Silke Richter

Neuer Glockenklang in alter Kapelle

Dörgenhausen. Die Christkönigskapelle bekommt eine neue Glocke. Ein Teil der Finanzierung wird von Dorfbewohnern gestemmt. Eine Tradition mit Herzblut.

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Matthias Kochta (l.) und Bernd Graf freuen sich darüber, dass in Dörgenhausen bald die neue Kapellenglocke erklingt. Doch zuvor gilt es viele bürokratische Hürden zu meistern.

Matthias Kochta (l.) und Bernd Graf freuen sich darüber, dass in Dörgenhausen bald die neue Kapellenglocke erklingt. Doch zuvor gilt es viele bürokratische Hürden zu meistern.

Foto: Silke Richter

Seit ein paar Wochen ist es in dem Hoyerswerdaer Ortsteil ruhiger geworden. Es fehlt etwas Entscheidendes, was den Alltag der Dorfbewohner aktiv mitgestaltete. Die Kirchenglocke in der Christkönigskapelle ist verstummt.

Der Schwingungsträger läutete in der 1954 geweihten katholischen Kapelle bislang zum Gottesdienst, zum Gedenken an Verstorbene, zur Mahnung, an Gedenktagen wie dem »Fest des Heiligen Martin«, zur Begleitung der Wittichenauer Osterreiterprozession oder wenn die Uhr »nur« die Botschaft in die Häuser übermittelte: Es ist jetzt Punkt 18 Uhr. Für Matthias Kochta und Bernd Graf ein wichtiger Orientierungspunkt in Kindertagen: Für die Jungen war es Zeit nach Hause zu gehen. Es war auch eine Zeit, in der die Kapellenglocke noch mittels Seils und reiner Körperarbeit betätigt werden musste.

Für die beiden Jungen auch ein Spaß mit sportlicher Betätigung. »Das war schon auch lustig, wenn man als Kind an dem Seil gehangen hat, um die Glocke zum Klingen zu bringen«, erinnert sich Matthias Kochta mit einem Blick in die Vergangenheit zurück. Die beiden Herren sind ihrer Heimat treu geblieben und durften mit ihren Ehefrauen das 25-jährige Jubiläum in der Kapelle Dörgenhausen feierlich begehen. Mittlerweile erklingt die Kapellenglocke mittels moderner Automatisierungstechnik.

Der Zahn der Zeit macht aber auch vor einer Kapellenglocke nicht halt. Ein Glockensachverständiger musste feststellen, dass der alte Schwingungsträger aus Bronze längst in die Jahre gekommen war. »Es war nur noch eine Frage der Zeit. Irgendwann wäre sie kaputtgegangen. Deshalb war es höchste Zeit, sich nach einem geeigneten Ersatz umzuschauen«, erklärt Matthias Kochta.

 

Dörgenhausener beweisen hohes Engagement

Und so wurden Ideen gesammelt, Kostenvorschläge eingeholt, Anträge für Fördermittel gestellt und eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Die neue Glocke wird wie ihre Vorgängerin ebenfalls aus Bronze gegossen und im niederländischen Asten hergestellt. Kostenpunkt sind etwa 40.000 Euro. Die Investitionssumme wird zur Hälfte vom Bistum Görlitz, der Pfarrei Wittichenau und Fördermitteln von der Stadt Hoyerswerda getragen. Die andere Hälfte setzt sich aus Spendengeldern von Einwohnern aus Dörgenhausen zusammen. »18 Monate wurde gesammelt. Dieses Engagement und die hohe Unterstützung sind heutzutage nicht selbstverständlich. Wir freuen uns sehr über diese aktive Hilfe«, erklärt Bernd Graf vom Kirchenvorstand der katholischen Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Wittichenau, zu der auch Dörgenhausen gehört.

Der Ortsname bedeutet übrigens so viel wie »Häuser der Thüringer«, weil er durch eben jene Siedler einst gegründet wurde. Die Christkönigskapelle liegt direkt an der Schwarzen Elster und wurde von Landwirten angeregt. Schon damals halfen viele Dorfbewohner aktiv und unentgeltlich mit, um die Kapelle schnellstmöglich errichten zu können. Ein Teil der benötigten Gelder wurde, ähnlich wie jetzt auch bei der Anschaffung der neuen Kirchenglocke, durch Spenden finanziert. Eine Tradition mit Herzblut die sich nun weiter fortsetzt.

 

Alte Glocke wird Ehrenplatz erhalten

Der neue Schwingungsträger wird knapp 90 cm hoch sein, hat einen Durchmesser von 85 cm und wiegt um die 400 Kilogramm. »Die alte Glocke werden wir auf jeden Fall auch behalten. Sie wird einen würdigen Platz bekommen, den wir nur noch finden müssen«, erklärt Matthias Kochta abschließend.


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