Carola Pönisch

Palastbienen und Bienenbibliothek

2014 waren sie die letzten Bewohner des alten "Kulti", jetzt sind die zwei Bienenvölker des Imkervereins Dresden zurück auf dem Balkon des Hauses. In der Zentralbibliothek, die ebenfalls jetzt hier untergebracht ist, wird es sogar eine Bienenbibliothek geben.
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Dass Bienen im Umkreis von bis zu zwei Kilometern unterwegs sind auf der Suche nach Pollen, gehört zum allgemeinen Imkerwissen. Dass die fleißigen Honigproduzenten des Kulturpalastes auch tatsächlich so weit fliegen, hat die Analyse des jüngsten Honigs bestätigt. Rund ein Drittel Raps fand sich daran, "was darauf schließen lässt, dass Maja und ihre Mitbewohner bis in die Südvorstadt ausgeschwärmt sind", sagt Susanne Handrich vom Imkerverein Dresden. 2014 hatte der Verein erstmals zwei Bienenvölker auf einen der Baucontainer des damals schon im Umbau befindlichen Kulturpalastes aufgestellt. Das war zugleich der Startschuss in Richtung "Bienenstadt Dresden". Bereits damals entstand auch die Idee, eine Bienenbibliothek einzurichten - was sich anbietet, da ja die Städtischen Bibliotheken mit ihrer Zentralbibliothek jetzt nach dem Umbau zu den neuen Mietern des neuen Kulturpalastes gehört. "Inzwischen gibt es eine Fachabteilung mit spezieller Fachliteratur bei uns", sagt Bibliotheks-Sprecherin Elke Ziegler. "Sie umfasst rund 70 Bücher für Erwachsene und 30 für Kinder." Passenderweise stehen die beiden Bienenbeuten seit heute auf dem Balkon des Kulturpalastes direkt vor dem Kinderlesebereich.  Bienen in der Stadt Bienenvölker so zentral anzusiedeln wie hier am zentralsten Platz in Dresden ist für die jungen Stadtimker auch ein gewisses Statement. Denn die Lage von Honig- wie Wildbienen, Hummeln und anderen Wildinsekten darf bereits als dramatisch angesehen werden. Weil ihnen im ländlichen Raum durch landwirtschaftliche Monokultur immer mehr Lebensraum genommen wird, ist ihre Ansiedlung mitten in der Stadt quasi ein Überlebensangebot. Immerhin gelten bereits zwei Drittel aller in Sachsen beheimateten Wildbienen als ausgestorben oder in ihrem Bestand massiv gefährdet. Der 1958 gegründete Imkerverein Dresden versteht sich daher nicht nur als Zusammenschluss von Bienenhaltern und -Züchtern, sondern auch als Naturschutzverein. Seit Jahren gibt es deshalb auch eine Wildbienenbeauftragte, die sich besonders um den Schutz dieser Tiere kümmert. Faulbrut Ein weiteres Problem bildet - neben der Varroamilbe - die Amerikanische Faulbrut bei den Bienenvölkern. Die auch als Bienenpest bezeichnete bösartige Seuche bringt bereits die in den Waben befindlichen Streckmaden zu Strecke. Allein in Dresden gibt es aktuell neun Sperrbezirke. "Die Amerikanische Faulbrut ist in ihrer Schwere durchaus mit der Schweinepest oder der Geflügelgrippe vergleichbar", weiß Susanne Handrick. "Kulti-Bienen" Die "Kulti-Bienen", die seit heute nun an ihren endgültigen Standort auf dem Balkon des Kulturpalastes zurückgekehrt sind, dürfen sich nun voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. In diesem Jahr rechnen die sie betreuenden Imker mit einem Ertrag von rund 30 Kilo Honig, 2014 waren es 50 Kilo. In Dresden gibt es aktuell 1.383 Bienenvölker und 430 Imker. Den als "Stadthonig" vermarkteten Honig gibt es unter anderem in der Touristinformation im Quartier Frauenkirche (QF) auf dem Neumarkt zu kaufen.