Rainer Könen

»Ich sehe mich als Wegbegleiter«

Region. Rödertaler, die ihre Rente beantragen, sind bei Wolfgang Deißler gut aufgehoben. Der Versichertenberater führt in Ottendorf-Okrilla und Radeberg Rentensprechtage durch.

Bilder
Der 65-jährige Wolfgang Deißler ist Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund. 
 Foto: Rainer Könen

Der 65-jährige Wolfgang Deißler ist Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund. Foto: Rainer Könen

An diesem Dienstagabend geht für Wolfgang Deißler ein langer Tag zuende. Es ist kurz nach 18 Uhr. Im Trauzimmer des Ottendorfer Rathauses, wo er allmonatlich seinen Sprechtag abhält, packt der 65-Jährige seine Arbeitsutensilien zusammen: Laptop, Taschenrechner, Sozialgesetzbuch, Kugelschreiber, Rentenanträge. Sein Sprechtag hatte um neun Uhr begonnen, etliche Rentenanträge nahm er entgegen.

Wolfgang Deißler ist Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund, führt seit sechs Jahren seine Versichertenberatungen im Landkreis durch. Genauer gesagt in Pulsnitz, Königsbrück, Ottendorf-Okrilla und Radeberg. Es ist ein kostenfreier Beratungsservice für die Rentenpflichtigen aller Träger der Rentenversicherung. Seine ehrenamtlich ausgeübte Tätigkeit umschreibt er so: »Ich begleite die Menschen ein Stück auf dem Weg in die Rente.« Anders ausgedrückt: Deißler ist der Anfang vom Ende: vom Ende einer Berufslaufbahn. Schließlich kommen irgendwann »alle mal an den Punkt, an dem man sich mit der Rente beschäftigen muss«, so Deißler. Und damit tauchen auch etliche Fragen auf: Was kommt bei der Antragstellung auf mich zu? Und vor allem: Wie hoch wird die Rente ausfallen? Die ist ja aufgrund unterschiedlicher Berufslaufbahnen oft eine sehr individuelle Angelegenheit. Der 65-Jährige beschreibt, dass es ihm ein großes Anliegen sei, von den Antragstellern nicht als Bürokrat wahrgenommen zu werden, sondern als jemand, der »einen an die Hand nimmt, um alle offenstehenden Fragen gemeinsam zu klären«. Er wisse aus jahrzehntelanger Erfahrung, was in den Menschen vorgehe, wie sie sich fühlten, wenn sie vor ihm säßen. »Viele sind angespannt, sehr aufgeregt«, erzählt er. Einfach die Rente beantragen und den letzten Lebensabschnitt zu beschreiten, damit seien etliche mental überfordert. Ein Grund: weil viele keine Planungen für diesen Abschnitt haben. Wer konkrete Ideen für diese Lebensphase hat und wer nicht, das bekommt Deißler bei seinen Sprechtagen schnell mit. »Da sind diejenigen, die sich auf die Rente freuen, voller Vorfreude sind, weil sie einiges vorhaben«. Dann gebe es welche, für die ein Leben ohne Arbeit »unvorstellbar ist«. Und dann gebe es die, denen mit der Antragstellung plötzlich bewusst wird, dass sie bald »Rentner« sein werden. Was manche als gesellschaftlichen Abstieg empfänden.

Deutsche Rentenversicherung Bund, Knappschaft: Alles, was mit Rente zu tun hat, läuft über seinen Schreibtisch. Wer sich bei ihm anmeldet, bekommt per Mail ein Merkblatt mit Hinweisen, was alles zum Termin mitzubringen ist. Die Versicherten werden also nicht mit Formularen eingedeckt, wie das viele befürchten, wenn es an die Antragstellung geht. Vielmehr gehe er mit dem Versicherten den über 20 Seiten umfassenden Rentenantrag gemeinsam durch, so Deißler. Wer in Rente gehen will oder muss, solle den Antrag frühzeitig stellen, rät der 65-jährige Deißler. Termine dauern bei ihm »im Schnitt eine Dreiviertelstunde«. Dennoch nimmt er sich Zeit für etwas »Small talk«. Ist ihm wichtig, das lockere die Gesprächs-Atmosphäre auf.

Deißler macht diesen Job schon recht lange. Seit 1993 hilft der ehemalige Geschäftsführer einer Krankenkasse Menschen in den Ruhestand, ist einer von rund 2.400 ehrenamtlichen Versichertenberatern in Deutschland. Deißler hat seine Arbeitssachen mittlerweile zusammengepackt, ein Blick in den Flur. Niemand da. Es ist 19 Uhr. Feierabend für den Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund. In zwei Tagen steht der nächste Sprechtag an, ist er im Radeberger Rathaus. Dort wird er wieder Menschen beim Einstieg in die Rente helfen.

Bei Fragen rund um das Thema Rente ist Wolfgang Deißler, unter der Rufnummer 03578/ 310 217 erreichbar.


Meistgelesen