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Alpha-Projekt braucht Unterstützung

Mit dem Alpha-Projekt hilft die Volkshochschule seit 2011 Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Jetzt braucht das Projekt selbst Hilfe.
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Das Alpha-Projekt wurde 2011 ins Leben gerufen.Foto: Vhs Görlitz

Das Alpha-Projekt wurde 2011 ins Leben gerufen.Foto: Vhs Görlitz

Es gibt Erwachsene, die nicht richtig lesen oder schreiben können. Das bringt im Alltag viele Unsicherheiten und Ängste mit sich, beeinflusst das Berufs- und Privatleben, den Umgang mit Familie, Freunden und auch Fremden. Die Volkshochschule Görlitz lässt diese Menschen nicht allein. An der Vhs wurde 2011 das Alpha-Projekt ins Leben gerufen. Der Kurs hilft bei eingeschränkten Lese- und Schreibfertigkeiten. Im vergangenen Jahr konnte im Rahmen Projektes 50 Teilnehmern geholfen werden. In den Kursen lernen sowohl Deutsche als auch Zuwanderer. Die nötigen Mittel erhielt die Vhs bisher über eine Förderung für innovative Projekte im Rahmen der Weiterbildungsförderungsverordnung. Die muss jährlich neu beantragt werden, was bisher immer klappte. Dieses Jahr kam allerdings die Überraschung: Der Antrag wurde abgelehnt, der Volkshochschule fehlten plötzlich rund 17000 Euro für das Projekt. Um es nicht unterbrechen oder sogar einstellen zu müssen, führt es die Vhs seither aus eigenen Mitteln fort. „Bei solch einem Angebot ist Kontinuität enorm wichtig“, so Fachbereichsleiterin Marion Seifert. „Man kann es nicht einfach für ein, zwei Semester aussetzen. Darum hoffen wir für das zweite Halbjahr auf die finanzielle Unterstützung der Görlitzer. Spenden werden ausschließlich für die Honorare der Lehrkräfte verwendet.“ Der Bedarf ist nach wie vor groß. Rund 7,5 Millionen Menschen gelten in Deutschland als funktionale Analphabeten (Quelle: statista). In Görlitz dürften mehrere Tausend Menschen betroffen sein. Sie kommen im Alltag zurecht, haben Strategien, um Probleme zu umgehen. Erst wenn sich ein Leidensdruck aufbaut, suchen sich Betroffene Hilfe. „Die Leute kommen beispielsweise zu uns, wenn sie einen neuen Partner haben, der wesentlich besser lesen und schreiben kann, oder wenn die Kinder eingeschult werden und plötzlich Hilfe brauchen“, erzählt Marion Seifert. Auch der neue Job, für den man beispielsweise einen Führerschein braucht (und dazu in der Theorieprüfung die Fragen lesen können muss) oder bei dem man Dokumentationen schreiben muss, ist ein häufiger Grund. Natürlich gibt es dabei Berührungsängste. Es kommt oft vor, dass sich Menschen melden, dann aber beim ersten Kurstermin nicht mehr auftauchen. „Deswegen sind Vertrauen und kontinuierliche Arbeit hier so wichtig“, so Marion Seifert. Denn es dauere bei den Teilnehmern auch eine Weile, bis sich erfolge Einstellen. Für das kommende Jahr will die Vhs wieder Förderung beantragen. Klappt es wieder nicht, müssen neue Wege gefunden werden. Bis dahin kann jeder, der helfen will, spenden: Spendenkonto: DE79 8505 0100 0015 0021 60, Verwendungszweck Alpha Neben dem Alpha-Projekt bietet die vhs Görlitz auch im Herbstsemester wieder Kurse in 16 verschiedenen Sprachen an. Hinzu kommen etliche Angebote, die unterschiedliche Kulturen auch außerhalb der Kursräume erlebbar machen und teilweise sogar kostenfrei sind. So werden regelmäßig Sprachen-Stammtische und Tandem-Treffen durchgeführt. Der inzwischen zur Tradition gewordene Deutsch-polnische Filmabend findet dieses Mal am 25. Oktober im Camillo statt.  Alle Sprachkurse der Volkshochschule finden Sie im Programmheft oder unter www.vhs-goerlitz.de