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Neue Messlatte fürs Bauen in Dresden

Dresden. Beim Thema Bauen hatte bisher jeder eine andere Meinung. Die Stadt Dresden stellt nun neue Gestaltungsleitlinien für alle Bauherren vor.

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Bau-Bürgermeister Stephan Kühn stellt die Broschüre »Bauen in Dresden« vor.

Bau-Bürgermeister Stephan Kühn stellt die Broschüre »Bauen in Dresden« vor.

Foto: Branczeisz

Um nichts streiten die Dresdner lieber als um Bausünden in ihrer Stadt. Ob Postplatz oder gerade entstehendes Verwaltungsforum – die Meinungen gehen da weit auseinander. Nur in einem scheinen sich die Dresdner einig zu sein, die Erwartungen sind hoch. Das veranlasste letztlich den Stadtrat 2019 zu beschließen, das Rathaus möge doch bitte Standards im Bauen sicherstellen, gerade angesichts der vielen neu entstehenden Wohn- und Geschäftshäuser. »Die hohe Baukultur ist Teil der DNA dieser Stadt«, bestätigt Beigeordneter Stephan Kühn. »Und das soll auch so bleiben.«

 

Deshalb hat die Stadt jetzt neue Gestaltungsleitlinien zum Bauen in Dresden herausgegeben. Es geht »nicht nur um schöne Fassaden«, so Kühn, sondern Prinzipien des Gestaltens öffentlicher und privater Räume. Auf knapp hundert Seiten stellt die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Atelier Architektur von Dr. Tom Schoper und Dr. Henrike Schoper Grundsätze vor, wie Bauherren vorhandene Stadtstruktur aufnehmen und weiterentwickeln können. Der Beigeordnete versteht die neuen Leitlinien »nicht als Katalog, sondern mehr als ein Rezeptbuch mit Serviervorschlägen«. Die können zwar wie in jeder guten Küche variieren, aber es geht immer um einen anspruchsvollen, nachhaltigen Gesamtentwurf. Gebäude sollen energetisch sinnvoller, funktional wandelbarer und menschlich lebenswerter sein. Sprich, eben keine schier endlosen, monotonen Fassaden, sondern durchdachte Stadtquartiere, die je nach Lage zum Beispiel im Villenviertel oder im Blockkarree zwangsläufig ganz unterschiedlich und besonders ausfallen müssen.

 

Was die Leitlinien wirklich bewirken, wird man sehen. Denn klar in der Umsetzung sind sie nicht: Sie sind kein Regelwerk, aber für jeden Bauherren verbindlich. Sie sind ein Dialogangebot – und doch gehört zum Bauantrag künftig ein Gestaltungshandbuch, das den Anspruch des eigenen Entwurfs belegen soll. Wie heikel das Ganze ist, war den Verfassern offenbar von Anfang an klar – auf den reich mit Gebäuden bebilderten Seiten findet sich nicht ein einziges Beispiel aus Dresden. »Ganz bewusst«, wie Beigeordneter Kühn gern zugibt.

 

Der Stadtrat wird sich als erstes mit den neuen Leitlinien befassen, denn der muss die Maßstäbe Dresdner Bauens noch bestätigen.