Sandro Paufler

Großharthau boomt - Berliner Wissenschaftler wollen herausfinden warum

Großharthau. Die Gemeinde wurde als eine von sechs Kommunen bundesweit von Forscherinnen des Berlin-Institut ausgewählt, um Erkenntnisse über den starken Zuzug und das Leben im ländlichen Raum zu gewinnen. Dabei ist die Meinung der Einwohner gefragt.

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In Großharthau werden sowohl  Alteingesessene als auch Zuzügler über das Leben im ländlichen Raum befragt

In Großharthau werden sowohl Alteingesessene als auch Zuzügler über das Leben im ländlichen Raum befragt

Foto: Sandro Paufler

Die Gemeinde Großharthau boomt. Das Beweisen drei neu errichtete Wohngebiete und ein durchschnittlicher Zuzug von jährlich 52 Menschen in der Gemeinde. Wie der Bürgermeister Jens Krauße meint, könnte der Ort in den nächsten Jahren die 3000-Einwohner-Marke knacken - Großharthau gehört zu den wenigen Kommunen im Landkreis Bautzen, die eine stetige Steigerung der Einwohnerzahl vorweisen kann.

 

Die Bundesstraße und die Bahnstrecke nach Dresden als Standortvorteil?

 

Das liegt vor allem an der günstigen Lage der Bundesstraße 6 und der Bahnstrecke nach Dresden und in Richtung Bischofswerda. Zudem konnten in den letzten Jahren genügend Bauflächen geschaffen und entsprechende Lückenbebauung genutzt werden, ist sich Bürgermeister Krauße sicher.

 

Forschungsteam fünf Tage in Großharthau unterwegs

 

Auch überregional haben sich diese Entwicklungen herumgesprochen. Aus diesem Grund residieren Forscherinnen des Berlin-Institut vom 22. bis 27. September in Großharthau.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Lilian Beck erklärt den Besuch in Großharthau etwas genauer: "In unserer kürzlich erschienenen Studie "Landlust neu vermessen" haben wir uns das Wanderungsgeschehen in Deutschland genauer angeschaut und festgestellt: Mehr Menschen ziehen aufs Land als noch vor zehn Jahren. Auch Kleinstädte und Landgemeinden zählen heute zu den Wanderungsgewinnern." Um herauszufinden, wie das Gemeindeleben mit Alteingesessenen und Zuzüglern funktioniert und welche Auswirkungen dies auf das Leben im ländlichen Raum hat, bereist das Forscherteam sechs ausgewählte Kommunen in Deutschland. Laut Lilian Beck waren sie schon zu Besuch in der Gemeinde Mehlmeisel im bayrischen Fichtelgebirge, in Sanitz bei Rostock, im schleswig-holsteinischen Borgstedt und nun in der sächsischen Kommune Großharthau. Demnächst wird ein Besuch im baden-württembergischen Allmendingen und eine Gemeinde in Hessen genauer unter die Lupe genommen. Hauptkriterium für die Auswahl der Gemeinde ist ein vergleichsweise hoher Zuzug in den letzten Jahren.

 

Diskussionsrunde in Großharthau geplant

 

Vor Ort werden die Wissenschaftlerinnen Gespräche mit Einwohnern der Gemeinde, kommunalen Vertretern und Vereinsvorständen führen. Neben den Ergebnissen aus den Befragungen fließen Informationen aus den Datenbanken der statistischen Ämter in die neue Studie mit herein. Speziell für Großharthau ist eine Diskussionsrunde am 26. September um 18:30 Uhr im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr geplant. Dort sollen Alteingesessene und Zugezogene an einen Tisch gebracht werden. Zusätzlich können sich Interessierte Einwohner per Mail an beck@berlin-institut.org oder per Telefon 030 - 22 32 48 45 in der Zentrale des Berlin-Instituts an die Forscherinnen wenden.

Der Bürgermeister Jens Krauße ist selbst gespannt auf die Ergebnisse in seiner Gemeinde: "Vielleicht finden wir in der Befragung Ansätze, wie wir das Gemeindeleben noch weiter verbessern können."

Die Studie wird voraussichtlich im Spätsommer 2023 auf der Website der Wüstenrot Stiftung veröffentlicht.