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Einkaufszentrum an der Neustädter Straße droht zu scheitern

Die Pläne eines Investors aus Thüringen am ehemaligen Fortbildungswerk an der Neustädter Straße ein Nahversorgungszentrum mit vielen Geschäften zu bauen, droht zu scheitern. Seit Monaten steht die Baustelle still. Die Stadtverwaltung fühlt sich vom Investor erpresst – der wiederum weißt jede Schuld von sich.
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So soll nach den Plänen des Investors der Standort an der Neustädter Straße aussehen. Foto: City- und Centermanagement Weimar GmbH

So soll nach den Plänen des Investors der Standort an der Neustädter Straße aussehen. Foto: City- und Centermanagement Weimar GmbH

Eigentlich waren die Pläne klar. Am Standort des ehemaligen Fortbildungswerkes sollten die alten Gebäude weichen, um Platz zu schaffen für ein Nahversorgungszentrum mit Supermarkt, Drogerie und weiteren Geschäften. Die Planungen reichen mehrere Jahre zurück. Die Situation hat sich seitdem komplett verändert.  Pläne für Netto-Markt standen Währenddessen wurden große Teile der Gebäude schon abgerissen, der Platz begradigt und das Bildungswerk, welches sich auf dem Gelände befindet, erhalten.  Im Jahre 2018 wurde die Baugenehmigung durch die Untere Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes Bautzen erteilt. Auf dem Gelände sollte der Netto-Markt mit einem Ersatzneubau einziehen, der sich aktuell noch auf der Belmsdorfer Straße befindet. Umdenken bei der Stadtverwaltung Allerding beschloss der Stadtrat zwei Jahre zuvor ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Auch das Landratsamt Bautzen und die Landesdirektion Sachsen haben darauf hingewiesen, dass ein großflächiges Einkaufszentrum alle Pläne zur Stärkung des Innenstadthandels gemäß dem beschlossenen Konzept konterkarieren würde. „Die Bürger und der Stadtrat haben sich mit großer Mehrheit (…) für die Stärkung des Innenstadthandels ausgesprochen“, erklärt Oberbürgermeister Holm Große. Der Standort an der Neustädter Straße gehöre laut Konzept nicht zur Innenstadt. Darüber hinaus beschloss der Stadtrat im Frühjahr 2019 eine Veränderungssperre. Diese gelte für große Teile des Stadtgebietes für zwei Jahre, und der Option sie von der Stadt um ein weiteres Jahr zu verlängern. Mit Ausnahme von Netto am Drebnitzer Weg, wofür bereits Baurecht besteht, dürfen im Geltungsbereich des Bebauungsplanes „Einzelhandel“ weder neue Märkte errichtet, noch bestehende umgebaut und erweitert werden, heißt es aus der Verwaltung. Stadt fühlt sich vom Investor erpresst Höhepunkt der ganzen Geschichte war, die angekündigten Abrissarbeiten vom 30. November bis 4. Dezember weiter fortzusetzen, um sie dann kurzfristig vom Eigentümer abzusagen. Die Stadtverwaltung teilt in ihrer Pressemitteilung zudem mit, dass der Projektleiter Andreas Barth unverhohlen damit gedroht habe, das gesamte Projekt sterben zu lassen und damit die Mietobjekte der Berufsschulen zu schließen. „Wir finden es sehr schade, dass Herr Barth die Berufsschulen als Druckmittel für die Durchsetzung seiner Pläne verwendet“, findet Oberbürgermeister Holm Große. Investor äußert sich Die City- und Centermanagement Weimar GmbH ist Eigentümerin des Areals. Der Projektleiter des Bauvorhabens Andreas Barth ist von der Stadtverwaltung enttäuscht. Laut Aussagen von Herr Barth sollten ihm für die Entstehung des Nahversorgungszentrums keine Steine von der Verwaltung in den Weg gelegt werden. Die plötzliche Kehrtwende und Argumentation, lieber die Innenstadt zu beleben, verärgert ihn. Zwar habe der Investor die Baugenehmigung für einen Supermarkt, allerdings nicht für ein Nahversorgungszentrum mit mehreren Geschäften. Teile des Grundstücks mit Altlasten verseucht Laut eigenen Aussagen, hat der Eigentümer in den Standort viel Geld investiert. Der Erhalt des Bildungswerkes kostete hohe Summen, genauso der Abriss der Gebäude und die ordnungsgemäße Kontrolle eines Flurstückes, welches Altlastenverseucht ist. Wenigstens Supermarkt und Drogerie Seitdem steht die Baustelle still. Auf dem Gelände häufen sich die Schuttberge. „Wir benötigen endlich Klarheit, aber die haben wir seit zwei Jahren nicht mehr“, erzählt Andreas Barth. Die Bauarbeiten gehen für den Investor erst weiter, wenn die Baugenehmigung für das Nahversorgungszentrum steht. „Der kleinste Nenner auf den wir uns einigen können, wäre die Errichtung eines Supermarktes und einer Drogerie, um kostendeckend wirtschaften zu können“, findet Barth. Wie geht es weiter? Am 24. November findet die nächste Stadtratssitzung statt. Dort wird die Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes durch die Stadträte weiterverhandelt. Der Eigentümer, sprich die City- und Centermanagement Weimar GmbH kann sich an diesem öffentlichen Prozess beteiligen und ihre Vorstellungen einbringen. Ob und wie diese Einfluss auf das Konzept in Zukunft nehmen, das müssen die Stadträte entscheiden.