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Jetzt geht es der braunen Spree ans Eisenhydroxid

Die kleine Spree soll wieder sauber werden. Momentan sorgt ausgeschwemmtes Eisenhodroxid aus dem ehemaligen Tagebaugelände für eine Verockerung des Flusses. Doch nicht mehr lange, denn dann soll ein ausgeklügeltes Reinigungssystem in Betrieb genommen werden. Dieses wurde am Mittwoch nahe Burgneudorf vorgestellt.
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Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Kochan von der LUG Engineering GmbH erklärt am zukünftigen Standort bei Burgneudorf die Funktionsweise der modularen, containergestützten Wasserbehandlungsanlage, mit der die Spree wieder sauber werden soll. Foto: hgb

Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Kochan von der LUG Engineering GmbH erklärt am zukünftigen Standort bei Burgneudorf die Funktionsweise der modularen, containergestützten Wasserbehandlungsanlage, mit der die Spree wieder sauber werden soll. Foto: hgb

„Das eigentliche Problem ist die Spreewitzer Rinne“, erklärt Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Kochan von der LUG Engineering GmbH. Als in dem einstigen Tagebaugebiet das Grundwasser für den Braunkohlebergbau abgesenkt wurde, kam Sauerstoff mit den im Boden befindlichen eisenhaltigen Mineralien in Berührung. Es bildete sich Eisenhydroxid, sogenannter „Ocker“. Jetzt sind die Tagebaue geschlossen, das Grundwasser steigt wieder an und spült nun das Eisenhydroxid in umliegende Gewässer, wie beispielsweise in die Kleine Spree. Zwar ist Eisenocker an sich nicht gilftig, doch der Schlamm setzt Pflanzen und Fischen in den Gewässern zu. Und auch optisch ist die braune Brühe für die flussabwärts genutzten touristischen Gewässer, wie dem Spreewald, nicht wirklich förderlich.

Jetzt wird gereinigt

Bereits im September diesen Jahres war Baubeginn einer neuartigen, modularen, containergestützten Wasserbehandlungsanlage (WBA) zur Eisenminderung am Standort der ehemaligen Grubenwasserreinigungsanlage Burgneudorf. Die WBA besteht nicht aus festen Gebäude, aufgebaut wird High-Tech in Containern.

„Wir haben eine ähnliche Anlage schon einmal erfolgreich in Vietnam aufgebaut“, sagt Kochan.
Die Wasserbehandlungsanlage, welche nahe der Spree in Burgneudorf entstehen wird, besteht aus einem sogenannten Brunnenriegel, einem System aus 20 Filterbrunnen, über die das unterirdisch abfließende Wasser aus der „Spreewitzer Rinne“ aufgefangen wird und den modularen Reinungskomponenten selbst. Vereinfacht gesagt, wird dem Wasser durch verschiedene Prozesse unter anderem Sauerstoff und Kalk zugesetzt, damit sich Eisenflocken absetzen, welche dann in einem weiteren Modul abgeschieden werden können. Zurück bleibt stark gereinigtes Wasser und Schlamm, der weiterverwertet werden soll. Die Ingenieure haben berechnet, dass nach erfolgter Reinigung die Eisenhydroxid-Belastung von 80mg pro Liter Wasser auf 8mg pro Liter sinken soll. Insgesamt wird die Eisenbelastung der Kleinen Spree um rund 90 Prozent sinken.
„Ob die Spree danach in fünf, acht oder zehn Jahren sauber sein wird, wissen wir nicht“, sagt Volkmar Zarach, Leiter der LMBV-Gruppe Fließgewässer Lausitz, „doch wir wissen, dass die Maßnahmen wirken“.
Nützlicher Abfall

Die großen Mengen an Schlamm, die bei der Wasserreinigung entstehen, sollen sinnvoll genutzt werden. „Über eine Deponierung denken wir noch nicht nach“, sagt Volkmar Zarach, „das ist für uns die letzte Option. Wir wollen den anfallenden Schlamm verwerten lassen“. So ist man bereits mit einer Firma in Lauta im Gespräch, die den Eisenhydroxidschlamm bei der Produktion von Farbpigmenten und Filtern verarbeiten kann.

Mehr als zufrieden


Auch Manfred Heine, Bürgermeister der Gemeinde Spreetal, war bei der Vorstellung der modularen Wasserbehandlungsanlage zu Gast. In Bezug auf die Feststellung, dass das Genehmigungsverfahren für die neue Anlage in erstaunlich kurzer Zeit realisiert werden konnte, sagte er: „Ich bin mehr als zufrieden, dass wir jetzt beginnen können. Alles was wir hier tun hilft nicht nur uns, sondern auch unseren Nachbarn.“

Der Zeitplan

In den letzten sechs Monaten wurden bauvorbereitende Maßnahmen realisiert. Eine alte Schaltwarte auf dem Baugelände wurde abgerissen, ein Ausweichquartier für die darin lebenden Fledermäuse hergerichtet, die Fläche planiert. Anfang bis Mitte Oktober sollen schon die ersten Baufahrzeuge anrücken. Im zweiten Quartal nächsten Jahres werden die Module aufgestellt und Ende 2017 wird die Anlage in Betrieb gehen.
(Henry Gbureck)