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»Wir liegen sehr gut im Plan«

Um die Zukunft des Ostsees ging es bei einer Sondersitzung des Ausschusses für Bau und Verkehr am 22. September. Dabei kamen auch Vertreter der BTU und der LEAG zu Wort.
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Im Stadthaus traf sich der Ausschuss für Bau und Verkehr zur dritten Sondersitzung über den Cottbuser Ostsee. Foto: Jasper Backer

Im Stadthaus traf sich der Ausschuss für Bau und Verkehr zur dritten Sondersitzung über den Cottbuser Ostsee. Foto: Jasper Backer

Seit März 2020 ist kein Spreewasser mehr in den Ostsee geflossen. Heißt das, dass sich die Flutung unendlich hinziehen wird? Droht das Großprojekt Ostsee gar zu scheitern? Franziska Uhlig-May, Leiterin des Bereichs Geotechnik bei der LEAG, gab Entwarnung. Sie berichtete, dass der Flutungsstand des Ostsees durchaus den Prognosen entspricht. »Wir liegen sehr gut im Plan und gehen davon aus, dass wir unsere Zielstellung mit den Jahren 2024 bis 2025 erreichen.« Das ist erfreulich, nur: Woher kommt das Wasser? Nun, Frau Uhlig-May erläuterte, dass täglich bis zu 28 Tausend Kubikmeter Filterbrunnenwasser in den See eingeleitet werden, streng genommen also Grundwasser. Was das für die hiesige Wassersituation bedeutet, wird sich zeigen. Doch das Projekt Ostsee birgt auch Chancen für die Umwelt. Oberbürgermeister Holger Kelch skizzierte 2018 seine Vision für das Hafenquartier: »Wir wollen Vorreiter sein in der Energieregion und für eine CO2-neutrale Region. [...] Ich werbe dafür, dort eine kleine Öko-City der Zukunft zu etablieren und ein Quartier entstehen zu lassen, das in seiner Bilanz mehr Schadstoffe schluckt als produziert.« Nun ist es kein Kinderspiel, einen völlig CO2-neutralen Stadtteil zu planen. Doch ein Stadtentwicklerteam rund um Prof. Dr.-Ing. Matthias Koziol (BTU) hat die Herausforderung angenommen und zeigt: Es ist machbar, zumindest theoretisch. Klar: Wenn man ein Hafenquartier von Grund auf neu errichtet, sind manche CO2-Emissionen unvermeidbar. Schließlich gilt es, Häuser zu bauen und Straßen, Wege und eine Marina anzulegen. Doch mit den richtigen Baumaterialien und -verfahren lassen sich diese Emissionen geringhalten – und an anderer Stelle kann man dann für einen Ausgleich sorgen. Wie das? Beispielsweise kann die Stadt einen Kiefernwald anpflanzen, um Klimagase aus der Atmosphäre zu binden. Und das Quartier kann reichlich grüne Energie generieren, die mehr als den eigenen Bedarf deckt. Die zusätzliche Energie lässt sich dann in andere Stadteile »exportieren«, sodass auch diese weniger CO2 ausstoßen. Die Häuser im Hafenquartier sollen deshalb mit Solarelementen auf den Dächern und an den Fassaden ausgerüstet werden. Weitere Energie könnte beispielsweise aus einer schwimmenden Photovoltaik-Anlage stammen. Wenn man eine solche Anlage auf rund 0,5 Prozent des Ostsees installierte, könnte diese den kompletten Strom-, Wärme- und Kühlungsbedarf des neuen Stadtteils decken. Zudem setzen die Planer von der BTU darauf, grüne Fortbewegungsmittel im Hafenquartier zu begünstigen. Sie entwerfen attraktive Fahrradwege und -brücken, planen eine großzügige Ladeinfrastruktur für E-Mobile. Und sie diskutieren, wie der neue Stadtteil am besten an den ÖPNV anzuschließen sei. Langfristig könnte sogar eine Tram bis zum Hauptstrand führen. Selbst eine Seilbahn wäre denkbar. Mit dem vorgestellten Maßnahmenpaket ist ein CO2-neutraler Aufbau und Betrieb des Hafenquartiers machbar. Doch Jörg Walter (BTU) schränkt ein: »Ich sag es ganz klar: Heute ist alles, was ich vorgestellt habe, nicht im Ansatz wirtschaftlich.« Welches wirtschaftliche Potenzial hat der künftige Ostsee überhaupt, wie kann man dieses entwickeln und welche Zielgruppen gilt es, anzusprechen? Das erörterte Ostseemanager Stefan Korb. Er setzt darauf, dass sich in Zukunft gut situierte, zukunftsorientierte Menschen am Ostsee ansiedeln und rechnet dabei vor allem mit Neubürgern aus Ballungszentren wie Berlin. Zusätzlich soll der Ostsee Cottbuser anziehen, die bereit sind, viel Geld in ihre Freizeitaktivitäten (z. B. Wassersport) zu investieren.


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