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Fahrradclub fordert städtisches Radfahrbüro

Fahrradfahrer leben gefährlich - Expertenrunde im Rathaus soll die Sicherheit erhöhen
Nils Larsen vom Allgemeinen Fahrradclub wünscht sich eine bessere Bearbeitung von Radthemen in der Stadt. Foto: Pohl

Nils Larsen vom Allgemeinen Fahrradclub wünscht sich eine bessere Bearbeitung von Radthemen in der Stadt. Foto: Pohl

Ist die Landeshauptstadt eine fahrradfreundliche Stadt? In dieser Frage ist ein Streit entbrannt. Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich der Radverkehr in der Stadt um das Dreifache gesteigert. Im vergangenen Jahr war etwa jeder fünfte Dresdner mit dem Drahtesel unterwegs. Die Interessen der Radler vertritt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). In den letzten Jahren haben die Mitglieder immer wieder die Stadtverwaltung kritisiert, die zu wenig in die Infrastruktur investiert, um dem steigenden Radverkehr gerecht zu werden. Zwar arbeitet mit Nora Ludwig eine Fahrradbeauftragte in der Stadtverwaltung, doch deren Wirkungskraft zweifelt der ADFC an. „Es gibt aber keine Person in der Verwaltung, die sich ausschließlich mit dem Radverkehr beschäftigt“, mahnt Vorstandsmitglied Nils Larsen an. So werden für den Radverkehr relevante Themen in verschiedenen Ämtern bearbeitet. „Das ist nicht effizient“, sagt Larsen. „Maßnahmen werden nicht koordiniert, es gibt keine Prioritätensetzung und niemand kümmert sich um Fördermöglichkeiten.“ Der Stadt entgeht dadurch jährlich viel Geld. Und nicht nur das. „Seit letztem Jahr wissen wir, dass Haushaltsmittel für Radverkehrsinvestitionen seit Jahren nur zu einem Bruchteil ausgegeben werden“ schimpft Larsen. Im Vergleich zu anderen Städten hängt Dresden mit seinen Infrastrukturen für Radfahrer jedoch hinterher. Deshalb fordert der ADFC mehr Personal, das sich um die Belange der nicht motorisierten Zweirad-Freunde kümmert. Bis zu fünf Vollzeitstellen sollen es sein. Larsen sieht besonders in Sicherheitsfragen erheblichen Verbesserungsbedarf. „Angesichts des sechsten tödlichen Unfalls innerhalb des letzten Dreivierteljahres besteht dringender Handlungsbedarf.“ Hoffnungen setzen die Radlobbyisten auf Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain. Laut Larsen erklärte er sich kurzfristig für Gespräche bereit und hörte aufmerksam zu, ohne unüberlegte Versprechen abzugeben. Beim Ziehen eines Fazits ist spürbar, wie festgefahren zum Teil in der Debatte die Argumente ausgetauscht werden. Für den Radler ist der Autofahrer uneinsichtig, anders herum ist das gemalte Bild das eines Straßenrambos. Daraus lässt sich schließen, dass die Verkehrssicherheit nicht nur allein von Infrastrukturen lebt, sondern vor allem vom gegenseitigen Verständnis und einer Rücksichtnahme auf der Straße.


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