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Zimmis Einwurf – Wie in Trance

War bis jetzt alles noch einigermaßen normal bei Dynamo Dresden, der Sonntag gegen Aalen war es dann schon nicht mehr.
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Trainer Uwe Neuhaus bezeichnete die Leistung seiner Truppe als überragend. Der Gästetrainer Peter Vollmann war froh, nur vier Stück mit seiner Elf gefangen zu haben. Und die hatte in den zehn Spielen vor Dresden nur fünf Gegentore einstecken müssen. Wie in Trance traten die Schwarz-Gelben auf. Halt, genau diese Formulierung ist falsch. Denn im Rausch spielen sie nicht. Es ist alles genau kalkuliert, was da abgeht. Gefühlte 90 Prozent Ballbesitz zermürben den Gegner, Tore müssen ganz einfach fallen. Das Publikum raste vor Glückseligkeit. Die Akteure waren berechtigt stolz auf ihre Überlegenheit. Wie aber nun weiter? Den Aufstieg dürfen sie an der Lennéstraße erst im Mai feiern. Bis dahin aber möchten sie die Kontrahenten ganz systematisch besiegen. Kapitän Michael Hefele hält prinzipiell vor jedem Rausgehen eine Brandrede. Für ihn steht fest, dass er vom Anpfiff weg den Platz umpflügen will. Seine Mannen sollen dafür sorgen, dass jedes Team die Hosen voll hat. Maximal ein Ansichtsselfie aus dem Stadion sollen die Kontrahenten in Hälfte Zwei noch machen dürfen. Und dann gefälligst abreisen. Was sind das denn für Worte? Es klingt so, als würden die Dresdner ohne Niederlage durch die Saison ziehen. Und wenn es mal anders käme, wäre es auch zu verkraften. Denn hier wächst gerade etwas zusammen, was die Romantiker als verschworene Einheit beschreiben. Etwas, was es im modernen Fußball schon lange nicht mehr zu geben scheint. Schon in der Pressekonferenz vor dem Aalen-Spiel saß auf einmal die halbe Mannschaft im Raum. Justin Eilers stellte seinem Trainer die Frage, wie er denn die ersten hundert Tage seiner Regentschaft sehe. Unüberlegt, so stellte Neuhaus fest, forderte der 1.000 Tage bis zu einem Statement. Das wäre erst nach der Erfüllung seines Vertrages. Nein, jetzt schon nach einer Verlängerung seines Engagements rufen, das war dem Trainer schon wieder peinlich. Unterdessen steigt die Euphorie mit jedem Spiel. Ähnlichkeiten mit dem Überraschungsteam in der ersten Bundesliga, sind rein zufällig. Darmstadt 98 lässt grüßen. Dieser hessische Kultklub mischte die ganze Konkurrenz auf und lacht sich Woche für Woche ins Fäustchen. Bitte nicht näher darauf eingehen. Nur mal vergleichen. Ihr Gert Zimmermann