist der lange Zeitraum, in dem touristische Übernachtungen in Sachsen nicht möglich waren. Dieser lag 2021 bei 29 Wochen - und war damit etwa doppelt so lang wie im ersten Pandemiejahr.
 
Doch es gibt auch einen Lichtblick: Denn wenn geöffnet war, war die Nachfrage hoch. Das Niveau der Übernachtungszahlen habe zwischen August und Oktober auf dem vom gleichen Zeitraum 2019 gelegen, stellenweise sei es sogar höher gewesen. "Mit 2,24 Millionen Übernachtungen im August 2021 wurde in Sachsen ein neuer Rekordwert erreicht", heißt es in der Mitteilung.
 

Forderung nach Hilfe von Bund und Land

 
"Insgesamt rund 7 Mrd. Euro Umsatzverlust - das ist die bittere Bilanz für den Tourismus in Sachsen nach zwei Jahren Pandemie. Damit ist die Branche einer der hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche und wird langfristig mit den Auswirkungen zu kämpfen haben", sagt Rolf Keil, Vizepräsident des Landestourismusverbandes. Die Eigenkapitaldecke vieler Tourismusbetriebe schrumpfe und auch die Abwanderung von Arbeits- und Fachkräften halte an. Sein Dank gelte den über 190.000 Gastgeberinnen und Gastgebern im Freistaat, die nicht aufgeben. Damit das so bleibt, fordert Rolf Keil Hilfe von Bund und Freistaat: "Angesichts der Bedeutung des Tourismus als wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor für Sachsen braucht die Branche mittel- bis langfristige Unterstützung von Bund und Land. Im Fokus muss der Erhalt und die Stärkung der Leistungsfähigkeit bei Unternehmen, Tourismusorten und Tourismusorganisationen stehen." Für 2022 sei jetzt entscheidend, dass eine verlässliche Perspektive und Planbarkeit geschaffen werden. "Die vorgeschlagenen Öffnungsschritte gehen in die richtige Richtung, doch zählt für die Branche jeder Tag", so Keil.
 
Wenn man sich einzelne Gemeinden anschaut, sind die Zahlen (erwartungsgemäß) ähnlich denen für ganz Sachsen. In Boxberg sank die Zahl der Gästeankünfte um knapp 35 Prozent im Vergleich zu 2019. Das dadurch Betrieb die Segel gestrichen haben, ist bisher aber nicht der Fall. "Ein Rückgang der Zahl der Tourismusbetriebe ist glücklicherweise nicht zu verzeichnen, jedoch wird der Fachkräftemangel immer offensichtlicher", teilt Roman Krautz, Amtsleiter "Bärwalder See" und Stabsstelle Wirtschaftsförderung, mit.
 
Ähnliches Bild in Löbau. Der Rückgang der Ankünfte liegt hier bei über 36 Prozent. Zwei Vermieter von Ferienwohnungen haben zum Jahreswechsel den Betrieb eingestellt. Das sei aber aus Altersgründen geschehen. "Es wurden keine Betriebe aufgrund der Pandemie geschlossen", teilt die Stadtverwaltung mit.
 
Auch in Görlitz hat sich die lange Schließzeit 2021 massiv ausgewirkt, der Rückgang der Gästeankünfte beträgt 45,6 Prozent (verglichen mit 2019). "In dieser Zeit haben wir unterschiedliche Maßnahmen durchgeführt, um die Bekanntheit und das Interesse von Görlitz als Reiseziel trotzdem weiter hoch zu halten", sagt Eva Wittig, Geschäftsführerin der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ). Nach einer kurzen touristischen Anlaufphase habe man dann in den Monaten August und Oktober neue Höchstwerte bei den Übernachtungen registriert. Die Zahl der Beherbergungsstätten weist das Statistische Landesamt für Dezember 2021 mit 45 aus, Ende 2019 waren es 47 (erfasst sind dabei nur Betriebe mit mind. 10 Betten). "Wir können daraus nicht schlussfolgern, um welche Häuser es sich handelt oder was genau die Hintergründe für den minimalen Rückgang sind", teilt Anja Schließ von der EGZ mit. Die Schließungen könnten beispielsweise auch altersbedingt sein. "Gleichzeitig eröffnen aber auch Betriebe neu wie beispielsweise das Flyns, das Nancy Scholze übernommen hat", so Schließ. Die Zahl der Betriebe und der angebotenen Gästebetten bewege sich auf stabilem Niveau. "Mögliche Folgen der Corona-Pandemie lassen sich unserer Auffassung nach zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen." 
 

Neue Website der TMGS

 
Die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) plant 2022 großangelegte Marketing-Kampagnen, um für das Reiseland Sachsen zu werben und so zur Stabilisierung der Branche beizutragen. Der Fokus liegt auf dem deutschen Markt und den Nachbarländern. Dort sei die schnellste Erholung der Nachfrage zu erwarten. TMGS-Geschäftsführerin Veronika Hiebl: "Wir haben während der gesamten Pandemiezeit nicht einen Tag nachgelassen, um in den Köpfen und Herzen der potenziellen Gäste zu bleiben." Neues Herzstück ist die im Januar gestartete Internetseite www.sachsen-tourismus.de, die von Deutsch über Polnisch bis Russisch und Chinesisch in vielen Sprachen zur Verfügung steht.