as

Treffen sich ein Behinderter, ein Flüchtling und ein...

Viel zu selten gibt es Projekte, wo man am Anfang nicht weiß, was am Ende herauskommt. Genau darin liegt der Reiz des neuen Radebeuler Treffpunktes „einStein“ – ein Experiment, das Prognosen unmöglich macht, weil es schlichtweg noch niemand ausprobiert hat.
Bilder

Kommt einer, sind viele dabei oder interessiert es niemanden – in dieser ungewissen Gemengelage befindet sich Radebeuls Behindertenbeauftragter Frank Sperling kurz vor der ersten „einStein“-Veranstaltung am 25. November im Kultur Bahnhof. „EinStein“ will regelmäßig Anlässe schaffen (jeden 4. Mittwoch im Monat), um Menschen, die zwar in ein und demselben Ort leben, sich ansonsten aber links liegen lassen und kaum etwas voneinander wissen, zusammen zu bringen – ganz ohne Krampf bei Musik, im Knigge-Kurs oder in der Küche. Sperling denkt u.a. dabei an jene, die wir er ein Handicap haben. Er selbst ist recht spät im Rollstuhl gelandet und hat dafür aber schnell erfahren (müssen), was Barrierefreiheit eigentlich bedeutet. „Wissen Sie, wie ein Blinder seinen Alltag meistert“, fragt er. Seine Einladung richtet sich aber auch an die Vietnamesen und Kubaner, die vor der Wende kamen, an die alteingesessenen Radebeuler, die Einsamen und Alten, die Hinzugezogenen und Geflüchteten, die einsilbigen und mehrsprachigen Nachbarn – im Prinzip an alle, die es schaffen, sich auf etwas Neues einzulassen. Sechs Veranstaltungen bieten den Rahmen dafür – angefangen beim Crashkurs in Ritualen, Bräuchen und Märchen aus unserer und der anderen Welt (11. Dezember, Friedenskirche, 16 bis 19 Uhr) bis hin zum Verscherbeln unnützer Weihnachtsgeschenke (27. Januar 2016, Kultur Bahnhof). Spätestens bei „Begegnungen und ihre Katastrophen“ (Untertitel: Wenn und wie Blinden, Rollstuhlfahrern, Tauben und der deutschen Sprache nicht mächtigen Bürgern im Alltag geholfen wird) am 23. März dürfte klar sein, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt. Der sanfte Einstieg erfolgt bei „Musik und Tanz aus aller Welt“ am 25. November, 15 bis 21 Uhr, im Kultur Bahnhof. Eine Kinderbetreuung wird bei jeder Veranstaltung organisiert. Der Eintritt ist frei!
Explizit eingeladen sind auch Flüchtlinge, die in der Stadt leben. „Es war der Wunsch vieler Radebeuler, sie einmal ganz ungezwungen persönlich kennen zu lernen. Vielen ist die Schwelle, beispielsweise das Heim zu besuchen, einfach zu hoch“, sagte Flüchtlingskoordinatorin Noemi Driemel.                                 Bei der Vorstellung des Treffs dabei gewesen v.l.: Akkordeon-Spieler René Plath, Flüchtlingskoordinatorin Noemi Driemel und Behindertenbeauftragter Frank Sperling. Foto: Schramm


Meistgelesen